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Wenn der Herbstwind die letzten Blätter von den Bäumen fegt, feiern wir das Martinsfest. Bunte Laternen leuchten und Kindergesichter strahlen. Mancherorts reitet heute ein verkleideter Heiliger Martin mit einem weiten Mantel durch die Straßen. Man versammelt sich am Martinsfeuer neben der Kirche. Martinsbrezeln und süßes Gebäck machen dort die Runde. Dabei sollen Menschen sich erinnern und fühlen, dass niemand allein ist und niemand allein gelassen werden soll. Dafür steht der Heilige Martin von Tours mit seiner Geschichte. Im vierten Jahrhundert hatte der Sohn aus reichem Hause eine verheißungsvolle Karriere als römischer Soldat vor sich. Doch Martin zog es eher zu den friedliebenden Christen hin. Auf einem Feldzug in Frankreich mitten im kalten Winter soll Martin einem Bettler, der am Wegrand lag, die Hälfte seines Soldatenmantels abgegeben haben. Er durchschnitt seinen Mantel in zwei Teile und schenkte eine Hälfte dem Armen, der vor Kälte zitterte. Daraufhin erschien ihm Jesus Christus im Traum und sagte: Was du getan hast einem von meinen geringsten Brüdern, das hast du mir getan. Das sollte zum Lebensmotto von Martin werden. Er krempelte sein Leben um, gab sein Soldatenleben auf und wurde Christ. Als Klosterbruder und späterer Bischof hatte er ein Herz für die Armen, Kranken und Benachteiligten. Er gab den Ärmsten zu essen, tröstete die Traurigen und beeinflusste viele Menschen, es ihm nachzumachen.

 

Im nächsten Jahr entscheidet sich, ob die christlichen Martinszüge von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden. Zwei Rheinländer haben diese Initiative gestartet, weil sie gut finden, dass mit den Martinszügen die christliche Tradition des Teilens wachgehalten wird. Und richtig ist es ja: Dass wir heute St. Martin feiern und nicht vergessen, worum es in einer Gemeinschaft geht. Dass wir den Menschen neben uns im Blick behalten.

 

Heute vernetzen wir uns miteinander. Einzelne Internet-User zum Beispiel rufen Hilfsfonds ins Leben und sammeln damit weltweit beachtlich viel Geld. Andere gründen Internetplattformen, damit sich Gleichgesinnte finden und ein wichtiges Thema voranbringen.

So wie die Berliner Sozialhelden, die eine solche Plattform betreiben. Auf einer so genannten Wheelmap kann jeder Internetnutzer rollstuhlgerechte Orte markieren. Das hilft Rollstuhlfahrern. Gleichzeitig merken alle, wie wichtig es für Menschen im öffentlichen Raum ist, sich barrierefrei bewegen zu können. Solche Initiativen sind für mich die Martins–Geschichten unserer Zeit. So wird wahr, was Jesus in der Bibel zu bedenken gibt: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan (Matthäus 25,40b).

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