Gemeindeportrait St. Nicolai in Lemgo

St. Nicolai-Kirche in Lemgo, erbaut Anfang des 13. Jahrhunderts. Foto: Andreas Lange

Bis in das Jahr 1200 reicht die Geschichte der St. Nicolai-Gemeinde zurück. Mit der Gründung der Stadt um 1190 wurde auch eine Kirche am zentral gelegenen Marktplatz vorgesehen, die Nikolaus, dem Schutzpatron der Kaufleute, geweiht wurde.

Von 1524 an drang reformatorisches Gedankengut nach Lemgo ein, seit 1527 wird in St. Nicolai lutherischer Gottesdienst gefeiert. Nach anfänglichem Widerstand wurde 1533 die lutherische Lehre hier wie im ganzen Lipperland endgültig eingeführt. Lemgo blieb lutherisch, auch als Graf Simon VI. 1605 für seine Grafschaft das reformierte Bekenntnis einführte. Erst seit 1854 sind in Lippe lutherische und reformierte Gemeinden gleichgestellt.

 

Heute gehört St. Nicolai zur "Lutherischen Klasse“ ("Klasse" ist ein anderer Ausdruck für Kirchenkreis) der Lippischen Landeskirche, die von Superintendent Andreas Lange geleitet wird (www.lippe-lutherisch.de). Elf Gemeinden mit 30.000 Mitgliedern bilden die Lutherische Klasse, die Mitgliedskirche des Lutherischen Weltbundes und Ständiger Gast der lutherischen Kirche in Deutschland ist.

Baugeschichte
Man nimmt 1210 als das Jahr der Grundsteinlegung der Kirche an. Zunächst entstand eine dreischiffige Basilika, die noch während der Bauzeit geändert wurde: Man errichtete eine Fassade mit zwei Türmen, von denen einer seither in städtischem Besitz ist. Die originale Bemalung von 1240 wurde 1961 wieder freigelegt. Damit präsentiert sich St. Nicolai als farbiger, spätromanischer Kirchbau.

 

Um 1300 wurden die niedrigen und schmalen Seitenschiffe abgetragen und durch breitere ersetzt, die die Höhe des Mittelschiffs aufnahmen. Auch den Altarraum und den Hauptchor hat man großzügig erweitert. Seit 1375 trägt die Kirche Quersatteldächer. Seither wurde sie außen und innen baulich nicht mehr wesentlich verändert.

St. Nicolai heute: Offene Kirche mit großer Reichweite

Rund 5.400 Menschen, die überwiegend im Bereich der Kernstadt Lemgos wohnen, gehören heute zur Gemeinde. Sie werden von drei Pfarrerinnen und Pfarrern betreut. Dank einer hauptamtlichen Kirchenmusikstelle ist die Kirchenmusik mit verschiedenen Chören und vielen Konzerten im Lauf eines Jahres von zentraler Bedeutung für die Gemeindearbeit.

 

Eine planvolle Öffentlichkeitsarbeit ist der Gemeinde wichtig. Der von Superintendent Lange layoutete Gemeindebrief "St. Nicolai IM BLICK“ ist weit über Lemgo hinaus bekannt, wie auch für die interne Kommunikation der Gemeinde von großer Bedeutung. Unter www.nicolai-lemgo.de findet der Nutzer ein breites Internetangebot.

 

Mittelpunkt vieler Veranstaltungen ist nach wie vor die altehrwürdige St. Nicolai-Kirche. Auch 800 Jahre nach ihrer Gründung bietet sie Menschen Heimat, einen Ort für Konzerte und Gottesdienste und lädt zum Aufenthalt ein. Die Kirche wurde 2006 bis 2011 grundlegend renoviert. Sie ist außer montags täglich 9 bis 18 Uhr geöffnet und steht sowohl Kirchenbesuchern mit touristischem Interesse offen, wie auch Menschen, die die Kirche zur stillen Andacht aufsuchen.

 

Wiedereintrittsstelle St. Nicolai

Seit fünf Jahren ist eine der zentralen Wiedereintrittsstellen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in St. Nicolai beheimatet. Jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr ist ein Lemgoer Pfarrer anwesend, hat Zeit für ein Gespräch und kann, wenn es sich ergibt, einen Wiedereintritt in die Kirche vornehmen.