Das Wort erleiden

Über den Reformator Thomas Müntzer
Über die Sendung

Martin Luther macht es den Leuten zu leicht, findet Müntzer. Glauben muss wehtun. Und sichtbare Spuren hinterlassen. Auch in der sozialen und politischen Realität.

 

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„Dabei hilft keine Glosse der Menschen, die in sinnlicher Weise die Werkheiligen nach ihrem Bedünken überwinden, wenn sie die Welt noch schlimmer vergiften mit eingebildetem Glauben als die anderen mit tölpelhaften Werken.“ („Von dem gedichteten Glauben“, dem angehängten Brief an Hans Zeiß)

 

So äußerte sich Thomas Müntzer Ende 1523 in einem Brief an Hans Zeiß, einen angesehenen Bürger der kleinen Stadt Allstedt im Südharz, wo er Pfarrer an der Neustadtkirche St. Johannis war. Er hatte sich zuvor als Mitstreiter Luthers verstanden. Mittlerweile war Müntzer aber zu der Ansicht gelangt, dass nicht allein die spätmittelalterliche Kirche mit ihren Praktiken der Reformation im Wege stand. Als mindestens ebenso hinderlich sah er den Ansatz Luthers und seiner Mitstreiter in Wittenberg. Sie mögen noch so viele Worte machen, sie richteten noch schlimmeren Schaden an mit ihrer Lehre, behauptete er. Ein falsches Glaubensverständnis warf er ihnen vor, das er mit dem Ausdruck gedichteter Glaube umschrieb. Gemeint war, wie der langjährige Müntzer-Forscher Siegfried Bräuer erläutert, …

 

„… dass ich annehme, ich glaube, aber es ist nicht viel dahinter, nicht erprobt, nicht geprüft. Man könnte auch sagen, angelernt, nur überkommen … statt eigenständig erworben. Und er hat den Verdacht, dass es gar nicht der bittere Glaube ist, sondern der süße, der verführerische, der mir nicht wehtut, den ich gerne annehme, der mich voranbringt, aber den ich nicht erleide, unter dem ich nicht leide, mit dem ich mich nicht wirklich auseinandersetze.“

 

Darauf aber kam es Müntzer an. Sonst, meinte er, bliebe alles beim Alten oder würde schlechter. Zuvor hatte man sich auf Zeremonien, Heiligenanrufung und Ablass verlassen, um der ewigen Verdammnis zu entkommen. Fortan könnte man die Zusage, dass der Glaube allein den Menschen rechtfertige vor Gott, als pauschalen Freispruch ansehen und sich in der Illusion wiegen, gottgefällig zu sein ohne eigenes Zutun. Der Glaube wäre eine Art Lebensversicherung, ein unveräußerlicher Besitz, der einem nicht genommen werden kann. Für Müntzer aber war er ein …

 

„… fortlaufender Prozess, ein Schaffen und Geschaffenwerden, ein Wirken, das nie aufhört. Und er hat den Verdacht, dass Luther es den Leuten zu leicht macht, indem er sagt: Vertrau nur, geh hin zu deinen Freunden, iss und trinke und spiele, sei guten Muts, grübele da nicht lange, sondern halte dich daran, was Christus gesagt hat, das genügt. Er meint, dass im Ergebnis zu ermilderten Bedingungen ein Glaube rauskommt, keiner, der tiefe Furchen beim Menschen hinterlässt und der nicht ihn verwandelt, der ihn nicht erneuert und auch zu einer anderen Lebenshaltung bringt.“

 

Eine Lebensform, die Gott dem Menschen geben kann, war der Glaube für Müntzer, die Erfahrung einer tiefgreifenden Veränderung. Wie die spätmittelalterlichen Mystiker es beschrieben, zeigte sich für ihn im Glauben, wie Gott in der menschlichen Seele wirkt. In dem Maße, wie die Seele ihrer Widerstände gegen dieses Wirken beraubt wurde, verlor sie ihren „gedichteten“ Glauben – die Annahme, sie glaube schon – und besiegte ihren Unglauben. In dem Maße wurde der Mensch ein anderer. Müntzer stellte nicht, wie Luther, dem Glauben als zu überwindendes Gegenstück die frommen Werke gegenüber. Er sah vielmehr den Glauben selbst als ein Werk Gottes, das den Menschen umformte und so auch Werke, sowohl geistliche als auch soziale, folgen ließ. Das war der große Dissens zwischen den beiden Reformatoren – mit weitreichenden Folgen für die Glaubenspraxis, aber auch für den sozialen und den politischen Bereich.

 

 

Vor seiner Tätigkeit in Allstedt hatte Müntzer die bestehende katholische Kirche attackiert. So 1519 in Jüterbog, wo er sich mit den Franziskanern angelegte. Noch deutlicher sagte er ihnen ein Jahr später in Zwickau den Kampf an, als Vertretung für den reformatorisch gesinnten Prediger Sylvius Egranus. Gleich in seiner Antrittspredigt am Himmelfahrtstag 1520 geißelte er die Mönche als blutsaugende Ungetüme, griff die Zeremonien der Kirche, ihren Reichtum, das Messopfer und das kanonische Recht an und beklagte die moralische Verkommenheit. Dann kam der gleichfalls von der Stadt angestellte Prediger Egranus zurück. Müntzer wechselte von der Marien- zur Katharinenkirche. Es hätte nun zu einem Zusammenwirken der beiden Prediger kommen sollen. Stattdessen griff Müntzer Egranus an. Wie er später aus Allstedt zur Rechtfertigung an Luther schrieb, habe Egranus die Auffassung verkündet, …

 

„… der Heilige Geist habe nur das Wort Gottes den Jüngern eingegeben und das sei dann nicht mehr nötig gewesen, sondern dann seien ja die Kirchenväter da gewesen, die Theologen da gewesen, die es auslegten. Und das brauchte man nicht mehr, dass man also direkte Botschaften von Gott empfing. Und da ist Müntzer in die Luft gegangen und sagte, das gibt es ja gar nicht, dass der Heilige Geist historisch festgelegt wird auf die Anfangsphase und dann wird nur noch interpretiert, und das ist die Verantwortung der Theologen und dass der Glaube praktisch, der wahre Glaube historisch verankert wird und eingegrenzt wird.“

 

Den Glauben historisch zu fixieren als einen Idealzustand, den es nur zur Zeit der Jünger gab, war für Müntzer das Gegenteil reformatorischen Wirkens. Eine solche Auffassung stand einer erneuerten Beziehung zwischen Gott und Mensch auf bedenkliche Weise im Wege. Der Glaube hatte so keine aktuelle Kraft. Ebenso bedenklich war es, das Wirken des Heiligen Geistes auf die Jünger- und Apostelzeit zu beschränken. Für Müntzer ließ sich dieses Wirken als aktuelles Handeln Gottes in der persönlichen Nachahmung Jesu, erfahren, eine leidvolle Erfahrung.

 

„Wenn die leidensstrukturierte Nachfolge Jesu geschieht, da mischt sich der Geist Gottes ein und bringt das voran, vertieft das, verstärkt das und dann meldet sich an einer Stelle und zwar, wenn der Mensch völlig verzweifelt ist, leer ist, also nicht mehr weiter kann, meldet sich Gott selbst in seinem Inneren und macht seine Gegenwart bewusst durch das lebendige Wort. Der Mensch wird praktisch überfallen, überrascht dann, von Gottes Nähe ausgefüllt.“

 

Indem er das Wirken Gottes an sich erfährt, das lebendige Wort erleidet, wie er es nannte, wird der Mensch seines Glaubens gewiss, behauptete Müntzer. Das bedeutete, wie es die Mystiker verstanden, ein Gereinigtwerden, ein Nichtswerden, ein Leerwerden für das Empfangen Gottes. Das damit verbundene seelische Leiden ist ein heilsames Leiden, war sich Müntzer gewiss. Auch äußerliches Leiden konnte zu dieser heilsamen Belehrung durch Gottes Geist gehören. Wichtiger war ihm aber die innere Reinigung. Er wusste um den kreatürlichen Widerstand, Gottes Wirken in sich anzunehmen. Deshalb musste die Reinigung schmerzhaft sein. So schrieb er im 12. Abschnitt seiner in Allstedt verfassten Schrift „Protestation“:

 

„Lieber Mensch, du musst erdulden und wissen, wie dir Gott selber dein Unkraut, Disteln und Dornen aus deinem fruchtbaren Lande, das ist, aus deinem Herzen, rodet: Anders wächst dort nichts Gutes, außer dem wütenden Teufel, in Licht verkleidet. Und ob du die Bibel gefressen hättest, es hilft dir nicht, du musst die scharfe Pflugschar leiden. Hast du doch keinen Glauben, Gott gebe dir denn ihn selber und lehre dich denselben. Gott muss deine Lenden schürzen. Ja, du musst alle Bekleidung, mit der du von allen Kreaturen angezogen bist, durch Gott von dir abwerfen lassen.“ („Protestation“, Abschnitt 12)

 

 

In Zwickau, wo Müntzer von Mai 1520 bis April 1521 als Prediger wirkte, hatte sich gezeigt, dass er einen Ansatz vertrat, der sich von der Linie Luthers unterschied. Es war ihm selbst nur noch nicht klar geworden. Und so sah er sich als Mitstreiter Luthers in seinem Kampf gegen den humanistisch geprägten Prediger Egranus. Sein Missfallen erregte auch dessen Bibelverständnis. Im Grunde sah Egranus in ihr einen Text wie jeden anderen, der sich unter philologischen Gesichtspunkten betrachten ließ, nicht anders als beispielsweise Homers Ilias. Müntzer hingegen ging es um ihre existentielle Aneignung, wobei er betonte, dass die Bibel den Glauben nicht hervorrufen kann. Sie bezeugt ihn, indem sie anhand ihrer großen Glaubensgestalten seinen Werdegang im Menschen aufzeigt. Dasselbe Muster, wie der Glaube im Inneren entsteht, fand Müntzer hier im Vorbild bestätigt. Denn sowohl die Jünger als auch die Propheten und Patriarchen des Alten Testaments hatten den Glauben und die Zusagen Gottes erlitten, hatten sich ihnen versperrt, waren von ihnen hart gefordert worden, bis sie sie annehmen und danach handeln konnten. Deshalb äußerte Müntzer in seiner Schrift „Von dem gedichteten Glauben“ über Abraham, dass er von Gottes Zusage gepeinigt wurde. Diese Wirkung der Bibel hat Müntzer darin so beschrieben:

 

„Ach nein, allerliebste Christen, last uns die heilige Bibel dazu benutzen, wozu sie geschaffen ist, zu töten und nicht lebendig zu machen wie das lebendige Wort, das eine leere Seele hört. Lasst uns nicht ein Stück von hier, das andere von dort nehmen, sondern in der Lehre des Geistes und nicht des Fleisches solches in eins fassen, welchem man an allen Orten der Schrift obliegen muss, dass sie tröste und erschrecke.“ („Von dem gedichteten Glauben“, Abschnitt 6)

 

Auch Luther behauptete nicht, dass die Bibel den Glauben gibt. Aber er und die Wittenberger Reformatoren sprachen ihr doch eine wesentliche Rolle bei seiner Erweckung zu. An Egranus zeigte sich ein anderes Problem. Seine Beschränkung des Geistwirkens auf die Jüngerzeit erlaubte den Theologen eine ungewöhnliche Machtstellung. Sie waren nun aufgrund ihrer Gelehrsamkeit diejenigen, die deuten durften, auch die Heilige Schrift. Das war ein Angriff auf die religiöse Freiheit der Christen und das Priestertum aller Getauften. Wie der Glaube war die Bibel für Müntzer kein unverlierbarer Besitz. Auch sie musste leidvoll erschlossen werden. Sie gehörte nicht den Theologen als ihren berufenen Auslegern. Deshalb griff er sie als „Pharisäer und Schriftgelehrte“ an, unter anderem in seiner „Hochverursachten Schutzrede“. Müntzer hatte diese Schrift als Reaktion auf Luthers gegen ihn gerichteten „Brief an die Fürsten zu Sachsen wider den aufrührerischen Geist“ im Herbst 1524 verfasst. Dort heißt es, …

 

„… dass die jetzigen Schriftgelehrten nicht anders tun als vor Zeiten die Pharisäer: rühmen sich der Heiligen Schrift, schreiben und klecksen alle Bücher voll und schwatzen, je länger je mehr: ‚Glaube!, glaube!‘, und verleugnen doch die Ankunft des Glaubens, verspotten den Geist Gottes und glauben gar überall nichts, wie du siehst.“ („Hochverursachte Schutzrede“ 1524)

 

 

Immer wieder traf Müntzer fromme Handwerker und Händler, die sich um ein gottwohlgefälliges Leben bemühten. Sie in ihrer Gottessuche und ihrem Streben nach einem guten Lebenswandel zu unterstützen, sah er als seine Aufgabe. Dem diente auch die Reform des Gottesdienstes, den er in Allstedt gleich nach seiner Ankunft im Frühjahr 1524 in Angriff nahm. Er verdeutschte die Elemente, ordnete die biblischen Lesungen neu, textete vor allem die Palmgesänge neu. Die Gregorianik gestaltete er zu einer einstimmigen Gemeindeliturgie um. Nicht mehr der Priester allein vollzog von nun an den Gottesdienst. Die ganze Gemeinde war an seinem Geschehen beteiligt.

Für Müntzer war der Gottesdienst ein Mysterium, das die Ankunft des Glaubens begleitet, festigt und vorbereitet. Insofern schrieb er ihm eine geistlich erzieherische Funktion zu. Mit seinen Predigten unterstützte Müntzer diese Wirkung. Mit großem Erfolg. Die Katharinenkirche war rappelvoll, auch davor drängten sich die Menschen, Allstedter und viele von außerhalb. Als Seelsorger hatte Müntzer alle Hände voll zu tun. Der Bedarf nach geistlicher Belehrung war groß. Die Laien sollten aber auch hinsichtlich ihrer Lebensführung Weisung erhalten. Reformation hieß für Müntzer nicht, nur gegen das Papsttum und die „altgläubigen“ Priester aufzutreten. Er sah die Gefahr, dass die Menschen, von deren Einflussnahme befreit, nun taten, was ihnen beliebt. Es ging nicht an, dass sie anstelle frommer Werke und solcher der Barmherzigkeit die Zügel schießen ließen und den Glauben als Feigenblatt für unmoralisches Handeln nutzten. Deshalb schrieb Müntzer:

 

„Das Ziel wird weit verfehlt, wenn man predigt, der Glaube müsse uns rechtfertigen und nicht die Werke. Das ist eine falsche Rede. Da wird der Natur nicht vorgehalten, wie der Mensch durch Gottes Werk zum Glauben kommt, worauf er vor allem und über alle Dinge warten muss. Anders ist der Glaube keinen Pfifferling wert und ist hinsichtlich unserer Wirksamkeit von Grund aus erlogen.“ („Protestation“, Abschnitt 14)

 

 

Die Umwandlung durch den Glauben sollte moralische und soziale Früchte hervorbringen. Insofern war diese Umwandlung unbedingt zu fördern. Dazu gehörte der freie Zugang zur neuen Form des Gottesdienstes. Aber Graf Ernst von Mansfeld untersagte den Besuch. Andere Adlige hinderten ihre Untertanen mit Gewalt daran, Müntzers Gottesdienste in Allstedt wahrzunehmen. Der sah nicht nur in Bauern, Handwerkern und Händlern Laien, die sich dem neuen Glaubensverständnis öffnen sollten. Er erhob diesen Anspruch auch gegenüber der Obrigkeit. Auch an sie erging die Forderung, mit dem neuen Glauben ihr Verhalten zu ändern. Am 13. Juli 1524 machte Müntzer ihnen auf Schloss Allstedt klar, was nach seiner Auffassung von ihnen im Sinne der Reformation erwartet wurde. In der später Fürstenpredigt genannten Auslegung des zweiten Kapitels des Buches Daniel wies er die Adligen darauf hin, dass ihre Machtstellung nicht unerschütterlich sei. Es gäbe durchaus so etwas wie ein Widerstandsrecht gegen sie. Gegen Ende der Predigt sagte Müntzer:

 

Wo sie aber das nicht tun, so wird ihnen das Schwert genommen werden, denn sie bekennen ihn also mit Worten und leugnen sein mit der Tat.“ („Fürstenpredigt“)

 

 

Die Frontstellung zwischen Müntzer und Luther hatte sich immer mehr verschärft. Sie betraf auch beider Sicht auf die Obrigkeit. Luther sah in ihr eine Ordnungsmacht, gegen die man bestenfalls Beschwerde einlegen konnte. Ansonsten aber hatte man jedes von ihr verübte Unrecht zu dulden; Widerstand gegen sie war Empörung gegen Gott. Müntzer hingegen nahm die Machthaber als Christen ernst, die den neuen Glauben zu praktizieren hatten. Er maß ihr Existenzrecht daran, ob sie zum Wohl der Menschen, vor allem zum Schutz und zur Beförderung der Gläubigen, tätig waren. Wenn sie gegen diese Aufgabe handelten, war Widerstand erlaubt, unter Umständen sogar geboten. Nicht nur, wenn sie die Glaubensfreiheit behinderten, auch bei schwerer Bedrückung der Menschen. In der „Hochverursachten Schutzrede“ schrieb er deshalb:

 

„So sie nun alle Menschen nötigen, den armen Ackerman, den Handwerksmann und alles, was lebt, schinden und wenn er sich dann vergreift am allergeringsten, so muss er hängen. Da sagt dann der Doktor Lügner: Amen. Die Herren machen das selber, dass ihnen der arme Mann Feind wird.“ („Hochverursachte Schutzrede“)

 

Mit dem „Doktor Lügner“ war Luther gemeint. Müntzer radikalisierte sich unter dem Angriff seiner theologischen Gegner, aber auch unter dem Eindruck der Bedrückung der Gläubigen, sozialer Ungleichstellung und Machtwillkür. Zunehmend war er davon überzeugt, dass das Volk zum Träger obrigkeitlicher Gewalt werden müsse. Wie aus dem inneren Erleben des Glaubens eine Veränderung des Verhaltens werden sollte, so sollten sich auch die sozialen und politischen Umstände verändern, den neuen Gläubigen zum Schutz und Nutzen. Schließlich strebte er eine Art demokratisch-gemeinschaftliche Theokratie an. Er nahm Kontakt zu den kämpfenden Bauern auf. Und schloss sich ihnen an. Begeistert warb er für Mitstreiter. So in einem Brief nach Allstedt Ende April 1525:

 

„Dran, dran, solange das Feuer heiß ist. Lasst euer Schwert nicht kalt werden vom Blut. Schmiedet pinckepanck auf dem Amboss Nymrod, werft ihnen den Turm zu Boden! Es ist nicht möglich, solange sie leben, dass ihr die menschliche Furcht loswerdet. Man kann euch nichts von Gott sagen, solange sie über euch regieren. Dran, dran, solange ihr Tag habt. Gott geht euch voran, folgt!“ (Werbeberief an die Allstedter vor der Schlacht bei Frankenhausen)

 

Müntzer und die Bauern wurden bei Frankenhausen geschlagen. Zügellose blutige Rache folgte.

Müntzer wurde gefoltert, aber er widerrief nicht. Er ermahnte die Fürsten ein letztes Mal, das Volk nicht länger zu bedrücken. Am 27. Mai 1525 wurde er mit dem Schwert hingerichtet, seine Leiche zur Abschreckung auf der Feldmark ausgestellt. Luther und seine Mitstreiter verbreiteten von ihm das Bild eines irrationalen religiösen Schwärmers, wüsten Aufrührers und Mordpropheten. Seinen Impulsen, seinen Anfragen an Kirche und Gesellschaft konnten sie so zwar für längere Zeit die Aufmerksamkeit verweigern. Entkräften konnten sie sie nicht. So bleibt, recht verstanden, auch seine Losung aus der „Hochverursachten Schutzrede“ als Anfrage und Anspruch in Kraft:

 

„Das Volk wird frei werden und Gott will allein der Herr darüber sein.“ („Hochverursachte Schutzrede“)

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04.06.2017 07:05