Wie im Himmel

Wort zum Tage

Es war das, was Daniel Daréus wirklich wollte, jetzt hatte er seine Bestimmung im Leben gefunden: Menschen zum Singen bringen und so die Welt mit Musik füllen. Er hatte es entdeckt, als seine große Musikerkarriere in tausend Stücke zersplitterte, weil sein Herz nicht mehr mitmachte. Auf offener Bühne erlitt er einen Herzinfarkt.

 

Also nicht mehr die großen Bühnen dieser Welt, sondern die Menschen in seinem Heimatdorf mitten in der weitläufigen Landschaft Nordschwedens, in die er zurückgekehrt war.

 

„Wie im Himmel“ – ein wunderbarer Film! Von Zeit zu Zeit muss ich ihn mir wieder anschauen und in die Geschichte eintauchen.

 

Am Ende war Daniel Daréus dort angekommen, wo Menschen mit dem Herzen dabei waren, wo er selbst mit dem Herzen dabei sein konnte, wo Musik noch das bewirkte, was auch er ganz am Anfang erlebt hatte: Neu zum Leben erwecken.

 

Nicht umsonst war Daniel Dareus ein bedeutender Musiker geworden, er hatte großes Talent, aber hier merkte er erst, was das wirklich bedeutete. Er konnte die Menschen begeistern, ihre Stimmen befreien, Klänge aus ihnen hinaus holen, die niemand für möglich gehalten hätte. Und damit befreite er sein eigenes Herz von den Zwängen und dem Druck der Vergangenheit.

 

Die Geschichte endet auf einem großen Chorfestival in Salzburg. Eigentlich eine wahnwitzige Idee, mit einem kleinen schwedischen Dorfchor dort aufzutreten, aber seinen Sänger hatten ihn überstimmt, sie wollten unbedingt dort hin. Nur, Daniel Dareus schaffte es nicht mehr auf die Bühne. Die alte Herzerkrankung meldete sich wieder. Der Chor betrat die Bühne, aber der Dirigent kam nicht nach. Totenstille breitete sich aus. Als eine gefühlte Ewigkeit verstrichen war, hielt einer es nicht mehr aus. Tore. Er war geistig behindert, aber das größte für ihn war, zu erfahren, dass er singen konnte und mit dabei sein durfte.

 

Tore fängt an zu singen, keine Worte, einfach nur einen Ton, wie sie es so oft bei Daniel gemacht hatten. Und nach und nach stimmt der restliche Chor mit ein. Nur Töne, Töne gegen die Angst, Töne, die aus dem tiefsten Herzen kommen. der Bann bricht und der Gesang schwillt an, immer mehr, bis der ganze Saal mitsingt. Alle Chöre, das ganze Publikum – keiner kann sich der Macht dieses Klanges entziehen.

 

Daniel Dareus hört das Ganze hinter der Bühne über die Lautsprecher, sein Herz krampft, lange wird er sich nicht mehr halten können. Aber selbst durch die Lautsprecher spürt er die Kraft und das Leben, das in den Tönen steckt. Wie die Musik die Menschen verbindet. Er lehnt seinen Kopf an die Wand, schließt die Augen und atmet tief durch. Er hat es immer gewusst, es ist: Wie im Himmel.

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