Das Herz macht das Sehen

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Das Herz macht das Sehen. Man liest immer mal, neulich wieder: Ein Fußgänger wird angefahren. Auf der Hauptstraße. Er liegt verletzt auf dem Gehweg. Der Autofahrer ist weg. Hilft nicht. Menschen gehen vorbei und sehen nichts, heißt es. Der Verletzte soll um Hilfe gebeten haben. Doch die Fußgänger gehen weiter. Die einen mit Kopfhörern, die anderen mit Augen nur für ihren kleinen Bildschirm, den sie in der Hand halten. Andere schauen einfach weg. Ihr Herz ist bei sich. Sieht nur auf sich. Das kann viele Gründe haben, wichtige Gründe. Die Arbeit ruft. Das Kind muss in den Kindergarten. Jemand wartet dringend auf einen. Es gibt immer Gründe, nur sich zu sehen. Selbst bei Jesus gibt es die. Da liegt auch einer am Straßenrand. Wartet auf Hilfe. Bekommt sie aber erst nicht. Weil es viele Gründe gibt: keine Zeit, viel Arbeit, Angst vor den Wunden oder einfach keine Lust. Das alles gibt es. Auch wenn wir jetzt den Kopf schütteln – wissen wir denn, wie wir wären, wenn es soweit ist? Wir sollten nichts verurteilen. Jedes Herz hat seine Gründe. Ob wir die gut finden oder nicht.

 

Wir sollen es einfach besser machen, wenn wir es können. Das Herz macht das Sehen. Das Hinsehen macht dann wieder das Herz. Hoffentlich weit. Oft hören oder lesen wir, dass Menschen vorbeigehen, sich nicht kümmern, wichtige Termine haben oder sich einfach nicht trauen. Traurig ist das. Wäre ich aber anders? Hoffentlich. Ich hoffe, dass ich aufmerksam bin. Nicht nur auf mich achte und meine Zeit, meine Termine, meine Lust. Auch auf das, was andere bekümmert. Da gibt es viel. Die Frau mit dem Rollator vor einer Stufe; das Kind, das hingefallen ist und weint; der Mann, der schimpft und Verkäufer zermürbt. Mein Herz soll das sehen. Nicht nur auf mich sehen. Kann ich vermitteln? Ja. Den Rollator anheben. Auf die Wunde am Knie pusten wie früher die Mutter bei mir. Schrecken kleiner machen durch Nähe. Das Herz macht das Sehen. Mein Herz muss bei mir sein, natürlich. Aber genauso bei anderen. Mach mein Herz weit, lieber Gott. Hilf mir, hinzusehen. Ich werde nie ärmer durch Hilfe. Ich werde reicher an Herz. An Herzlichkeit. Also immer mehr Mensch.

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