"Brot für die Welt"

"Es ist genug für alle da"

Sammlung des Hilfswerks steht unter dem Motto: "Es ist genug für alle da".

Das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" startet am 1. Advent in Wiesbaden seine 52. Aktion. Der Festakt in der Marktkirche steht unter dem Motto: "Es ist genug für alle da". Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel: "Dieses Motto ist noch immer eine gezielte Provokation. Hunger ist nicht nötig, es gibt weltweit genügend fruchtbaren Boden". Dabei falle Hunger nicht vom Himmel. Hunger werde von Menschenhand gemacht. Füllkrug-Weitzel: "Es fehlt der politische Wille, die Ursachen des Hungers anzupacken".

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Füllkrug-Weitzel sagte: "Für Investoren ist es zurzeit attraktiver, in Rohstoffmärkte und in die Landwirtschaft zu investieren als in Immobilien und Industrie." Knappe Ressourcen und Hunger seien für einige Investmentfonds Garanten für Gewinne. Darauf habe der Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung bei den Vereinten Nationen, Olivier de Schutter, erst vor wenigen Tagen hingewiesen. "Das Ergebnis seines Berichts ist niederschmetternd", betonte Füllkrug-Weitzel. "Immer mehr Land in Entwicklungsländern wird für die Exportproduktion an Konzerne verpachtet oder verkauft - mit dramatischen Folgen für kleinbäuerliche Familien".

Füllkrug-Weitzel forderte die Bundesregierung auf, bei der Entwicklungspolitik international eine Führungsrolle zu übernehmen: "Zur Eindämmung der Spekulation brauchen wir Regeln". Sie müssten beim kommenden G20-Gipfel in Südkorea gefunden werden. Außerdem müsse der von Konzernen und Staaten begangene Landraub dringend auf internationaler Ebene reguliert werden. Füllkrug-Weitzel: "Wir hoffen, dass hier starke Leitlinien von möglichst vielen Staaten unterzeichnet werden."

Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der gastgebenden Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), betonte, dass "Brot für die Welt" keine Almosen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe gebe und damit die Würde der notleidenden Menschen wahre. Das Hilfswerk sei anwaltschaftliches Sprachrohr für Menschen in Not. Dazu gehörten konkrete Hilfe durch Spenden, politische Einmischung für gerechtere Strukturen sowie Bildungsangebote in Deutschland, um über die Ursachen von Hunger und Armut aufzuklären. Dafür etwa biete die EKHN im "Zentrum Ökumene" viele Materialien an, die Gemeinden und Schulen nutzen könnten.

Die EKHN gebe an "Brot für die Welt" jährlich Spenden zwischen 3,4 und 3,7 Millionen Euro weiter. Erfreut zeigte sich Jung darüber, dass sich das Spendenaufkommen auch im laufenden Jahr stabil entwickelt. Dies sei angesichts der großen Katastrophen in Haiti und Pakistan, die viele Spenden nach sich gezogen hätten, nicht selbstverständlich. Etwa die Hälfte der Spenden stamme aus den Kollekten an Heiligabend und an Erntedank, die traditionell für "Brot für die Welt" bestimmt seien.