Der perfekte Weihnachtsgottesdienst

Wort zum Tage
Der perfekte Weihnachtsgottesdienst
20.12.2018 06:20
07.09.2018
Florian Ihsen
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„Auf der Suche nach dem perfekten Weihnachts-Gottesdienst“ – So war letztes Jahr in der Woche vor Weihnachten ein Artikel im Münchenteil der Süddeutschen Zeitung überschrieben. Wo soll man hingehen, vor allem, wenn man sich mit den Kirchen nicht so gut auskennt?

 

Für Kinder und Familien gibt es Krippenspiele und Zwergerlgottesdienste. Nachtschwärmern wird die Christmette da und da empfohlen. Für Freunde gepflegter Rhetorik gibt es die Pfarrerin in der X-Kirche; sie ist bekannt für ihre geschliffenen Predigten. Nicht zuletzt Pater Z, der als großer Rhetoriker gilt und in St. M predigt. Klassik-Fans können Musik auf höchstem Niveau zum Nulltarif in Gottesdiensten genießen: Zum Beispiel aus Bachs Weihnachtsoratorium und Messvertonungen. Und Fernsehzuschauer und Radiohörerinnen können an den Geräten diesen und jenen Gottesdienst mitfeiern.

 

Ein wirklich tolles, breites Angebot. Wir können es uns aussuchen, je nachdem, wohin es uns zieht, und das ist toll. An Weihnachten entscheiden Gefühl und Geschmack.

 

„Der perfekte Weihnachtsgottesdienst“. Perfekt – das bringt mich ins Nachdenken. Die völlig unperfekte Geburt im Stall „perfekt“ feiern? Ich setze ein Fragezeichen.

Und weiter: Ist Gottesdienst reine Geschmackssache? Wieder ein Fragezeichen.

Es geht doch um mehr, um Größeres als darum, ob mir diese Predigerin zusagt und diese Musik und jener Brauch. Christus wird geboren. Gott will in mein Leben kommen. In die Welt. Darum geht es doch. … Ja… Einerseits

 

Andrerseits: Gefühl und Geschmack sind so etwas wie unsere ureigensten „Fühler“, „Antennen“ und „Empfänger“ für das Heilige. An Weihnachten sind viele besonders sensibel, „fühlig“ eben. Ich selbst auch. Wie Maria und Josef, so sucht auch meine Seele eine Herberge, in der mir der Christus geboren wird, der, der mein Leben hell und sogar heil machen soll.

 

Und so suche ich meinen Weihnachtsgottesdienst, den, der meinem Geschmack am ehesten entspricht, in dem ich mich geborgen fühle. Religion ist wesentlich Gefühl und Geschmack, hat Friedrich Schleiermacher gesagt, ein bedeutender evangelischer Theologe. „Sinn und Geschmack für das Unendliche“ – das gefällt mir. Ja, mein Geschmack und mein Gefühl sind Gaben des Heiligen, um ihm nachzuspüren.

 

 

Es gilt das gesprochene Wort.

07.09.2018
Florian Ihsen