Draußen vor der Tür

Wort zum Tage
Draußen vor der Tür
15.02.2019 06:20
03.01.2019
Evamaria Bohle
Sendung zum Nachhören
Sendung zum Nachlesen

Der runtergerockte Heimatplanet und die eigenen vier Wände. Die Tür hinter sich schließen können. Kette vor, aufs Sofa flüchten und über noch schöneres Wohnen nachdenken. Die Welt muss leider draußen bleiben. Aber sie klopft. Mit Nachdruck. In der Schublade stapeln sich ungeöffnete Briefe, doch noch reicht der Kreditrahmen für besseres Design. Die Kinder schlafen und träumen.

Die Tür hinter uns schließen und in der Küche sitzen. Sorgen sortieren, bügeln, atmen, weiter wursteln. Die Welt soll draußen bleiben. Die Kinder schlafen und träumen, und wir buchstabieren die Habe: ein Dach über dem Kopf, alle gesund und für die Frierenden in den Innenstädten der Kältebus. Draußen vor der Tür ist Sozialstaat.

Der runtergerockte Heimatplanet. Die Kinder träumen, die Erwachsenen wachen und im Schrank wohnen die Monster. Irgendwann kommen sie raus, trotz gut verschlossener Türen. Das hört nie auf. Auch in den eigenen vier Wänden nicht. Und die Eltern sind alt und können nicht mehr retten. Sie schieben langsam, langsam den Rollator den Gang entlang. Auch wer keinen Schrank hat, keine Kinder, keine Eltern, keinen Rollator – hat immer noch Monster und die Angst vor der verschlossenen Tür. Oder vor der offenen.

Also: Quittengelee kochen, Tischdeko perfektionieren, Kalorien zählen, Fristen einhalten, Geist und Muskeln definieren. Das Leben versichern. Vertrauen – gut, aber Kontrolle ist doch besser. Alarmanlage, Bewegungsmelder, Gegensprechanlage und Webcam. Mit einem Joystick lassen sich schließlich sogar Monster erledigen. Dann noch der richtige Fahrschein, und wir heben ab und landen unter Palmen. Die anderen sollen zurückbleiben! Bitte.

Die Erwachsenen träumen, die Kinder wachen und beten, üben Vertrauen und Mut und fliegen durch ferne Galaxien. Das Universum ist unterm Küchentisch und fremde Lebensformen sehen aus wie Nachbars Katze. Warp 3. Heimatplanet – wir kommen.

Und draußen vor der Tür lungert die Welt herum. Sie hüllt sich in Krisen, kauert auf der Schwelle. Sie ist heruntergekommen, aber immer noch wunderschön und schickt eine Blaumeise ins Vogelhäuschen auf das Fensterbrett. Flaumfederwunder. Pochendes Herz.

Derweil öffnet das Krippen-Kind in einer anderen Galaxie eine Tür: „All you need is love“, singen Monster, Menschen und Mutanten auf unserem Planeten. „Es ist nicht aufgeräumt“, ruft Gott aus der Küche, „Aber kommt rein, es ist alles bereit.“

 

Es gilt das gesprochene Wort.

03.01.2019
Evamaria Bohle