Gute Botschaften

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Große Worte auf kleinen Karten. In meinem Arbeitszimmer steht ein großer Postkartenständer, so einer, wie man ihn aus Schreibwarengeschäften kennt. Der Ständer ist voll mit Postkarten. Mit ganz besonderen Postkarten – und das nicht nur, weil sie alle mit Goldfolie veredelt sind. Sondern jede einzelne Karte vermittelt eine besondere Botschaft. Und ich liebe es, dass sich manches, wofür ich oft viele Worte brauche, auch ganz einfach sagen lässt.

Große Worte eben auf kleinen Karten.

 

Eine davon versöhnt mich mit mir selbst. Sie trägt die Aufschrift: „Ein bisschen dick ist nicht so slim.“ Tatsächlich schaue ich öfter auf die Karte – wer wie ich für sein Optimalgewicht ein paar Pfunde verlieren müsste, freut sich über eine solche Zusage.

 

Wenn ich als Pastor auf einen Geburtstag eingeladen bin, greife ich gern zu dem Kartenständer und suche eine passende Karte aus. Neben der klassischen Variante mit den Worten „Alles Gute“ oder „Auf dich!“ habe ich dort auch humorvollere Grüße im Angebot „Kaum in Torte zu fassen“ zum Beispiel. Den Beschenkten zaubert das ein ums andere Mal ein Lächeln ins Gesicht.

 

Auch der persönliche Zuspruch kommt nicht zu kurz. Entweder mit der Kurzvariante „You are enough“ – also: Du bist genug. Oder die etwas längere. Hier heißt es. „Stell dir vor, du bist schon lange gut so wie du bist und merkst es nur nicht.“

 

Diese Karte steht bei mir nicht nur im Postkartenständer, sondern auch auf der Fensterbank direkt hinter meinem Schreibtisch.

Sie erinnert mich daran, dass ich trotz meiner Misserfolge, trotz meiner Schwächen, trotz meiner Fehlentscheidungen gut bin.

Gut, weil Gott mich gut geschaffen hat.

 

Was mir an diesen Karten besonders gut gefällt: Wirklich wichtige Botschaften lassen sich oft auch kurz und prägnant sagen, manchmal sogar mit Humor und einem Lächeln. Das gilt auch für das Zentrum der christlichen Botschaft: Genug. Gut. Geliebt. Von Gott.

 

Natürlich versuche ich als Pastor, diese Botschaft in meinen Predigten, Andachten und dem, was sonst noch auf meiner Tagesordnung steht, zu vermitteln. Dafür mache ich mir Gedanken, bereite mich vor, frage mich, wie ich diese Botschaft in Worte fassen kann. Und wenn ich dann am Schreibtisch sitze, hilft mir mein Blick zur Karte auf der Fensterbank: „Stell dir vor, du bist schon lange gut so wie du bist und merkst es nur nicht.“ Auch, wenn ich dann mehr Worte für die gute Botschaft brauche: das wirklich Wichtige lässt sich auch einfach sagen. Das gilt, finde ich, auch für das Evangelium – denn das heißt ja schließlich: gute Botschaft. Du bist genug. Gut. Geliebt – von Gott.

 

Hin und wieder tut es dann gut, keine langen Reden zu schwingen oder große rhetorische und literarische Taten vollbringen zu müssen. Manchmal reicht schon eine einfache Karte. Manchen meiner Predigten hat diese Erkenntnis schon auf die Sprünge geholfen. Was ist wirklich wichtig? Was lohnt gesagt zu werden? Was streiche ich besser aus meinem Manuskript?

 

Im Arbeitsalltag sitze ich dann an meinem Schreibtisch und denke über die Texte nach, die ich zu schreiben habe: Vor den E-Mails, die ich beantworten muss. Den Sitzungsunterlagen, die ich vorbereite. Den Predigten, die ich halten werde. Auch die Aufgaben, die auf mich warten, kommen mir in den Sinn, die Erwartungen, die an mich gestellt werden und das, worum ich mir Sorgen mache. „You are enough“ – du bist genug. Genug, weil Gott mich geschaffen hat. Ich denke plötzlich nicht mehr nur an die Dinge, die mir Sorgen bereiten, sondern sehe die Chancen, die im nächsten Projekt stecken, die Gaben in den Menschen und auch die Möglichkeiten, die in mir selbst liegen.

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