Mit Bonhoeffer in den Montag

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Am 9. April 1945 wurde er hingerichtet: der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer. 39 Jahre wurde er alt. Schon als junger Mann war er eine geistige und eine geistliche Größe.

Bonhoeffer war 25, als er habilitiert wurde und Professor werden konnte, also Lehrer an der Uni für evangelische Theologie. Bei einem Amerika-Aufenthalt kam er mit einem französischen Freund ins Gespräch. Und sie überlegten sich: was wollen wir eigentlich mit unserem Leben? Der Franzose sagte: „Ich möchte ein Heiliger werden“. „Durchaus möglich, dass er es geworden ist“, schreibt Bonhoeffer, „aber: Ich widersprach ihm und sagte: Ich möchte glauben lernen.“

Ein starker Satz von einem Theologieprofessor und Pfarrer: Ich möchte glauben lernen. Und er schreibt weiter: „Man lernt den Glauben nur in der völligen Diesseitigkeit des Lebens: In der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten. Nur, wenn man das diesseitige Leben voll lebt, kann man glauben lernen und fällt Gott in die Arme.“

        

Völlig diesseitig – so fühlt sich der Montagmorgen an. Nach dem Wochenende wieder arbeiten. Den Terminkalender durchgehen. Emails schreiben. Da noch was kurz simsen. Nebenher Kaffee trinken und Brötchen essen, weil schon wieder so wenig Zeit ist. Auf den letzten Drücker die U-Bahn erreichen. Abends heimkommen. Kurz ein Kuss für die Liebste. Etwas Zeit mit den Kindern verbringen, natürlich zu wenig. Schnell mal im Altenheim die Mutter anrufen. Nachrichten sehen. Ein ganz normaler Montag. Sehr diesseitig.

Wie war das? „Nur wenn man das diesseitige Leben voll lebt, kann man glauben lernen und fällt Gott in die Arme.“ Da erscheint mein diesseitiger Tag plötzlich in einem anderen Licht – all die „Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten“. Vieles, was heute geschieht, kann mir zu einem „Gott-in die-Arme-Fallen“ werden. Und ich lerne was dazu im Glauben. Und so beginne ich den Tag mit Bonhoeffers Morgengebet:

 

„Gott zu dir rufe ich in der Frühe des Tages.

Lob und Dank sei dir für die Ruhe der Nacht. Für den neuen Tag. Für all deine Güte und Treue in meinem bisherigen Leben. Du hast mir viel Gutes erwiesen. Lass mich auch das Schwere aus deiner Hand nehmen. Du wirst mir nicht mehr auflegen, als ich tragen kann. Herr, was dieser Tag auch bringt: Dein Name sei gelobt.“

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