Geschichte der Kirche

Die heutige Stadtkirche hat durch die Jahrhunderte viele Veränderungen erfahren. Hoch- und spätgotische Elemente dominieren den Kirchenbau, doch sind auch romanische Bauteile noch zu erkennen. Überreste des ältesten Kirchenbaues konnten auf Grund von Grabfunden auf die Zeit der frühmittelalterlichen, alamannischen Landnahme im 6./7. Jahrhundert datiert werden. In zwei Gräbern, einem Männer- und Frauengrab, wurden aufschlussreiche Grabbeigaben gefunden. Besonders das Frauengrab enthielt einen aussergewöhnlichen Reichtum an Goldschmuck, welcher zu den wichtigsten frühmittelalterlichen Grabfunden der Schweiz zählt. Die Grabbeigaben sind heute im Museum Zofingen zu sehen. Die erste Kirche wurde im 11. Jhd. um eine stark vergrösserte Saalkirche erweitert. Bald darauf entstand eine repräsentative dreischiffige, romanische Basilika mit Querschiff und Krypta. Von der frühromanischen Kirche hat sich aufgehendes Wandmauerwerk in voller Höhe erhalten. Im Verlaufe des 12.Jhd. folgte ein Chorneubau  mit seitlichen Kapellen und zwei Türmen auf der Westseite. Der repräsentative Bauumfang der Kirche dürfte mit der Gründung des Zofinger Chorherrenstifts durch die Grafen von Frohburg in Verbindung gebracht werden. Im 14. Jhd. wurde nebst umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten wieder ein neuer Chor erstellt. Beim grossen Stadtbrand 1396 wurde die Kirche schwer beschädigt. Fehlende finanzielle Mittel verzögerten die dringenden Sanierungsarbeiten. Im ausgehenden 15. Jhd. veranlasste die Stifterin, Dorothea  Roregger den Bau von drei Kapellen am nördlichen Seitenschiff. Ihr Wappen und das ihres Gatten Jakob Wagner sind an den Gewölbeschlussteinen angebracht. Der spätgotische Umbau im 16. Jhd. beinhaltete die Errichtung eines zweijochigen Chores, zweier  Sakristeien, eines Lettners und zweier weiteren Kapellen an der Nordseite des Querschiffes. Die Krypta wurde zugeschüttet. 1520  erfolgte die Weihe des neuen Chors. Acht Jahre nach der Chorweihe führte Bern die Reformation ein und löste das Chorherrenstift auf. Aus der Stiftskirche wurde die städtische Pfarrkirche. Vom Frühmittelalter bis zur Reformation war der heilige Mauritius der Schutzpatron der Kirche. Der heilige Mauritius war im Mittelalter ein populärer Heiliger. Die älteste und kleinste Glocke im Turm trägt seinen Namen. 1646 erhielt die Kirche mit dem Turmbau an der Westseite ihr heutiges äusseres Erscheinungsbild.

Text: Franziska Schoop, neuer Kirchenführer der Stadtkirche Zofingen (2016).