Innere Sicherheit

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Innere Sicherheit – das ist eines der Hauptthemen im nächsten Wahlkampf. Das sagen viele. In dieser Woche haben die Innenminister der Bundesländer darüber beraten. Das müssen sie auch, denn sie sind für die Innere Sicherheit zuständig. Deshalb passiert nach jedem schlimmen Ereignis auch dasselbe: Die Medien berichten, viele Menschen sind erschrocken, die Frage Wer ist schuld? wird gestellt. Und ein Innenminister fordert, dass Gesetz verschärft werden muss. Damit gibt er vielen das gute Gefühl, dass so etwas künftig nicht mehr vorkommen wird. Doch dann passiert wieder etwas Schlimmes. Und so wird die Sicherheitsschraube immer weiter angezogen.

 

Die Zahl martialisch ausgestatteter Polizisten im öffentlichen Raum steigt. Sie stehen für die Fürsorge des Staates. Zugleich machen sie aber auch das Bedrohungspotenzial sichtbar. Sie tun mir ein bisschen Leid, denn auch sie können ja die Sicherheit nicht garantieren. Dafür sammeln sie fleißig Stress und Überstunden. In Hessen wurde in dieser Woche veröffentlicht, dass die Polizisten im Schnitt knapp 200 Überstunden pro Person vor sich herschieben. Zugleich sind sie doppelt so oft krank wie andere Berufstätige.

 

Sicherheit – dagegen kann niemand etwas haben, denn jeder möchte unbeschadet und in Sicherheit leben. Deshalb lässt sich mit diesem Argument auch vieles begründen. Aber diese Sicherheit hat einen Preis. Leider wird er selten genannt.

 

Als Kinder haben wir noch leerstehende Häuser erkundet und sind in Seen ohne Bademeister baden gegangen. Das war abenteuerlich und wir wussten genau, dass wir dabei aufpassen mussten. Entsprechend vorsichtig waren wir. Natürlich ist hier und da dennoch etwas passiert. Deshalb sind alle diese Orte nun bestens abgesperrt. Nicht weil die Gefahr besonders hoch wäre. Einfach nur weil Sicherheit eben vor allem anderen geht.

 

Doch mich beschleicht angesichts dieses Strebens nach Sicherheit ein Unbehagen. Aus drei Gründen:

Erstens bleibt dabei ganz viel Lebensfreude auf der Stecke, zum Beispiel Baden in einem wundervollen See.

Zweitens lernen junge Menschen heute kaum noch wirklich Verantwortung zu übernehmen und Risiken einzuschätzen. Doch wer sich zu stark in Sicherheit wiegt, provoziert neue Risiken.

Und Drittens: Beim Streben nach Sicherheit schwingt oft ein falsches Versprechen mit: Wenn nur alles dafür getan wird, könne es 100 Prozent Sicherheit geben. Aber alle Verbote und Polizisten dieser Welt können nicht verhindern, dass Schlimmes passiert.

 

Dennoch genießt Sicherheit absoluten Vorrang. Mir scheint: sie wird allmählich zu einer Art Fetisch, dem alles andere untergeordnet werden muss. Und warum? Ich habe da eine Vermutung. Es hat damit zu tun, dass viele ihr Vertrauen in Gott verloren haben. Viele glauben, dass sie nur dieses eine Leben haben. Ihre ganze Existenz hängt allein dran. Dessen Schutz muss folglich alles untergeordnet und notfalls auch geopfert werden. Doch damit geht dem so geschützten Leben viel verloren.

 

Ehrlicher wäre sich einzugestehen: Das Leben ist gefährdet – immer. Man wird immer darauf aufpassen müssen. Und man wird immer hoffen müssen, dass alles gutgeht. Und man wird immer darauf angewiesen sein, dass irgendwer einen schützt. Und wer? Innenminister, Polizisten, Bademeister und viele andere sollen tun, was sie können. Mehr sollte man von ihnen aber nicht erwarten.

 

Da bleibt ein Rest. Den möchte ich anders geschützt und geborgen wissen: Indem ich mein Leben in Gottes Hand lege. Dann kann ich fröhlich los leben. Im Angesicht der Risiken und ohne 100 Prozent Sicherheit. Zum Glück leben viele so: Sie lassen sich das Leben nicht vermiesen, egal ob von Terror-, Unfall- odersonstiger Gefahr. Sie wissen sich geborgen inmitten aller Gefahren. Denn ihr Leben ist in Gott gegründet und hat dort seine Heimat. Eine andere Art innere Sicherheit, die einem keine Gefahr der Welt nehmen kann.

 

Was bedeutet Ihnen Sicherheit? Wenn Sie mit mir darüber sprechen wollen, dann können Sie mich und eine Mitarbeiterin bis 8 Uhr erreichen unter: 030 – 325 321 344. Oder diskutieren Sie mit, auf Facebook unter ‚deutschlandradio.evangelisch‘.

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02.06.2017 06:35