Geborgen in Gottes Liebe

Rundfunkgottesdienst aus der ev. Stadtkirche Sankt Wendel
Evangelische Stadtkirche St. Wendel
Über die Sendung

Geborgen in Gottes Liebe – diese Zuversicht vermittelt der Rundfunkgottesdienst aus Sankt Wendel. Pfarrerin Christine Unrath predigt, Menschen aller Generationen berichten, wie sie diese Geborgenheit erfahren haben. Sei es in Krankheit, im Beruf oder im ganz normalen Alltag.

Zur musikalischen Gestaltung wird der Kinder-und Jugendchor der Stadtkirchengemeinde Sankt Wendel beitragen. Die protestantische Pfarrei Sankt Wendel wurde im Jahre 1825 gegründet. 20 Jahre später ist am Rande der Stadt die Stadtkirche gebaut worden, die sich heute im Zentrum von Sankt Wendel befindet.

 

 

Gottesdienst nachhören

 

Den Gottesdienstmitschnitt finden Sie auch direkt unter http://www.deutschlandradio.de/audio-archiv.260.de.html?drau:broadcast_id=122

Predigt zum Nachlesen
 

Und wenn ich es nicht spüren kann? Wenn ich nicht glauben kann, dass Gott mir nah ist – zum Beispiel weil ich gerade einen geliebten Menschen verloren habe oder weil mir Sorgen über den Kopf wachsen, weil ich krank bin und ich nicht weiß, wie es weitergehen soll?

 

Gerade jetzt sehne ich mich nach Geborgenheit, nach Nähe, die hält und trägt – eine Hand, in der ich mich bergen kann mit den geweinten und ungeweinten Tränen. Ich wünsche mir, Trost zu finden und hoffe, dass die wunderbaren Bilder der Bibel zu mir sprechen. Wenn ich den Boden unter den Füßen verliere und meine, ins Uferlose zu versinken – unterzugehen drohe, wie damals Petrus.

 

Zusammen mit den anderen Jüngern ist er unterwegs auf dem See Genezareth. Plötzlich kommt ein schwerer Sturm auf. Der Wind bläst und die Wellen sind hoch. Sie machen dem Boot der Jünger schwer zu schaffen. Da kommt Jesus zu den Jüngern. Er geht über das Wasser auf das Boot zu. Aber die Jünger glauben, dass er ein Gespenst ist. Es kann doch niemand übers Wasser gehen!

Jesus sagt zu ihnen: Fürchtet Euch nicht. Ich bin es! Ihr braucht keine Angst zu haben!“

Da steigt Petrus aus dem Boot. Er möchte zu Jesus gehen und tatsächlich gelingen ihm einige Schritte auf dem Wasser. Doch dann merkt er, wie stark der Wind ist und wie bedrohlich die Situation. Er bekommt Angst und beginnt, zu sinken. Erst Jesu Hand, die er ihm hinstreckt, rettet ihn. Gemeinsam gehen die beiden zurück zum Boot und dann legt sich der Wind.

 

Genau wie Petrus  möchte ich auch erleben: Wenn mir das Wasser bis zum Hals steht, ist da eine rettende Hand, die ich ergreifen kann.

Das Wasser, über das ich laufen muss, ist vielleicht kein Wasser im wortwörtlichen Sinn. Es sind andere Wellen und Wogen, die mich bedrohen. Zum Beispiel die Wogen der Trauer, wenn ich gerade einen lieben Menschen verloren habe. Oder es ist die Flut von Ansprüchen, die an mich gestellt werden. Von denen ich nicht weiß, ob ich sie alle erfüllen kann und die mir deshalb Angst machen. Oder es ist eine schlimme Diagnose, die mir ein Arzt mitteilt. Wenn ich wie gelähmt bin vom Schock und vor Angst und ich nicht weiß, ob ich genügend Kraft haben werde für den Kampf, der vor mir liegt. 

 

Es sind solche Situationen, in denen auch ich unterzugehen drohe. In denen ich merke: Ich schaffe es nicht alleine. Ich brauche Hilfe. Von anderen. Von Gott. Hilfe, die ganz unterschiedlich aussehen kann. Es kann ein Satz sein, den jemand zu mir sagt und der mir Hoffnung schenkt. Es können ein paar Worte sein, die mich kurz zum Lachen bringen und zumindest für kurze Zeit aus meiner Angst ausbrechen lassen. Es kann eine wortlose Umarmung sein, ein festes Drücken, das mir zeigt: Ich bin nicht allein. Ich leide auch nicht allein. Andere leiden mit mir. Geteiltes Leid ist halbes Leid, sagt ein Sprichwort. Zumindest ist es weniger Leid.

 

Und schließlich: Es können biblische Verse und Bilder sein, die mir Geborgenheit schenken. Die ich fest gespeichert habe, tief in mir drin und die mir niemand nehmen kann. Die mich wärmen und mir die Gewissheit geben: Da ist jemand, der trägt dich und der wird dafür sorgen, dass alles ein gutes Ende nimmt.

 

So, wie es der Seher Johannes beschreibt, im letzten Buch der Bibel. Es ist eins meiner Lieblingsbilder: „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein … .“ Gott - so nah – mit zärtlicher Hand die Tränen abwischen.

 

An solchen Bildern halte ich mich fest. Damit wahr wird, was wir eben gemeinsam in der Übertragung des Psalms gebetet haben:

            Was kommen mag,

            Angst, Not, Gefahr,

            behüten wird mich wunderbar

            die Quelle der Geborgenheit:

            mein Gott, jetzt und in Ewigkeit.

 

Elisa Althaus:

Vor ein paar Monaten wurde ich konfirmiert. Im Vorfeld habe ich mich mit Konfirmationssprüchen befasst und schon nach kurzer Zeit stand für mich fest: Es sollte der Spruch sein: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Für mich bedeutet dieser Spruch, dass man sich in bestimmten Situationen auf sich, sein Können oder auf Gott vertrauen sollte. Mir ist das besonders wichtig. Ich habe nämlich viele Auftritte in Theater- und Musicalaufführungen. Dabei brauche ich viel Vertrauen.

 

Wenn ich hinter der Bühne stehe und das ganze Publikum sehe, dann werde ich schnell nervös und unsicher. Genau dann brauche ich zum Beispiel Gott. Er erinnert mich daran, dass ich meine Rolle kann, dass ich das schaffen werde. Gott gibt mir die Kraft, auf mich selbst zu vertrauen und gibt mir den Mut, etwas Neues anzufangen.

 

Dieses Selbstvertrauen ist sehr wichtig. Ich denke, dass jeder Mensch etwas besitzen sollte, worauf er vertrauen kann und womit er seine Ziele erreichen kann.

 

 

Hartmut König:

Beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst wurde ich gefragt, ob ich ein paar Worte zu dem Thema „In Gottes Liebe geborgen“ aus eigener Erfahrung sagen könnte. Lange musste ich da nicht überlegen. Dieses Gefühl, in Gottes Liebe geborgen zu sein, fällt ja nicht einfach so vom Himmel; man muss sich fortwährend damit beschäftigen bzw. sich damit auseinandersetzen.

 

Obwohl ich eigentlich schon immer ein gläubiger Mensch war, der in religiös gebildeten Kreisen seinen Platz gesucht und gefunden hat, hatte ich auch öfters meine Zweifel.

 

Meine sichere Überzeugung, mich in Gottes Hand geborgen fühlen zu können, habe ich seit Juli 2014. Damals sagte ein Arzt mir,  dass ich Krebs hätte und sofort operiert werden müsse. Erst Schockstarre, dann Hilflosigkeit und Angst. Warum ich? Was kommt auf dich zu? Wieviel Zeit bleibt Dir noch? Obwohl die Operation gut verlief und das Ärzteteam versuchte, mir Mut und Hoffnung zu machen, waren immer noch Zweifel da.

 

Als ich dann noch im Krankenhaus das Gesangbuch aufschlug, las ich auf einmal die Zeilen Dietrich Bonhoeffers: „Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen! Was willst Du nur? Du bist in Gottes Liebe geborgen. Egal, was kommen mag!

 

Obwohl der Krebs zwei Jahre später wiedergekommen ist und ich mich in der Folge ein Jahr lang einer Chemo-Therapie unterziehen musste, habe ich den Mut nicht mehr verloren. Und das hat sich gelohnt. Anfang Juni diesen Jahres musste ich zu meiner vorgeschriebenen Kontrolluntersuchung, mit dem Ergebnis: Ich bin im Augenblick krebsfrei.

 

Wie heißt es doch sinngemäß in dem schönen Lied: „Meine Zeit steht in deinen Händen?“ Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich: Was wird morgen sein? Du liebst mich, Du lässt mich nicht los. Vater, Du wirst bei mir sein.

 

Predigt Teil 2

 

Egal, wie alt wir sind – fast alle von uns sehnen sich danach, geborgen zu sein.

Wagen es, sich einem anderen Menschen anzuvertrauen und möchten das von einem anderen geschenkte Vertrauen nicht enttäuschen. Wie wir eben gehört haben: „So ist es besser zu zweien als allein, wenn einer hinfällt, dann hilft ihm sein  Gesell auf … und wenn zwei  beieinander liegen, wärmen sie sich …“

 

Dahinter steckt die uralte Erfahrung, dass wir Menschen alleine nicht bestehen können. Das ist manchmal vielleicht schwer zu glauben. Dann, wenn gerade alles gut läuft. Wenn ich im Vollbesitz meiner Kräfte bin. Wenn mir alles wie von selbst zu gelingen scheint. Aber selbst dann gilt das, was Gott gesagt hat, nachdem er mit Adam den ersten Menschen erschaffen hatte: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“

 

Jeder Mensch braucht zum Leben mehr, als er selbst leisten kann. Jeder Mensch braucht Hilfe, Schutz und Geborgenheit.

Die Geborgenheit, die wir Menschen uns geben können, lässt uns ahnen, wie es sein wird, wenn wir uns Gott anvertrauen – und mit ihm durch unser Leben gehen – sei es allein oder mit anderen gemeinsam. Sich bei Gott geborgen fühlen, das hilft,  zuversichtlich den Stürmen unseres Lebens zu begegnen. Wir sind nicht allein, in den unbeschwerten, aber auch den schwierigen Zeiten unseres Lebens. Gott begleitet uns wie im Bild des wohl bekanntesten Psalmgebets: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. … Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ (Ps 23)

 

In deinen Armen, Gott,  geborgen, so kann ich mein Leben leben,

begleite mich mit deinem Wort durch die Höhen und Tiefen meines Lebens,

Halte mich fest, lass mich in deinen Armen geborgen sein –

 

Oder – wie es in dem Gospel In your arms heißt:

 

Through the storms of life
lead me into your light
give my heart a new song
when I'm weak make me strong
by your word lead me
into pastures of peace
hold me close
safely rest
in your arms

 

Durch die Stürme des Lebens
führe mich in dein Licht
gib meinem Herzen ein neues Lied
wenn ich schwach bin, mach mich stark
bei deinem Wort führe mich
auf die Weide des Friedens
halt mich fest
sicher ruhend
in deinen Armen

 

Your my redeemer
and amazing grace
my fortress, and my hiding place
Your my deliverer
and my solid rock
my souls desire is in you

 

Du bist mein Erlöser
und eine erstaunliche Gnade
meine Festung und mein Versteck
Du bist mein Erretter
und mein fester Stein
mein Seelenverlangen ist in dir

 

Through all creation
your ways are known
cause you are the God
who's God alone
you're a God alone
Let every, let every nation
and let every tongue
confess that you are Lord of all

 

Die ganze Schöpfung kennt deine Wege

Denn du bist der Gott
Wer ist Gott allein?
Du bist Gott allein
Lass jeden, lass jede Nation
und lass jede Zunge
bekennen, dass du der Herr von allem bist.

 

Findteis:

Vor fünf Jahren wollte meine Oma Gerlinde zur Küche gehen. Auf dem Weg dorthin ist sie umgefallen. Mein Opa Klaus hat den Notarzt gerufen. Meine Oma Gerlinde wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Als ich das gehört habe, habe ich zum lieben Gott gebetet, dass meine Oma überlebt. Zum Glück hat sie das Ganze auch überlebt.

 

Zägel:

Ich habe eine Ausbildung im Einzelhandel absolviert und lange in dieser Branche gearbeitet. Seit ein paar Jahren tue ich beruflich nun etwas ganz anderes. Meine jetzige Tätigkeit macht mir viel Freude, dennoch fühle ich mich in manchen Bereichen öfter überfordert.

 

Zum Beispiel war eine Veranstaltung geplant, bei der ich mich vom Thema her nicht so gut auskannte und unsicher war. Mit dieser Sorge habe ich mich an Gott gewandt und ihn gebeten, dass er mich erkennen lassen möge, was denn mein Beitrag zu dieser Veranstaltung sein könnte. Nach und nach habe ich dann gespürt, was noch zu tun war und habe es entsprechend umgesetzt.

 

Nach der Veranstaltung habe ich dann eine Mail bekommen, die lautete: „Vielen Dank für alles, was Du eingebracht hast, solche Menschen wie dich gibt es selten.“

Natürlich habe ich mich über das Lob gefreut, auch wenn der Absender wahrscheinlich nicht wissen konnte, dass all mein Tun in Wirklichkeit vom Segen Gottes abhängt. Es ist sozusagen eine „Arbeit zu zweit“.

 

Erfahrungen wie diese geben mir Hoffnung und Gewissheit, dass es sich echt lohnt, sich von Gott führen zu lassen. Auf diese Weise kann ich für andere oder eine gute Sache da sein – mit ihm im Herzen. Gottes Wege sind nicht meine Wege. Wo ich mich unfähig fühle, da macht er mich fähig. In Gott bin ich geborgen.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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