To-do-Listen

Wort zum Tage

Gemeinfrei via unsplash/ Kelly Sikkema

To-do-Listen
von Pfarrerin Britta Kirchner
12.07.2024 - 06:20
20.06.2024
Pfarrerin Britta Kirchner
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Ich schreibe gerne To-do-Listen. Weil es schön ist, erledigte Dinge abzuhaken. Ich schreibe meine To-do-Listen per Hand. Und ich markiere gern mit Farbe, welche Aufgaben besonders wichtig sind und bald erledigt werden sollten. Eine To-do-Liste für die Arbeit. Eine To-do-Liste für den Haushalt. Sogar eine To-do-Liste für die Freizeit. Sport. Erledigt – Abgehakt!

Doch neben der Freude einer abgearbeiteten To-do-Liste ist da dieses schlechte Gewissen, wenn ich eine Aufgabe nicht schaffe oder vor mir herschiebe. Wieder keinen Zahnarzttermin gemacht… Stimmt, dieser eine Abgabetermin... Außerdem: Bei so vielen To-do-Listen ist es manchmal schwierig, richtig abzuschalten. Es ist immer irgendetwas zu tun. Immer sitzt mir die nächste Aufgabe im Nacken. Bis es zu viel wird.

Einer, der auch viel zu tun hatte, war Jesus. Er ist gekommen, damit Blinde sehen, Lahme gehen, Taube hören und den Armen das Evangelium gepredigt wird. Das wird von ihm erwartet und das tut er auch. Doch auch er hat die Momente, in denen es zu viel wird. In einer Geschichte in der Bibel hat Jesus gerade einen Mann von einer Hautkrankheit geheilt. Und schon kommt eine große Menge zusammen, die alle hören wollen, was Jesus sagt, und von ihm geheilt werden wollen. Ich stelle mir vor, wie sie sich alle um Jesus drängen: „Jetzt heile mich! Los!“ Und da heißt es: „Er aber entwich in die Einöde und betete.“ (Lukas 5,16)

Dieser Moment, in dem alles zu viel wird. Und man einfach nur noch allein sein möchte. Rückzug. Schlafen. Die Last von der Seele reden. Am Ende einer harten Woche. Die nächste Mammutaufgabe steht schon auf der Liste. Und das schlechte Gewissen treibt einen weiter, während die Angst zu versagen einen stoppt. Ob Jesus ein schlechtes Gewissen gegenüber den Menschen hatte, die er da abweist? Ob er sich auch einmal fragte: Kann ich das eigentlich? Allen Menschen helfen?

Jesus macht es vor: Er entweicht. Er flüchtet vor der Überfülle an Erwartungen und Aufgaben. Er betet… Es ist offensichtlich okay, für eine Zeit lang mal alles stehen und liegen zu lassen. Durchatmen. Mich auf die Kraftquelle in meinem Leben besinnen. Mir Hilfe bei Gott suchen oder auch bei anderen. Es ist keine Schande zu sagen: „Es ist genug!“ Und die To-do-Listen unabgehakt liegen zu lassen.

Es gilt das gesprochene Wort.

20.06.2024
Pfarrerin Britta Kirchner