Woran glaubst Du?

Pfarrer i.R. Alfred Buß

Wort zum Sonntag 10.06.2017

(Alfred Buß, Unna)

 

Woran glaubst du?

Ich lebe mit dem Weltbild des 21. Jahrhunderts – Bilder von unserem blauen Planeten kommen direkt in mein Wohnzimmer. Die wunderbare blaue Murmel vor dem endlos dunklen Weltraum macht mir Gänsehaut. Und je mehr ich erfahre vom Werden der Welt in Milliarden von Jahren, desto größer wird für mich der Glanz von Gottes Schöpfung.

Woran glaubst du? – fragt die aktuelle ARD-Themenwoche. Die Bibel erzählt doch, Gott habe die Welt in sechs Werktagen erschaffen. Glauben Sie das? Ich hoffe, nicht! Wer die Bibel allzu wörtlich nimmt, der muss bald seinen Verstand ausschalten.

Ist es also besser, dass ich mir selber Zutaten aus den Religionen suche und mir einen Glauben rühre nach meinem Rezept, wie viele es tun? Der Glaube mag mir dann schmecken, aber trägt er mich auch – in guten und in bösen Tagen?

Ein lebendiger Glaube braucht ein lebendiges Gegenüber, auf dessen Wort ich höre und zu dem ich bete. Menschen haben ihre Erfahrungen mit Gott aufgeschrieben in den Geschichten, Gebeten, ja, auch den Klagen der Bibel – über unzählige Generationen.

Diesem Zeugnis der Alten traue ich.

Als sie die Schöpfungserzählung aufschrieben vor 2600 Jahren, galt die Erde noch als Scheibe, klar. Zudem lag Jerusalem in Trümmern: Die Stadt war von Besatzern in Schutt und Asche gelegt.

Da fassten einige Mut kraft ihrer Erinnerung: Gegen ihre Wirklichkeit schrieben sie auf,  was ihre tiefste Überzeugung war: Die Welt ist nicht des Teufels. Schritt für Schritt baut der Schöpfer den Kosmos auf - voller Liebe zum Detail, schwungvoll im großen Profil. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht:  Man spürt, wie es hell wird, wie der Horizont sich weitet, wie der Durchblick gelingt.

Alles kommt aus Gottes Hand. Sonne, Mond, Sterne, Wasser, Land, Pflanzen, Tiere. So auch der Mensch: Geschaffen, um zu leben. Auserkoren als Gottes Gegenüber. Ob Frau oder Mann, Jude, Muslim, Hindu, Christ - ausgestattet mit unverlierbarer Würde.

Dem Menschen hat Gott die Erde anvertraut, dass er sie bebaue und bewahre. Mit ihrer Artenvielfalt, ihrer Atmosphäre, ihren Vorräten – anvertraut menschlicher Obhut.

Längst ist die Menschheit fortgeschritten. Ruhelos. Die Erde ist für uns Heutige keine Scheibe mehr. Doch alles Leben droht kaputt zu gehen auf unserem blauen Planeten. Ozeane voller Müll, das Klima aus den Fugen, Terror als Verhöhnung des Schöpfers allen Lebens.

Gott spricht mich darauf an und erwartet meine Antwort. Erwartet Ver-antwortung von jeder und jedem, fragt nach menschlicher Obhut. The blue planet first!

Jedes Mal, wenn ich die blaue Murmel sehe,  bekomme ich Lust, die Geschichte von den sechs Tagen laut zu lesen... Dann spiegelt sich die Schönheit Gottes in unserem verletzlichen Planeten.

Und den sechs Werktagen folgt noch ein besonderer Clou: Am siebenten Tag ruht Gott von allen seinen Werken. Das größte Schöpfungsgeschenk ist die Ruhe. Das mag ich richtig gerne glauben. Einen gesegneten Sonntag wünsche ich Ihnen.

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