Das Wort zum Sonntag

Pastoralreferentin Lissy Eichert
Pastoralreferentin Lissy Eichert

Foto: rbb/Walter Wetzler

Pastoralreferentin Lissy Eichert

Morgen um 11 Uhr 11 geht er los, der Karnevalszug. Vorneweg der Berliner Erzbischof. Er wird die Närrinnen und Narren segnen, bevor sie losmarschieren.

Karneval im preußisch-protestantischen Berlin? Na ja, geht so. Wir sind ja Zuzugsgebiet und beherbergen auch rheinische Frohnaturen. Außerdem passt Karneval gut ins „katholische Design“, weil: katholisch heißt universal, weltumfassend. Da kann‘s gar keine Ausländer geben. Auch keine aus dem Rheinland!!

 Der Berliner Faschingsumzug zieht an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vorüber. Schweigend. Ohne Tröten und "Umba, umba, täterä“. Zehntausende, bunt kostümiert, gehen dort entlang, wo ein Meer aus Kerzen an den Terroranschlag  erinnert.

Ein stilles Gedenken also. Funktioniert das? Den unmittelbar Betroffenen hilft es wohl kaum. Dennoch leuchten am Breitscheidplatz die Kerzen. Und manche  fahren extra dorthin, um an die Opfer zu denken, während ringsum die City West brummt.

Freude und Leid liegen nah beieinander. Ein Mix aus widersprüchlichen Gefühlen, der schwer zu ertragen ist:  In der Familie stirbt die Oma, die Enkelin erwartet ein Baby. Ein Leistungssportler hat einen Unfall – aus der Traum vom Siegertreppchen. Manche trifft‘s Schlag auf Schlag. Da vergeht einem das Lachen. 

Und ein Karnevalszug provoziert. In Berlin beginnt er mit einem Segen. So ein Segen ist wie eine Klammer, die mein Fragen nach dem „Warum?“, die Freudentränen wie die Trauerkerzen, verbindet.

Im Segen bietet Gott uns eine Beziehung an: die Verbindung  zwischen Himmel und Erde. Eine Liebesbeziehung. Ewig. Stärker als Tod und Teufel. Sie ist ein Angebot. Das kann ich natürlich, wie jede Liebe, auch ausschlagen. Mach ich aber nicht. Weil ich doch bei allem, was ich nicht verstehe, instinktiv spüre: Gott liebt mich wirklich. Klar, oft sträube ich mich, diese Liebe zuzulassen. Was aber völlig daneben ist. Denn Gott liebt mich ja nicht erst dann, wenn ich perfekt bin und alles richtig mache. Vor ihm darf ich sein, wie ich bin: traurig, wütend, ratlos.

Und eben auch von Herzen lachen.

Da passt der Karneval ganz gut. Zu ihm gehören die Leichtigkeit und auch eine Widerborstigkeit, um sich von Alltagsängsten und Weltuntergangsszenarien nicht runterziehen zu lassen.

„Wir lachen das!“ Unter diesem Motto feiern wir in meiner Pfarrgemeinde Fasching. „Wir lachen das!“ Lachen befreit. Ist gesund. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Jesus und seine Jünger todernst durch die Lande gezogen sind. Im Gegenteil: Gerade als fröhliche Truppe von „Gottesnarren“ konnten sie die Menschen positiv irritieren. Es galt ja – und gilt -, eine Frohe Botschaft zu verkündigen.

Leider lässt sich das Böse nicht einfach weglachen. Wenn es zuschlägt, suchen viele Zuflucht in den Kirchen. Sie zünden eine Kerze an, schweigen für einen Augenblick. Ob in einer Kirche oder auf dem Breitscheidplatz: Vergebens ist das nicht – weil der Segen alle umfasst: die Karnevalisten und die Faschingsmuffel, die Traurigen und die Lachenden, die Toten und die Lebenden.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten, fröhlichen Sonntag.

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