Jetzt wird gegessen

Wort zum Tage

Gesetzt den Fall, auf ihre ganze eigene Art hätte die Bibel Recht. Wie eine schöne Aussicht oder ein Waldspaziergang wäre es keine Zeitverschwendung, sich mit ihr zu beschäftigen. Sondern ein Genuss. Wie eine Mahlzeit mit anderen Menschen. Eine Mahlzeit an einem gedeckten Tisch, wo jeder Platz hat oder wo man gerne zusammenrückt, damit alle Platz haben. „Nimm Platz“, sagen wir so dahin und geben Raum für einen anderen Menschen. Einfach so. Du darfst dir Raum nehmen. Hier und jetzt. So hat die Bibel Recht - wie eine Mahlzeit mit anderen Menschen.

 

Ein Tisch, darauf Teller und Becher, Schüsseln in der Mitte: Aus ihnen dampft es. Wie das duftet! Vielleicht Suppe, oder Eintopf, damit auch die mit dem größeren Hunger satt werden. Ein Brotkorb wird herumgereicht. Ein Lächeln. Unser täglich‘ Brot. Schön, dass ihr da seid. Es besteht kein Grund zur Eile, und es ist genug da für alle. Ärger soll bitte draußen bleiben, Streit hat Pause und auch die Füße unterm Tisch halten Frieden. Jetzt wird gegessen. ‚Danke‘, sagt jede, die ihren Teller gefüllt bekommt. Bekocht zu werden, ist ein Geschenk. Nicht alleine zu essen ist ein Geschenk. Und satt zu werden auch.

 

Die Bibel ist wie eine solche Mahlzeit. Sie ist kein Fraß, kein Snack, auch kein Galadinner. Eher noch ein Picknick oder ein Grillabend - vielleicht ja sogar „im Angesicht meiner Feinde“. Noch so ein Stückchen Bibel in meinem Kopf. Aus dem 23. Psalm, dem Klassiker, „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“, in dem Gott höchstpersönlich dem Beter den Tisch deckt. Ein sehr besonderes Essen also. Sogar die Gegenwart der Feinde scheint niemandem auf den Magen zu schlagen. Gott hat sie  dazu geholt. Wer seine Feinde zum Essen einlädt, ist dem Frieden auf der Spur. Wir müssen alle essen. Hunger tötet Freunde und Feinde. Wie ähnlich wir uns sind.

 

Das Wir steht auch mittendrin im Vaterunser, zu dem die Bitte um Brot gehört. Das Gebet Jesu, schlichte Worte, seit 2000 Jahren eingeübt unter Christen, lädt ein in die Gemeinschaft der Kinder Gottes. Und ich sehe einen Tisch vor mir, an dem alle sitzen, um gemeinsam zu essen. Mann und Maus, Kind und Kegel, Freundinnen und Feinde. Weil alle essen müssen.

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