Wetten dass..?

Pastor Christian Rommert

Das Wort zum Sonntag: 08.04.2017

Sprecher: Christian Rommert, Bochum

 

 

Thema:

Das moderne Lagerfeuer

 

Ich habe das immer geliebt: Diese besonderen Samstagabende in meiner Kindheit. Nach der Badewanne durfte ich mit geschmierten Broten vor dem Fernseher sitzen. Dort lief „Wetten, dass..?“ Frank Elstner begrüßte die Zuschauerinnen und Zuschauer und präsentierte spannende Wetten. Badewanne, Schnittchen und „Wetten, dass..?“ – das war in meiner Kindheit das Rund-um-Glücklich-Paket! Und wenn wir dann am nächsten Tag in die Kirche gingen, war der Abend vor dem Fernseher auch immer das Thema unter uns Kindern: Hast Du gesehen, wie die versucht haben, einen LKW auf vier Biergläsern abzustellen? Oder wie der Bagger den hohen Turm hochgekraxelt ist?

Auch wenn die Welt da draußen chaotisch war, Mathearbeiten drohten oder meine Eltern Probleme auf der Arbeit hatten: „Wetten, dass..?“ half uns für einen Abend, alles zu vergessen. Das war so als ich ein Kind war und das war immer noch so, als wir irgendwann mit unseren eigenen Kindern vor dem Fernseher saßen und längst schon Thomas Gottschalk die Sendung moderierte. „Wetten, dass..?“ – das war heile Welt.

Doch die Welt ist nicht heil. Terror, Kriege, Hunger, Verbrechensregimes. Das Leben ist brutal. Erinnern Sie sich noch an den Abend, an dem auch die heile Welt von „Wetten, dass...?“ zerstört wurde? Ein schlimmer Unfall vor laufender Kamera. Verletzt wird ein junger Mann. Sein Name ist Samuel Koch. Alles geschieht – live. Am Samstagabend, an meinem Heile-Welt-Samstagabend. Ich war damals sehr schockiert und betroffen. Und seit dieser Sendung damals habe ich immer wieder wissen wollen, wie kann ein Mensch damit leben, wie geht es mit Samuel Koch weiter?

Nun: er sitzt im Rollstuhl und ist querschnittsgelähmt. Doch seine Texte und Interviews sind für mich voller Kraft. Erstaunlicherweise. Es ist vor allem eine Sache, die mich berührt: dieser junge Mann gibt die Hoffnung nicht auf. Und damit meine ich nicht Blauäugigkeit. Ich meine nicht naiven Optimismus. Den leistet er sich nicht. Ich meine die Entscheidung, das Vertrauen in die eigene Zukunft nicht aufzugeben. Auch wenn alles manchmal aussichtslos erscheint. Ich meine diesen Glauben, dass das Leben, das vor uns liegt, noch immer etwas Gutes bereithalten kann. Das imponiert mir: Auf die Zukunft setzen und darauf setzen, dass – obwohl es keine Garantie dafür gibt – irgendwann alles gut wird.

So auf die Zukunft setzen, das ist so ein bisschen wie „Wetten, dass..?“ Wetten, dass das Leben noch nicht vorbei ist! Wetten, dass da noch etwas passiert! Und als Christinnen und Christen sprechen wir sogar von einer Hoffnung, die noch nicht einmal vor dem Tod Halt macht. Wetten, dass der Tod nicht das Ende ist! Das feiern wir in den kommenden Tagen: Ostern ist das Fest dafür, dass selbst der Tod kein Grund ist, damit aufzuhören zu hoffen. Nicht der Tod und auch nichts anderes kann die Hoffnung aufhalten. Wetten, es geht weiter. Wetten, dass das Beste noch kommt. Wetten, Hoffnung lohnt sich. Ich glaube daran.

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