Alles gut?

Pastor Christian Rommert

Das Wort zum Sonntag: 26.08.2017

Sprecher: Pastor Christian Rommert, Bochum

Alles gut?

Sehen Sie das? Dieses Armband? Ich trage es jetzt schon seit ein paar Tagen. Weil ich an einer Herausforderung, einer Challenge teilnehme. Ich will es schaffen, 21 Tage am Stück auf Jammern und Nörgeln zu verzichten. Also: nicht mehr herummeckern über den Autofahrer vor mir, was bei mir im Straßenverkehr wirklich oft passiert. Mich nicht mehr aufregen, wenn im Fernsehen Mist kommt. Nicht mehr jammern, wenn mein Lieblingsverein aus meiner Heimat-stadt wieder einmal unverdient verliert.

Die Regeln dieser Challenge sind ziemlich einfach: jedes Mal, wenn ich anfange zu jammern, muss ich das Armband von einem Arm an den anderen wechseln. Das Ganze, das geht so lange, bis ich es schaffe, das Armband 21 Tage am Stück an derselben Seite zu tragen.

Die Idee dazu hatte ein amerikanischer Kollege, Will Bouwen. Er ist ein Pastor,  so wie ich. Ich habe ich mich entschieden, das auch einfach einmal zu versuchen.

Zuerst klang es ja auch total einfach: Kein Nörgeln? Kein Jammern? Das dürfte mir als Christ doch nicht so schwerfallen. Ich glaube, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist und etwas Wunderbares. Deshalb war ich auch überzeugt: Soviel jammere ich doch gar nicht! Jammern tun die anderen! Und das nervt! Aber ich? Also: 21 Tage – kein Problem!

Seit einigen Tagen bin ich nun dabei. Also -  es ist ziemlich ernüchternd. Allein gestern habe ich das Armband bestimmt über zwanzig Mal gewechselt. Von rechts nach links und  wieder zurück. Mein größtes Erfolgserlebnis war, dass ich zwei Stunden ohne Nörgeln ausgekommen bin. Ich habe das bisher gar nicht so gemerkt, aber ich ärgere mich wirklich über Vieles! Ständig gibt es irgend etwas zu lamentieren. Mich hat das nachdenklich gemacht: Ich finde, dass viel zu viel gemeckert wird. Die Dauernörgelatmosphäre macht vieles kaputt in diesem Land. Und weil wir so viel über alles Mögliche meckern, wirkt manches größer und schlimmer, als es eigentlich ist.

Ja, es ist bei weitem nicht alles gut, aber sicherlich ist auch alles nicht so schlecht. Und dadurch, immer nur das Negative zu sehen, hat sich noch nichts zum Positiven verändert! Und eigentlich ist es das, was ich will. Das ist doch gerade für mich als Christ der Auftrag: die Welt zum Guten zu verändern! Doch stattdessen muss ich mir eingestehen, dass ich selber viel zu oft beim Negativen hängebleibe, und statt dankbar zu sein, jammere ich.

Nach den ersten Tagen meiner Challenge bin ich nun - ziemlich frustriert. Jesus hat einmal in einer Predigt gefragt: „Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber nicht den Balken in deinem eigenen!“ So ist das gerade bei mir. Ja, ich muss mir eingestehen, ich habe einen dicken Balken vor mir: Nicht die anderen beklagen sich zu viel - ich selbst beklage mich viel zu viel!

Doch wenn ich will, dass auf dieser Welt weniger geklagt und gejammert und getratscht und genörgelt wird, dann muss ich selbst weniger klagen, jammern, tratschen und nörgeln. Irgendwie ist das einfache Mathematik. Und dann ist der Splitter im  Auge des anderen ganz egal. Ich kümmere mich um meinen eigenen Balken.

Also habe ich heute Morgen wieder mein Armband umgelegt und mich an meiner Challenge versucht. Seitdem habe ich es schon drei Mal an den anderen Arm legen müssen. 21 Tage ohne Nörgeln!  Vielleicht wird es etwas dauern, bis ich es schaffe, aber ich will es schaffen!

 

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