Eine Baracke im Wald

Wort zum Tage

Es ist Juli. Es ist heiß. Auf den Stirnen der Männer, die sich über den Tisch beugen, stehen kleine Schweißtropfen. Schweiß auch den Rücken hinunter unter der Uniform, eng durch das Koppel um die Mitte.

Er wolle sich kurz frisch machen, vor der Besprechung noch rasch sein Hemd wechseln. Das war der Vorwand, unter dem Claus Schenk Graf von Stauffenberg sich zurückziehen konnte, um den Zünder der Bombe in seiner Aktentasche scharf zu machen.

Als er dann eilig durch die Sperrkreise davonfuhr nach der Detonation, war er sicher, dass niemand das Attentat überlebt hatte. Er konnte nicht wissen, dass die leichte Holzbaracke mit den offenen Fenstern ein besserer Schutz gewesen war als all die meterhohen und metertiefen Bunker rundherum. Im Inneren eines der Bunker hätte wohl niemand überlebt. So aber zerreißt es vor allem die Wände der Baracke, Fetzen von Karten und Papier fliegen aus den offenen Fenstern.

Den Ort und die Zeit zum rechten Handeln müssen wir immer neu suchen. Gerade als Christen. So war es von Anfang an. Schon in einem der ersten Briefe an eine christliche Gemeinde steht: Betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe [[und gepriesen werde wie bei euch]] und dass wir erlöst werden von den falschen und bösen Menschen. (2. Thess 3,1-2a)

Durch alle Menschenzeiten hindurch gilt: Das Wort Gottes ist kein Selbstläufer. Es muss sich seine Zeit und seinen Ort suchen und es sucht sich seine Menschen. Und es kann dabei so aussehen, als blieben gerade die falschen und bösen Menschen an ihrem Ort. Und es dauert so lange, bis wir von ihnen erlöst werden.

Es dauerte tatsächlich viele Jahrzehnte, bis wir die geehrt haben, die am 20. Juli 1944, heute vor 73 Jahren, taten, was richtig war. Bei allen Zweifeln und aller Schuld, die sie auf sich nahmen. Und die war ihnen selbst am allermeisten bewusst. Sie waren am rechten Ort, zur rechten Zeit.

Noch in der Nacht wurden sie erschossen vor einem schnell aufgeschütteten Sandhaufen im Bendlerblock, im Licht der Scheinwerfer. „Es lebe das andere Deutschland“ sollen sie gerufen haben.

In den Gesichtern der Männer vom 20. Juli sehe ich heute noch dieses andere Deutschland im Dritten Reich. Ich kenne das, was man von einem Leben kennen kann nach über siebzig Jahren. Ich lese die Briefe, in denen sie mir nahekommen als die Ehemänner und als Väter, die sie auch waren, liebevoll und zart. Ich sehe ihre Gesichter, jung und schön und tapfer. Und ich bin dankbar, dass es sie gegeben hat. Sie machen mir Mut. Auf meiner Suche nach dem Ort und der Zeit zum richtigen Handeln.

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