Dennoch

Pastor Christian Rommert

Jetzt ist das Jahr 2017 auch schon wieder fast vorbei. 365 Tage. 8760 Stunden. Über 525 Tausend Minuten. Und ich, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer? Ich habe gelebt, geliebt, gelacht, geweint, gefeiert, aber auch getrauert. Und das beschäftigt mich besonders am Ende dieses Jahres. 35 Millionen mal hat mein Herz in diesem Jahr geschlagen – habe ich ausgerechnet. Das Herz eines mir nahestehenden Menschen, meines Schwagers, hat 2017 aufgehört zu schlagen. So bekommt, wenn ich auf mein Jahr 2017 zurückschaue, ein Wort eine besondere Bedeutung. Es heißt:  Dennoch!

Bislang mochte ich immer diese Zeit zwischen den Jahren. Ich zog Bilanz und schmiedete Pläne für das, was kommen sollte. Aber in diesem Jahr ist es doch eine bittere Bilanz. Zum Pläneschmieden kann ich mich kaum motivieren. Der Tod meines Schwagers lähmt mich. Und das, obwohl ich als Christ doch darauf hoffen müsste, dass der Tod nicht das Ende ist.

Das haben schon unzählige Menschen durchgemacht und auch überlebt. Das weiß ich. Wir sind umgeben vom Tod. Aber ich, ich konnte das in meinem bisherigen Leben immer gut ausblenden. Selbst als ein Onkel von mir starb. Oder als ein Schulfreund bei einem Autounfall umkam. Manchmal fiel damals dieses Wort, das ich erst jetzt verstehe: „Dennoch“.  Dennoch weitermachen! Dennoch weiterleben! Dennoch weiterglauben!

Der Tod von nahestehenden Menschen hat mir eine Illusion genommen. Wir leben ja, als würden wir nie sterben. Wir machen Pläne... Ich mache Pläne. Jetzt z.B. ist die beste Buchungszeit. Wohin geht es in den Urlaub? Sollte ich nicht ein paar Kilo abnehmen? Und dann... ist von einem auf den anderen Augenblick alles anders. Jemand stirbt. Da waren mir all meine Pläne plötzlich total egal. Und jetzt liegt ein neues Jahr vor mir. 2018. Ich hoffe auf ein gutes Jahr, aber vielleicht wird es wieder Rückschläge geben?

Deshalb klammere ich mich an dieses kleine Wort „Dennoch“. Ich habe es gesucht in einem alten Text aus der Bibel und habe es da wiedergefunden. Da spricht einer zu dem Gott, an den ich doch auch glaube: „Und dennoch halte ich fest an Dir! Denn Du führst mich an Deiner rechten Hand.“

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, angesichts des Todes meines Schwagers habe ich mich auch gefragt, wo Gott ist. Und: Ist er vielleicht doch nur eine fixe Idee? Eine naive Vorstellung? Was lohnt es sich, an ihn zu glauben, wenn solche schrecklichen Dinge passieren? Ja, dieses „Dennoch“ des Beters... das berührt mich, weil ich jetzt weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, an Gott festzuhalten. Nicht nur in guten Zeiten, sondern gerade in tiefen Krisen.

In guten Zeiten habe ich die positiven Erfahrungen und die Geschenke meines Lebens immer schnell mit Gott in Verbindung gebracht. Das war ein Geschenk vom lieben Gott, habe ich gesagt und war dankbar. Nun versuche ich zu akzeptieren: zum Leben gehören auch die dunklen Momente. Unsere Verletzlichkeit! Der Schmerz. Und Gott ist auch in diesen Dingen nah. Er ist ein Gott, der mitleidet. Einer, dessen Sohn am Kreuz endete, sehr schmerzhaft. Ganz unten. Dennoch! Dennoch halte ich fest an Dir, Gott! Denn Du führst mich an Deiner rechten Hand. Dennoch! So versuche ich, in das neue Jahr aufzubrechen.

 

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