Wie geht’s?

Wort zum Tage

„Wie geht´s?“ Eine beliebte Antwort lautet: „Danke, ich kann nicht klagen!“ Eigentlich schade! Natürlich ist es schön, wenn alles in Ordnung ist. Aber geht nicht auch etwas verloren, wenn man nicht klagen mag? Denn Klagen ist etwas ganz anderes als Jammern. Wer jammert, kreist mit seinen eigenen Sorgen und Nöten um sich selbst. Wer klagt, spricht mit jemandem, sucht nach einem Trost. Nach biblischer Tradition ist Klage nie in den Wind geredet. Und noch mehr: Wer sich das Klagen verbietet, spart sich möglicherweise dann auch das Loben.

 

Denn Grund zur Klage hat wohl jeder Mensch einmal. Und wie soll man sonst damit umgehen? Ist es besser, darüber zu schweigen oder zu jammern? Wohl kaum.

 

Die kürzeste Form der Klage, die ich kenne, besteht aus genau zwei Worten: Mein Gott! Als vor kurzem eine Frau erfuhr, dass ihr Mann soeben verstarb waren dies fast die einzigen Worte, die sie über die Lippen brachte. Stundenlang immer wieder: „Mein Gott“. Dabei hätte sie sich nie als religiös oder gläubig bezeichnet. Aber wenn es einem die Sprache verschlägt, dann bleibt noch dieser Herzensruf.

 

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Mit diesen Worten beginnt der 22. Psalm. Das ist nicht nur Klage, sondern auch Anklage. Die Bibel erzählt, dass Jesus mit diesem Psalm auf den Lippen starb. „Warum?“ Welcher Trauernden, welchem Leidenden wäre diese Frage fremd?

 

Jesus stellt seine Frage nicht einfach in den Raum. Er richtet sie an einen Gott. den das Los der Menschen angeht. Im Angesicht des Todes klagt Jesus Gott an, der ihm doch Treue und Schutz versprochen hat. Wie lange noch will er sich in Schweigen hüllen?

 

Wir wissen, dass der Beter dieses Psalms selbst Hilfe erfahren hat: „Gott verbirgt sein Gesicht nicht vor dem Elenden, denn er hat sein Schreien gehört.“ (Ps 22,25) Wir wissen nicht, wie diese Hilfe ausgesehen hat. Aber die Bibel erzählt, dass Gott sich selbst dann nicht abgewandt hat, als Jesus am Kreuz starb. Seine Treue reicht über den Tod hinaus, auch wenn das unbegreiflich bleibt.

Deshalb rechnen Christen – wie viele andere – mit Gottes Hilfe in der Not. Und können hoffentlich – wie die trauernde Witwe – irgendwann sagen: „Ich schaffe das!“

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