Bunaki

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Den Bunaki habe ich am Strand gefunden, auf einer kleinen Insel am anderen Ende der Welt. Da lag er, zwischen Palmen, Mangroven und Bananenstauden. Ein handtellergroßer Kern, glatt wie eine Kastanie, ein Handschmeichler. Ich habe ihn in meine Tasche gesteckt und so ist er um die halbe Welt geflogen, nach Mainz.

Jetzt steht er bei mir zu Hause auf der Heizung. In einem kleinen Topf feuchter Erde. Jeden Tag schaue ich dem lieben Gott bei der Arbeit zu. „Siehe, Gott hat alles weise geordnet!“ wusste schon ein alter Psalm. Nie habe ich gedacht, wie spannend das ist.

 

Ich weiß nämlich nicht, was der Bunaki ist und wofür Gott ihn geschaffen hat. Bunaki heißt er auch nur, weil die Insel, auf der ich ihn gefunden habe, Bunaken heißt.
Anfangs dachte ich: „Naja, Bunaki ist wohl eine hohle Nuss.“ Sechs Wochen hat er im Topf geschlummert und nichts hat sich getan. Aber dann hat er sich gemeldet. Mit einem kleinen, fast durchsichtigen Trieb hat er sich durch die Erde geschoben. Dann ist am Ende ein kleines, grünes Blatt gewachsen, spiralförmig gewickelt. Und jetzt entwickelt und entrollt es sich wunderbar vor meinen Augen. „Siehe, Gott hat alles weise geordnet!“

 

„Wenn die Bananen reif sind, komm ich vorbei“ scherzte ein Bekannter. Aber ich habe keine Ahnung, wofür Bunaki gemacht ist. Ob da mal Bananen wachsen oder ob er irgendwann mit seinen Blättern Fliegen fängt. Natürlich könnte ich meine Pflanzenbestimmungs-App befragen. Aber dann wäre das ganze Geheimnis dahin. Gerade weil ich nichts weiß, schaue ich genau hin, was der Bunaki von sich erzählt. Dass er nicht nur ein Blatt, sondern zwei Blätter entrollt. Und dass er Heizung und warme Füße mag.

 

Manchmal frage ich mich: wäre das nicht die bessere Haltung auch gegenüber Menschen? Weniger zu wissen? Mehr hinzuschauen? Ich meine: was weiß ich denn wirklich von anderen? Was weiß ich davon, wie Leben entsteht? Wie es hervorbricht aus einem harten Kern? Kurzum: was weiß ich schon darüber, wie der liebe Gott eigentlich arbeitet? Wenn ich nicht auf Tuchfühlung bleibe mit dem Geheimnis des Lebens?

 

Wie kommt eigentlich das Reich Gottes? haben die Jünger mal gefragt. Da waren sie schon eine Weile mit Jesus zusammen und haben immer wieder gestaunt, wie Jesus so arbeitet. Wie er bei scheinbar toten Menschen neues Leben schafft. Indem er sie berührt, anspricht, heilt. Wie kommt das Reich Gottes? Und wann endlich leben die Menschen auf – in Frieden und Gerechtigkeit? Wann jubiliert die Schöpfung in ihrem Artenreichtum?

Und Jesus antwortet mit einer Geschichte. „Mit dem Reich Gottes, sagt er, ist es wie mit einem Bauer. Der wirft Samen auf seinen Acker. Vielleicht steckt er auch einen Kern in einen Topf. Oder er nimmt fremde Menschen aus einem fernen Land bei sich auf. Er sät Samen und hofft, dass etwas aufblüht. Und er schläft und steht auf, schaut über seinen Acker und geht wieder schlafen. Es wird Nacht und es wird wieder Tag.

Und irgendwann geht der Samen auf. Und er weiß nicht wie. Und der Samen wächst und reift heran und es bleibt dem Bauern ein Geheimnis. Denn von selbst bringt die Erde Frucht – ohne Zutun entsteht der Halm, dann die Frucht auf dem Halm.“- „Denn siehe, Gott hat alles weise geordnet.“

 

Jesus hat das zu denen gesagt, die gerne schaffen und was machen. Die sich um Kinder kümmern und Alte, die gerne eine Firma leiten und was gestalten wollen, die gern dafür arbeiten, dass es anderen gut geht. Denen sagt er:

Leben ist ein Geheimnis und es entsteht aus sich heraus. Und Gott hat es weise geordnet.
Kinder werden groß und klug und erwachsen – aus sich heraus. Fremde werden zu Freunden und guten Nachbarn, weil sie es in sich tragen, das Geheimnis des Lebens. Wir Macher – wir können nur dabei zusehen. Wir können nicht mehr als günstige Bedingungen schaffen.

Und das tun wir vor allem dadurch, dass wir in Kontakt sind mit dem Leben. Und nicht glauben, schon alles zu wissen. Sondern in jeden Tag hineinhorchen, hinschauen, spüren, was das Leben zu sagen hat.

 

Ich bin sehr gespannt, was der Bunaki mir noch zu erzählen hat – vom Leben.

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