Willkommen in der Hölle

Pfarrer Benedikt Welter

 

Einen guten späten Abend, verehrte Damen und Herren.

 

„Welcome to hell“ – „Willkommen in der Hölle“.

Damit hat ein Bündnis von sogenannten Linksautonomen und Antikapitalisten die  Teilnehmer des G20 Gipfels am Donnerstag „begrüßt“.

Was mit „Welcome to hell“ gemeint ist, zeigen uns die Bilder: eine Orgie der Gewalt ohne Respekt vor dem Leben, mit Verletzten, massivem Polizeieinsatz und vielen Scherben.

Sollen diese Protestaktionen den G20 Leuten die Hölle heiß machen? Das Vorhaben ist wohl gescheitert. Denn meines Wissens hat von den Gipfelteilnehmern keiner eine Beule davongetragen.

In Mitleidenschaft gezogen wurden friedliche Demonstranten, Polizisten und Ladenbesitzer.

Wenn die gewalttätigen Protestaktionen die Welt beschreiben sollten als eine, die durch das Handeln der G20 für viele zur Hölle geworden ist, dann ist auch das gründlich schief gegangen.

Eine solche brutale Zerstörungswut ist für mich letztlich nichts anderes als das politische Handeln von Mächtigen, wenn sie  ihre eigenen Interessen über das Gemeinwohl einer Menschheitsfamilie und unserer Erde stellen.

„Die Hölle, das sind die andern“, sagt der französische Philosoph Jean Paul Sartre. Die Bilder der letzten Tage und Nächte zeigen das leider zur Genüge.

 

Hölle – die hat aber auch mit dem Tod zu tun. Hölle ist eine mögliche Perspektive für das Danach, nach dem Leben hier auf der Erde. In der Bibel kommt die Hölle als Konsequenz vor. An der Hölle können sich die nicht vorbeimogeln, die hier auf Erden andere zerstören, erniedrigen, sie vernichten und ihrer Menschlichkeit berauben.

„Willkommen in der Hölle“

 

Ich finde es sehr sympathisch, dass manche Theologen davon ausgehen, dass die Hölle leer ist.

Aber ganz egal, ob die Hölle leer ist oder voll, ob es sie gibt oder nicht: Das Bild von der Hölle als einem Ort der Konsequenz, das gefällt mir.

 

„Willkommen in der Hölle“

Die Hölle als Ort der Konsequenz „danach“ ist eigentlich eine Idee für das Hier und Jetzt: was jemand hier und heute tut oder nicht tut, trägt seine Konsequenz in sich. Nichts ist umsonst. Nichts geht ohne Verantwortung. Es gibt im Leben keine Komfortzone, in der ich mich vom Leben und von seinen Ansprüchen lossprechen kann. Gerade deshalb haben in Hamburg viele Tausend friedlich demonstriert.   Denn auch wenn ich nichts tue, hat das Folgen. Würde ich mich zurückziehen aus der Welt, weil sie immer komplizierter und bedrohlicher wird, könnte ich mich trotzdem nicht entschuldigt fühlen – nach dem Motto – „davon habe ich nichts gewusst“.

 

„Willkommen in der Hölle“.

Eine andere Begrüßung für die G20er hätte ich angemessener gefunden:  „Welcome to earth“ – „Willkommen auf der Erde“. Willkommen auch in der Verantwortung für die Erde und für die Konsequenzen dessen, was wir tun und nicht tun.

Zu diesem Willkommen hat der Apostel Paulus noch einen sehr guten Tipp: „Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen.“ Ich kann etwas bewegen, um diesen Planeten wohnlicher und menschenwürdiger zu machen. Statt „empört euch“ sage ich lieber „engagiert euch“. Dafür gibt es viele Möglichkeiten – in der Nachbarschaft, in der kleinen oder großen Politik, und auch bei den Kirchen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen geerdeten Sonntag.

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