„Seht auf und erhebt eure Häupter!“

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Schon am Abend vor der Eröffnung schiebt sich eine Menschenmasse über den Weihnachtsmarkt. Viele stehen zusammen, trinken Glühwein, essen Würstchen, lachen, reden angeregt miteinander.

Am Rand des Gedränges sitzt ein Mann auf dem kalten Straßenpflaster.

Abwesend schaut er zu Boden. Einen leeren Pappbecher hält er bettelnd in der Hand.

Still sitzt er da. Neben ihm nur sein Hund. Fast hätte ich ihn in der Menschenmenge übersehen. Diese Szene sagt mehr über mich und über unser derzeitiges Zusammenleben, als mir lieb ist!

Auf der einen Seite: Menschen, die sich amüsieren, gut Lachen, Trinken, Essen, Freunde haben. Mitten unter ihnen, am Rand, oft übersehen, gemieden, – diejenigen, die durch die Maschen unseres „Sozialen Netzes“ durchgefallen sind.

 

Ich muss gar nicht wissen, warum dieser Mann hier bettelt – ob es seine Schuld oder ein hartes Schicksal war, das ihn zum Bettler machte. Meistens ist es ja beides. Mir reicht es schon, einen Menschen so zu sehen. Einsam, verstummt, mit hängendem Kopf. Seine Not da am Boden schreit zum Himmel!

 

Wer den Blick so nach unten senkt, sieht keinen Ausweg mehr, sieht nur noch die Probleme, die er selbst nicht lösen kann. Und das steckt an, merke ich. Das genau sollen wir aber nicht tun! Die Adventszeit will uns dazu bringen, Gott um Hilfe zu bitten – und damit zu rechnen. Dazu ist nötig, dass wir Gott einen größeren Blick auf unser Leben zutrauen, als wir selbst ihn haben.

 

Gestern war in vielen Gottesdiensten wieder von der Hilfe Gottes zu hören, die auf dem Weg ist. Einer der großen adventlichen Sätze aus der Bibel lautet:

 

„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28)

 

Was nützt mir aber dieses fromme Wort, wenn ich dadurch nicht auch bereit werde, andere in ihrer Not zu sehen und ihnen zu helfen? Habe ich noch einen Blick für die Menschen am Rand?

Gott will helfen – aber Gott nimmt uns nicht die Verantwortung füreinander ab. Im Gegenteil: Gott verlässt sich auf unsere Hilfe! Als Jesus einmal gefragt wird, für wen man denn generell verantwortlich sei, erzählt er das Gleichnis vom barmherzigen Samariter; und macht damit klar: Jeder, der Hilfe braucht und auf den ich treffe, ist mein Nächster. Und weil Gott mir schon so oft nahegekommen ist und mir geholfen hat, wünsche ich mir, dass er auch anderen hilft – und stelle mich Gott zur Verfügung. Damit seine Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

 

Ein freundliches Wort, eine Wurst oder ein heißes Getränk tun anderen genauso gut wie mir. Können ihren Blick aufhellen. So praktisch und konkret kann Gottes Hilfe sein.

Darum bete ich oft: Herr, hilf mir zu helfen! Damit ich Dein Wort nicht nur höre, sondern es oft und gerne tue.

 

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