Schäfer

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Bald wird es den Beruf des Schäfers nicht mehr geben, so wie er ihn versteht, sagt Pascal in dem Dokumentarfilm „Winternomaden“.

 

Vier Monate zieht Pascal, der Schäfer, mit seiner Assitentin Carol auf der Suche nach Futterplätzen durch die französische Schweiz. 800 Schafe gehören zu ihrer Herde, begleitet werden sie von drei Eseln und vier Hunden. Es schneit, es stürmt, es regnet. Ihre Schlafstätte ist schnell errichtet. Ein provisorisches Zelt und viele dicke Felle, in die sie sich einhüllen.

Am Abend entfachen sie ein Feuer unter freiem Himmel, an dem sie sich wärmen. Der Schnee schmilzt im Topf, sie genießen den heißen Tee und erfreuen sich an dem Imbiss, den sie sich nach langer Wanderung gönnen.

 

Es ist ein ruhiger Film, in dem wenig passiert, aber kleine Anmerkungen am Rande zeigen an, dass die Zeit der wandernden Schafhirten zuende geht.

Wo vor kurzem noch Wiese war, ist eine Siedlung entstanden, die nun auch den Weg auf die anderen Weiden versperrt. Bauern verweigern der Herde den Durchzug über ihre Äcker. Autofahrer reagieren ungeduldig, wenn ihnen die Herde für einige Minuten den Weg versperrt. Weideflächen sind mit Gülle gedüngt und bieten den Schafen nun kein Futter mehr.

Kleine unspektakuläre Ereignisse, die in der Summe aber das „Aus“ für eine Tradition bedeuten, die bis in biblische Zeiten zurückreicht.

 

Ein paar Stationen gibt es, da ist Pascal ein gern gesehener Gast. Da macht er Rast und man tauscht sich aus über vergangene Zeiten. Mit zwanzig Jahren hat er sein Handwerk von italienischen Schäfern gelernt und ist nun schon seit gut dreißig Jahren dabei, Jahr für Jahr. Und er ist glücklich mit diesem Leben, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.

 

Der Film „Winternomaden“ läßt die Zuschauer ahnen, wie es zu dieser Hochschätzung des Schäfers kam. Diese Unmittelbarkeit im Umgang mit der Natur, die Sorge um die anvertrauten Tiere und das Bewusstsein, Gott unter freiem Himmel sehr nahe zu sein. Am Ende seiner Wanderung spricht Pascal ein zaghaftes Gebet:

„Wir danken allem, was uns umgibt, dem Anwesenden, Abstrakten und Irrealen, das über uns wacht, dass wir irgendwie einen Beschützer haben, der uns leitet.“

 

Der gute Hirte ist ein Bild schon aus der hebräischen Bibel. „Der Herr ist mein Hirte,“ so beginnt der 23. Psalm. Er ist für viele Juden und Christen eine Möglichkeit, dem letztlich unfassbaren Gott einen Namen zu geben.

Jesus hat dieses Bild aufgenommen. Ja, so ist Gott, wie ein guter Hirte, der sich um seine Schafe kümmert, der keines verloren gibt. Und wenn eines sich verirrt, dann setzt er alles daran, es zu finden. Über meinem Kinderbett hing dieses Motiv: Jesus trägt ein Lamm auf dem Rücken. Ein tröstliches Bild, eingängiger und weniger Missverständnisse auslösend als das Bild des Gekreuzigten. In den römischen Katakomben ist es zu finden, lange bevor das Kreuz zu dem beherrschenden Symbol des christlichen Glaubens wurde: Das Bild von Jesus mit dem Lamm auf dem Rücken.

Radikaler noch in seiner Barmherzigkeit ist ein Hirtenbild in der Kirche zur Heiligen Maria Magdalena im französischen Vézelay: Auf einer der wunderbar gestalteten Säulen ist auf der einen Seite Judas zu sehen, dem die Zunge heraushängt, weil er sich wegen seines Verrats an Jesus das Leben nahm. Auf der anderen Seite der Säule trägt Jesus als der gute Hirte den Toten Judas auf seinen Schultern.

 

Papst Franziskus hat diese Darstellung bei mehreren Gelegenheiten erwähnt, um zu erklären, was Barmherzigkeit für ihn in der Nachfolge bedeutet: Ein Jünger Jesu hat nicht nur für die Menschen da zu sein, die sich verirrt haben, sondern auch für jene, die schwere Schuld auf sich geladen haben.

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