Empfehlung zum Segeln

Wort zum Tage

Wenn ich die Augen schließe, kann ich die warmen Sommertage mitten auf dem Meer klar und hell erinnern. Ich sehe noch einmal, wie die Wellen Kronen tragen und ordentlich Krach machten an der Bootswand. Und dann gab es da die Augenblicke, in denen die Wasseroberfläche still wie in einer Badewanne war.

 

Windstille verordnet dem Segeln eine Pause. Es braucht Wind, und zwar aus der richtigen Richtung, um ein Ziel zu erreichen – die nächste schöne Insel etwa. Kommt der Wind von vorn, von dort also, wo auch dein Ziel liegt, musst du kreuzen. Gegen den Wind im Zickzackkurs segeln. Das kann wirklich mühsam werden.

 

Dann stellt sich die Frage, ob es nicht die Gelegenheit wäre, ein neues Ziel anzusteuern. Eins, das leichter zu erreichen ist. Das muss nicht immer passen, bewahrt aber hin und wieder vor Frustrationen auf allen Seiten. Der Segel-Coach wusste das und legte es den Anfängern auf dem Boot gleich ans Herz.

 

Wichtiger noch als das Ziel ist allerdings die Sehnsucht nach Wasser, Luft, Licht und Himmel. Auch das vertraute der Coach den Anfängern auf dem Segelboot an. Ein sehnsuchtsvolles Herz lernt anders, vielleicht sogar leichter segeln als ein von Ängsten eingeklemmtes Herz.

 

Ich werde heute kein Segelboot besteigen. Aber ich weiß, dass die beiden Empfehlungen zum Segeln auch auf den Wellen des Alltags brauchbar sind. Manchmal ist es Zeit, ein Ziel neu zu bestimmen. Die Entscheidung kann sich am Ende sogar als weise herausstellen.

 

Der Apostel Paulus ist auf seinen Reisen im Dienst des Evangeliums auch in Segelboote gestiegen. Manchmal sogar trotz schlechter Wetterprognosen. Von ihm lerne ich eine dritte Empfehlung. Einmal waren er und seine Begleiter mitten auf dem Meer dem Tod näher als dem Leben. Die Planken brachen, das Boot zerbrach. Aber einer soll die Ruhe behalten haben. Einer hat gesagt: „Seid unverzagt. Keiner von euch wird umkommen.“ Das war Paulus selbst. Ein Satz wie ein Stück Treibholz, an dem man sich festhalten kann. Mindestens das!

 

Die Mitreisenden konnten sich retten. So erzählt es die Geschichte. Es geht nicht immer so glücklich aus. Das Meer hat schon viele Menschen nicht wieder hergegeben. Aber dass einer mitten im Sturm Worte sagen kann, die stärken statt Panik zu befeuern, dass einer mitten in der Not noch sagen kann: Sei unverzagt, du wirst nicht umkommen. Daran entscheidet sich viel. Ein solches Wort lese ich im 18. Psalm. „Gott wird mein Halt. Rings um mich macht er es weit und frei. Er liebt mich, darum hilft er mir.“ Ein Wort wie Treibholz, an dem ich mich festhalten kann.

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