Erlöse uns von dem Bösen

Wort zum Tage
Sendung zum Nachhören
Sendung zum Nachlesen

In jedem Vaterunser bitten Christen rund um die Erde: Erlöse uns von dem Bösen! Gemeint ist zuerst sicher: Erlöse uns von Hass, Gewalt, Mord, Krieg, dass sie nicht geschehen mögen. Aber noch mehr: Erlöse uns auch von dem Bösen, das in uns selbst verborgen ist. Befreie uns von unserer Blindheit uns selbst gegenüber.

 

In der Welt der Bibel gibt es nicht nur das Böse; es gibt auch den Bösen, den Teufel. ‚Das geht wohl mit dem Teufel zu‘, pflegen wir zu sagen, wenn etwas ganz Unmögliches auf einmal möglich wird. So wie es Rumpelstilzchen im Märchen wütend ausruft: ‚Das hat dir der Teufel gesagt‘.

In der Bibel heißt er Diabolos, großer Durcheinanderbringer, oder auch Beelzebul. Jesus selbst wird einmal vorgeworfen, mit dem Beelzebul, dem Führer und Obersten der Dämonen, gemeinsame Sache zu machen. Weil Jesus Dinge tut, die man noch nie gesehen hat. Beelzebul, das heißt übersetzt: ‚Herr der Wohnung‘. In dieser Metapher wird der Mensch als ein Haus verstanden und gefragt, ob der Dämon Beelzebul wohl darin wohnt, sich in ihm breitmacht, ihn besetzt.

Das Bild kann helfen, das Dämonische am Bösen besser zu verstehen – denn: Dämonen dienen als Projektionsflächen für Ängste; für den Einzelnen und für eine Gesellschaft. Dämonen werden von uns Menschen erschaffen, wenn wir unseren Ängsten zu viel Macht und Raum geben.

 

Mit den Bitten im Vaterunser wollen Christen dagegen Gott Macht und Raum geben. Er soll groß werden, sein Reich soll kommen, sein Wille geschehen. Wenn ich dieses Gebet spreche, spreche ich es nicht nur für mich. Ich spreche es in einer Gemeinschaft und sage zusammen mit anderen: Vater unser, gib uns, vergib uns, erlöse uns. Meine Bitten für mich sind zugleich auch die Bitten für alle anderen, und umgekehrt: die anderen bitten in diesem Gebet auch für mich. Martin Luther hat 1539 das Vaterunser zu einem Lied vertont und darin die Bitte Erlöse uns von dem Bösen so interpretiert:

 

Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, / wenn uns der böse Geist anficht, / zur linken und zur rechten Hand / hilf uns tun starken Widerstand, / im Glauben fest und wohlgerüst / und durch des heilgen Geistes Trost.

 

Ja, es braucht viel vom heiligen Geist, dass der menschliche Geist sich nicht von seinen eigenen Ängsten verführen lässt. Die Bitte Erlöse uns von dem Bösen bedeutet für mich: Gott möge mir helfen, fest und widerständig zu sein, wo es darauf ankommt. Er möge mir helfen, dem Geist Jesu Raum geben, um die eigenen Ängste auf die Größe zu reduzieren, die sie wirklich haben. Damit ich sie überwinden kann.

Sendungen

Vorherige Sendung
Wort zum Tage
12.05.2018 06:20
Nächste Sendung
Wort zum Tage
23.05.2018 06:20