Osterfreude – Ostern in unseren Herzen

Rundfunkgottesdienst aus der Evangelischen Kirche Heikendorf
Gottesdienst
Über die Sendung

„Er ist erstanden, Halleluja. Freut euch und singet, Halleluja“ heißt es in einem tansanischen Osterlied. Dieses Lied wird nicht nur in dem Ostermontagsgottesdienst gesungen – es transportiert zugleich das Motto für den evangelischen Rundfunkgottesdienst aus der Heikendorfer Kirche: Osterfreude – Ostern in unseren Herzen. Verschiedene Generationen erzählen, wie bei Ihnen Ostern wird. „Dann hüpf ich du spring“, sagt die fünfjährige Josefine. „Dass man das bestimmte Lächeln in seinem Gesicht hat“, so beschreibt es die 36-jährige Inga Kaufmann. Und der Kinderchor singt „Ich bin grundlos vergnügt, erlöst, befreit“.

 

Beteiligt am Gottesdienst sind neben dem Kinderchor Kinder aus der Kindertagesstätte, ihre Familien und Mitarbeitende aus der Kita. Über das Osterlachen predigt Pastorin Simone Liepolt. Sie erzählt von Petrus und wie er Ostern erlebt hat und von den ersten Frauen, denen zuerst gar nicht nach Lachen zumute war – vom Lachen, das Christen üben müssen gegen Angst und Schrecken. Von der Osterfreude in den Texten, aber eben auch in den Herzen.

 

Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst auch von Georg Schroeter und Marc Breitfelder. Ausgezeichnet mit dem 1. Platz beim „International Blues Challenge“ beherrschen die beiden gefühlvolles Klavierspiel und virtuose Technik auf der Mundharmonika. Im Ostermontagsgottesdienst spielen und singen sie „Glory Blues“ und andere Stücke, die sie eigens für Ostern ausgesucht haben. Die Kantorin Anne Tjorven Christansen begleitet die Gemeinde auf Klavier und Orgel.

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Predigt

Das erste Osterfest erschreckte die Menschen erst einmal. Wir haben es gerade noch einmal gehört: die Frauen trafen am leeren Grab den Engel und hatten erst einmal klopfende Herzen. Was war hier nur passiert? Erst später konnten sie den Jüngern zurufen: Freut euch, freut euch, er lebt! Die Freude, sie stellte sich zunächst nur ganz langsam ein. Die Kinder aus unserem Kindergarten konnten uns vorhin ganz genau sagen, wie sich dieses Freuen anfühlt, wie es schmeckt und klingt – und wir Erwachsene? Wir haben mal die Eltern, den 40-jährigen Ingo Augsberg und die 36- jährige Inga Kaufmann  aus unserem Kindergarten befragt – und Gisela Wittorf, sie ist 64 Jahre alt …

 

Augsberg:

Wir machen das als Familienfest … es ist ja tatsächlich keine sagen wir mal märchentaugliche Geschichte mit happy ending … Wir werden vermutlich mit der ganzen Familie in den Gottesdienst marschieren.

 

Kaufmann:

… für uns ist Ostern noch ein christliches Fest … – ich finde, es fängt einen Abend vorher schon an, nicht einfach, dass es dekoriert ist, sondern dass man sich  freut, seine Liebsten bei sich zu haben, und wenn die Sonne dann auch noch scheint, dass man rausgeht und das bestimmte Lächeln im Gesicht hat.

 

Wittorf:

Dass Christus auferstanden ist, das versuche ich auch immer wieder in die Familie hineinzubringen … auch mit dem Lied Freut euch, Freut euch, Ostern ist da.

 

„Freut, euch, freut euch, Ostern ist da“

 

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Sei mit uns heute Morgen hier in den Bankreihen unserer Kirche, sei mit Ihnen, liebe Hörer und Hörerinnen,  an Ihren Osterfestorten.

„Den muss ich mir unbedingt merken!  Ganz fest nehme ich es mir  vor, wenn ich einen Witz höre, der mich richtig zum Lachen bringt. Aber, wie das dann so ist: Wenn ich ihn selbst das nächste Mal erzählen will, fällt mir der Witz, den ich neulich gehört habe, doch nicht mehr ein. Stattdessen erzähle ich dann einen alten Lieblingswitz von mir, zum Beispiel den hier:

Nach der Kreuzigung Christi kommt Nikodemus zu Josef von Arimathäa und bittet ihn, sein Grab für Jesus zur Verfügung zu stellen, doch dieser ziert sich, nennt allerhand Ausflüchte: „Ach, ich weiß nicht recht, ich brauche das Grab doch für mich und meine Familie.“  –  Darauf Nikodemus: „Stell dich nicht so an  – ist doch nur übers Wochenende! …

Es geht um die Pointe. Der Moment entscheidet, an dem das Erzählte eine neue und unerwartete Richtung nimmt - diese Wendung lässt mich lachen.

Oder kennen Sie den? „Zum Erntedankfest besucht der Pastor seine Bauern. Bauer Hinnerk zeigt ihm seinen Hof mit den bestellten Feldern, den gefüllten Scheunen und den neuen modernen Maschinen nicht ohne gehörigen Stolz.

„Denk dran“, ermahnt ihn, der Pastor, „wem du das zu verdanken hast. Gott hat bei alledem mitgeholfen“. „Weiß ich doch“, antwortet Hinnerk. „Aber, Herr Pastor, Sie hätten mal sehen sollen, wie runtergekommen der Hof war, als Gott ihn noch allein bewirtschaftet hat.“

 

Im Witz ereignet sich etwas Unerwartetes. Und weil das Unerwartete geschieht, ertappe ich mich als Hörerin. Ich ertappe mich dabei, wie sehr ich doch auf das Erwartete, das Alltägliche eingespielt und fixiert bin. Dass etwas unerwartet weiter geht, damit rechne ich nicht – ich rechne nicht mit der ganz neuen Perspektive. Und deshalb ist es lustig, wenn mich das Unerwartete überrascht und meinen Blick verändert. Und am Ende steht ein Lachen. Jedenfalls dann, wenn ich von der Pointe des Witzes ergriffen bin.

Ostern, liebe Gemeinde, geschieht das Unerwartete. Ostern wirft ein neues Licht auf Jesus, den Wanderprediger aus Nazareth.

 

Ostern wirft ein neues Licht auf Jesus, den Wanderprediger aus Nazareth.

Einer, der es wissen muss, weil er einer war, der mit ihm unterwegs war, berichtet es später so. Ich lese den Predigttext aus der Apostelgeschichte, Kapitel 10:

 

In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte:

37 Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:

38 wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.

39 Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet.

40 Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen,

41 zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben.

42 Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen: Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.

43 Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.

 

Im Osterlicht wird für Petrus erst richtig klar, was es mit diesem Jesus von Nazareth auf sich hatte.

"Ihr wisst", sagt Petrus, "was in ganz Judäa geschehen ist!" Ja, seine Hörer und Hörerinnen damals  wussten es. Da war Jesus unterwegs: Er predigte das Reich Gottes. Das war nichts Besonderes damals. Viele predigten in jenen Tagen von einer besseren Welt.

Und er, Jesus, hat Menschen gesund gemacht, sagt Petrus weiter - auch nichts, das wesentlich aufgefallen wäre damals: Viele zogen umher, die Hände auflegten und Wässerchen verkauften. Und manch einer wurde sogar gesund davon.

Und schließlich: Viele sind auch gekreuzigt worden, damals. Eine übliche Weise, die Todesstrafe zu vollziehen. Nichts Besonderes zurzeit Jesu.

Doch inzwischen waren die Frauen am Grab - und fanden den Leichnam nicht. Von diesem Ereignis her wird Petrus klar, was an Jesus anders und besonders war. Von dieser unerwarteten Wendung unterscheidet sich Jesus fundamental von den anderen Predigern und Heilern: Jesus tat all' das im Geist und in der Kraft Gottes. "Gott war mit ihm!", sagt Petrus. Und weil Gott mit ihm war, ist Jesus auch nicht im Grab geblieben. Sie haben ihn ans Holz gehängt und getötet - aber Gott hat ihn auferweckt. Tot bleibt nicht tot, sondern wird Leben. Das völlig Unerwartete durchbricht das Alltägliche.

An diesem Ostermorgen vor über 2000 Jahren nehmen die Ereignisse eine neue Richtung, eine grundlegende Wendung. Der Gekreuzigte ist wieder lebendig und nur wenig später begegnet er seinen Freunden und Freundinnen beim Essen und Trinken. Und Petrus betont noch einmal: "Nach seiner Auferstehung von den Toten." Man stelle sich diese Szene vor: Wer da mit am Tisch sitzt, der strahlt vor Freude. Wieder und wieder blicken Petrus, Maria, all die anderen ,ihren' Jesus, ihren Lehrer, ihren geliebten Freund an und lachen.

Wieder und wieder hören die Freunde und Freundinnen auf das, was Jesus sagt. Wieder und wieder lassen sie sich die Wundmale zeigen. Und wieder und wieder lachen sie vor Freude. Sie verlachen die Macht des Todes. Und sie nehmen Jesus in den Arm und können es nicht fassen. "Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!" rufen sie sich gegenseitig zu. Und dann stimmen sie ein Loblied an. Sie loben und danken Gott: "Halleluja!" singen sie. Doch weil sie vor Freude so viel lachen müssen, können sie gar nicht so richtig weiter singen.

Wer da mit am Tisch sitzt, dem wird klar:

Das, was gerade geschieht, geschieht im Namen Gottes. Und so nennen sie Jesus später in ihren Berichten: Gottessohn und Herr und Messias - Christus.

Und ihre Freude - die geben sie weiter. Sie berichten Männern, Frauen und Kindern, Armen und Reichen in Israel und in aller Welt von diesem ganz unerwarteten Leben inmitten des Todes.

Bis zu uns ist diese Freude über die Ereignisse jenes Ostermorgens gekommen. Von Petrus über Paulus, von frommen und (manchmal) weniger frommen Kaisern und Päpsten über Luther bis zu unseren Landeskirchen: Die Freude über das leere Grab verbreitet sich weiter - sie lässt sich nicht aufhalten. Und die Christen und Christinnen in aller Welt können noch heute über die unerwarteten Ereignisse lachen und rufen: "Freut euch! Und abermals sage ich euch: Freut euch!"

 

So war es denn auch lange Jahrhunderte Tradition zu Ostermontag von den Kanzeln Witze zu erzählen.

Witze, die die Kirche aufs Korn nahmen und den Ernst der Geistlichen. Ja, selbst von derben Zoten wird berichtet, die unter die Gürtellinie gingen. Osterlachen nennt man diese Tradition. Ein alter Brauch. Noch bis ins 19. Jahrhundert war er vielerorts verbreitet. - Zu Ostern sollte in den Kirchen gelacht werden.

 

Musik – zwei Minuten Klavier Impro von Georg Schroeter

 

Wir zögern mit solch herzerfrischendem Lachen, denn wir erleben  tagtäglich auch Anderes. Wir bringen unser Leben mit, heute an diesem Ostermorgen. Mit den vielen Steinen, die uns in unseren Gräbern einsperren, mit den vielen Nachrichten von Tod, Gewalt und Zerstörung, mit unserer Trauer um Menschen, die unser ein und alles waren und die nun fehlen. Mit unserer Angst auch vor der eigenen Vergänglichkeit, so spürbar, wenn wir die lebendige und unbekümmerte Freude unserer Kinder erleben. Und nun sollen wir lachen:

Erinnern wir uns, den Frauen war anfangs gar nicht nach Lachen zumute, sie zitterten vor Angst. Mussten es gesagt bekommen: fürchtet euch nicht! 

So ist es wohl zunächst, wenn wir Gott begegnen, da bleibt einem die Luft weg, lässt uns wie angewurzelt stehen bleiben, wühlt uns auf.

Da werden wir ganz still. Da vergeht uns das Lachen.

Wenn Gott den Stein wegnimmt, der uns so lange die Sonne nicht mehr hat sehen lassen. Wenn er uns innere Festigkeit wiederschenkt, wo wir schon am Verzweifeln waren. Wenn er uns einen Menschen schickt, auf den wir lange schon gewartet haben. Wenn uns ein Licht aufgeht. Wer dem Auferstandenen begegnet, dem bleibt wohl erst einmal die Spucke weg. Es ist überwältigend, erschütternd.

Aber manchmal muss ich langewarten auf Gott – auf Begegnungen mit Gott. Dann braucht es etwas für die Zwischenzeit. Vielleicht ist die Tradition des Osterlachens dafür erdacht worden.  Für die Zeit dazwischen, in der wir aushalten müssen, kämpfen, bestehen, fest bleiben müssen. Aber nicht hart werden. Deshalb lachen, so dass es uns schüttelt. Oder wenigstens schmunzeln. Über die Dinge, die uns Angst machen, und: über uns selbst.

Schau Dich um, schau auf das Leben, das will Gott für uns. Strahlendes neues Leben in seinem Licht.

Dieses Lachen, dieses Osterlachen ist das Lachen mit dem Auferstandenen im Rücken. Anders als mit einem Lachen oder zumindest Lächeln können wir uns doch auch gar nicht zurufen: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.  

 

Die Auferstehung Christi, liebe Gemeinde, ist nichts anderes als Gottes strahlendes Lachen über den Tod. Und wir, wir dürfen an diesem Ostermorgen mit ihm lachen. Denn seht: Das Grab ist leer. Dem Tod ist der Stachel genommen.

Amen.

 

 

Wir legen Ihnen noch die Kollekte ans Herz – und: vergessen Sie nicht, ab und zu einen Witz zu erzählen. Für den Weg hier noch ein Witz, den mir ein Grundschulkind neulich erzählt hat:  Kommen vier Mäuse in den Himmel. Sagt der liebe Gott:

„Ihr wart gute Mäuse, was wünscht Ihr Euch?“ Sagen die Mäuse: „Wir würden uns riesig über ein paar Rollschuhe freuen“ Die Mäuse bekommen ihre Rollschuhe. Kommt die Katze in den Himmel. Sagt der liebe Gott: „Du warst eine gute Katze, was möchtest Du denn haben?“ Sagt die Katze: „Ich wünsche mir einen Fensterplatz zum Raus-schauen“. Einige Zeit später trifft der liebe Gott die Katze im Himmel. Fragt er sie:

„Na wie gefällts Dir, bist Du zufrieden?“ Sagt die Katze:

„Ich habe einen wunderbaren Fensterplatz, aber das Beste hier ist das Essen auf Rädern“

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