Popcorn gegen die Einsamkeit

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Was war das für ein langer grauer Winter! Wettermäßig. Politisch. Mir fiel in diesem Jahr das Warten auf den Frühling schwer. Vor Ostern ging ich ging ins Kino und sah mir den Film „Maria Magdalena“ an. Ich war die einzige Besucherin, allein zwischen zweihundert leeren Stühlen. Und so fühlte ich mich auch. Allein. Irgendwie traurig. Gegen die Einsamkeit habe ich mir eine Tüte Popcorn gekauft. Und dachte:

Es könnte voller sein, hier im Kino, bei Maria Magdalena, der Frau, die dem Auferstandenen Jesus zuerst begegnete.

Keine leeren Stühle… sondern Menschen, die neugierig fragen, was uns Ostern noch angeht? Was da eigentlich passiert ist? Es muss ja nicht nur die Kirche sein, wo über Tod und Leben nachgedacht wird. Nach einem anregenden Film kann auch das Kino ein wunderbarer Gesprächsort sein.

So aber war ich allein im Kino, mit Maria Magdalena. Ich habe sie angesehen, ihr zugehört. Einen ihrer Sätze habe ich mir besonders eingeprägt:

„Die Welt wird sich nur ändern, wenn wir uns ändern!“

 

Aber das geht nicht so schnell. Ich weiß. Es gibt keine Auferstehung für Eilige. Kein Grau, das man einfach übermalt. Keinen neuen Lebensmut in 30 Sekunden.

Auch deshalb ist wohl das christliche Kirchenjahr geduldig mit uns Fragenden. Bis Pfingsten geht der Osterfestkreis seiner Sonntage. Sie tragen alle Hoffnungsnamen – sie heißen „Quasimodogeniti – wie die neugeborenen Kinder“; „Hirtensonntag“, „Jubilate“ und „Kantate – singt!“. 7 Wochen Zeit, um die Botschaft von der Auferstehung Jesu mit Leben zu füllen. Sich berühren zu lassen. Manchmal auch: sich stören zu lassen in den Grenzen der eigenen Wahrnehmung, der festgefahrenen Einstellung zu Tod und Leben.

„Die Welt wird sich nur ändern, wenn wir uns ändern!“

 

Die Bibel erzählt die unterschiedlichsten Ostergeschichten. Auch das zeigt mir – es braucht Zeit. Neue Vokabeln und Ausdrucksformen, die man innerlich hin- und herwenden kann.

Im ältesten Bericht über den Ostermorgen flohen die Frauen vom leeren Grab, mit Angst und Zittern. Sie fürchteten sich, heißt es im Markusevangelium. Und sagten niemandem etwas.

Ganz sicher fürchteten sich die Frauen vor der Reaktion der männlichen Weggefährten Jesu. Die könnten ja sagen: Überspannte Frauen! Tot ist tot. Basta. Warum sollte das auf einmal anders sein?

 

Und Maria Magdalena? Deren Geschichte der Kinofilm neu erzählt? Als ihr der Auferstandene begegnete, dachte sie, es sei der Gärtner. Sie erkannte Jesus nicht an seinem Äußeren, sondern nur an seiner Stimme. Anrühren darf sie ihn nicht.

 

Am bekanntesten ist sicher die Geschichte von den beiden Freunden Jesu, die nach seinem Tod am Kreuz in ihren Heimatort Emmaus zurückkehren. Wegen Jesus hatten sie Familie und Beruf aufgegeben. Nun kehren sie als Enttäuschte zurück. Job los. Ruf beschädigt. Hoffnung dahin.

Jesus, so heißt es, läuft mit den beiden eine Wegstrecke mit. Die Männer erkennen ihn auch in dieser Geschichte nicht an seinem Äußeren. Er ist versteckt in dem Weggefährten, der zuhört, tröstet und dann während der Abendmahlzeit das Brot mit ihnen teilt. So wie Jesus das immer gemacht hatte. Dann verschwindet der Fremde wieder. Doch die beiden Jünger sind verändert. Sie kehren mit einer Botschaft in den Alltag zurück, die alles umkehrt: Jesus lebt! Gott beginnt neu, wo Menschen nur Ende sehen. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Hoffnungsnachrichten für Generationen von Menschen!

 

Und zum Glück hören diese Geschichten nicht auf: Angst, die überwunden wird. Graues, das sich endlich aufhellt. Eine Stimme, die berührt. Ein Essen, das verbindet.

 Ostern ist nicht zu Ende. Auch dann nicht, wenn die 7 Wochen des Osterfestkreises vorbei sind. Denn Zeit für einen neuen Anfang ist immer – jeder Sonntag erinnert daran.

Und die Welt, wie Maria Magdalena im Kino meint, die ändert sich, wenn wir uns ändern.

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