Advent und Buße

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Mit dem 1. Advent morgen beginnt die Vorweihnachtszeit. Auf den Kränzen werden die ersten Kerzen angezündet; die Weihnachtsmärkte öffnen ihre Buden, und die Innenstädte erstrahlen im hellen Licht. Auch in den Wohnungen wird endlich der vorweihnachtliche Schmuck aus den Kartons hervorgeholt, um die triste Dezemberstimmung durch Licht und Glanz zu vertreiben.

 

Advent heißt soviel wie Ankunft. Aber wer oder was soll da eigentlich ankommen, und bei wem? Warum braucht es vier Advents-Wochen, um diese Ankunft vorzubereiten?

 

Angenommen einmal, es kämen in diesen Tagen Gäste aus fernem Lande. Gäste, die Interesse zeigen, nicht nur für Stadt und Land, sondern auch für unser Leben. Menschen, die in einer anderen Kultur groß geworden sind und keine Vorkenntnisse über christlichen Glauben und Bräuche mitbrächten. Advent ist nicht selbstverständlich, wie könnte man ihnen erklären, was damit gemeint ist?

 

Der Begriff Ankunft genügt als Erklärung jedenfalls nicht, denn es trifft ja niemand wirklich ein. Alle warten, aber nur auf ein Datum, das mit einer Hoffnungsgeschichte verbunden ist. Dort kommt zwar jemand an, aber das erzählen bloß die alten, biblischen Geschichten, die Grundlagen des christlichen Glaubens. Und erst dort, im Glauben, wird es aktuell. Das, was dort ankommen soll, worauf viele warten, geschieht im Menschen selbst oder es geschieht gar nicht.

 

Deshalb ist es notwendig, noch einen anderen Begriff aufzugreifen. Ein Begriff, der allerdings gar nicht populär ist. Ich meine das etwas angestaubte Wort Buße. Da denkt man unwillkürlich an finstere Mienen, dunkle Kirchen und grobe Bußgewänder, und diese Assoziation ist gar nicht so falsch, auch wenn sie nicht recht zum bunten Treiben der Adventstage zu passen scheint.

 

Früher einmal wurde mit der Buße eine persönliche Haltung beschrieben, die von dem Versuch eines Neuanfangs geprägt war. Durch die Abkehr von schlechten Gewohnheiten sollte eine Zäsur geschaffen werden, weil so etwas wie ein Neuanfang erst dann möglich wird, wenn unliebsame Laster und persönliche Schuld nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden.

 

Tatsächlich galt der Advent früher als Zeit des Fastens und der Buße. Genauso wie in den Tagen vor Ostern, so sollten auch die Tage im Advent von Bescheidenheit geprägt sein: kein üppiges Essen, keine große Vergnügungen und auch sonst nicht so turbulent. Stattdessen ist Verzicht angesagt, um frei und bescheiden nach vorne zu schauen. Den Advent als Ankunft zu beschreiben, das heißt auch: selbst irgendwo ankommen zu wollen, damit im eigenen Leben etwas Neues beginnen kann. Und für diesen Neuanfang ist ein Raum der inneren Besinnung nötig.

Der Begriff der Buße wie auch die damit verbundenen Vorstellungen von der Bescheidenheit und vom Fasten sind heute gar nicht mehr in Mode. Aber das, was damit bezweckt werden soll, ist aktueller denn je. Es gehört nicht viel dazu, um in unserer Gesellschaft ein schleichendes Gefühl des schlechten Gewissens zu verspüren. Genauer gesagt, ein schlechtes Gewissen darüber, dass wir unseren Lebensstandard nur auf Kosten anderer gewährleisten können. Wir leben zu Lasten der Menschen in den Entwicklungsländern und zu Lasten der Tiere, die in unwürdigen Zuständen gehalten werden. Wer Verantwortung für sein Leben übernimmt hat genügend Gründe, eine Last auf seinen Schultern zu verspüren. Wie verzweifelt suchen viele nach Entlastung: Etwa durch vegetarische oder gar vegane Ernährung. Manch einer macht es sich damit leicht und wechselt dann schnell von der Seite des Angeklagten auf die Seite des Anklägers.

 

Wenn in der Tradition der Kirche von Buße gesprochen wird, dann ist genau diese Last damit gemeint: die drückende Last des Gewissens, die ich auch nicht loswerde, indem ich einfach mit dem Finger auf andere zeige. Buße ist ein Versuch, das Leben neu anzufangen, und das kann ich nur, wenn ich darauf vertraue, dass die Vergangenheit Vergebung findet.

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