Morus 14

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„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, hat der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber gesagt. Begegnung ist mehr als ein zufälliges Aufeinandertreffen. Der Funke kann überspringen, wenn ich für den anderen offen bin, ihm auf Augenhöhe entgegenkomme. Erstaunlich, was bei solchen Begegnungen manchmal ins Rollen kommt.

 

Morus 14 in Berlin, Neukölln. Dieses Gemeinschaftshaus liegt mitten im Rollbergviertel, wo sich die Probleme bündeln: Menschen aus 30 Nationen leben hier auf engem Raum zusammen. Über die Hälfte ist angewiesen auf staatliche Transferleistungen. Immer wieder kommt es zu Spannungen und die Polizei muss eingreifen. Das Nachbarschaftsheim spielt hier eine wichtige Rolle, um die Gemeinschaft der Kiezbewohner zu fördern.

 

Zum Beispiel mit dem Projekt: „Der Rollberg tafelt“. Einmal in der Woche kochen Ehrenamtliche für jeden, der kommen mag. Gern essen hier Senioren, z.T. schon seit Jahren. Vor allem, wenn Polizeibeamte aus dem zuständigen Abschnitt 55 kochen. Zweimal im Jahr schwingen das Präventionsteam und ein Mitglied der Führungsgruppe den Kochlöffel. Zuletzt haben sie sich ein spanisches Menü einfallen lassen: Tomaten-Paprikasuppe, Paella und Vanillecreme mit Himbeerspiegel. Das Lob ist auch diesmal überschwenglich. Aber es geht nicht nur um das Essen, sondern auch um Gespräche. Denn hier begegnen sich Polizeibeamte und Bürger einmal anders: „Wir nehmen den Polizei‘dienst‘ wörtlich“, sagt eine Beamtin und serviert das Essen in Uniform.

 

Nach dem Essen nimmt eine der Seniorinnen die Polizeibeamtin beiseite. „Mein Enkel Paul mag nicht mehr zur Schule gehen. Er wird von den anderen Kindern gehänselt. Wissen Sie einen Rat?“ Die Beamtin schlägt vor, zusammen mit dem Kollegen in die Klasse zu gehen; als Präventionsteam gehört das ohnehin zu ihren Aufgaben. Dort kommen sie mit den Kindern ins Gespräch: „Stellt euch einmal vor, man würde euch selbst so behandeln und beschimpfen!“ Die Kinder finden ihre eigenen Lösungen. In der Pause – da sind die Beamten schon wieder weg – kommt ein Kind nach dem anderen zu Paul und entschuldigt sich.

 

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“: Ein wenig Mut gehört dazu, auch Phantasie. Und die Bereitschaft zuzuhören, wenn andere von ihren Sorgen sprechen. Mitunter taucht dann plötzlich eine Idee auf, wie man ein Problem lösen könnte.

Übrigens: Nach dem Besuch des Präventionsteams haben die Hänseleien tatsächlich aufgehört. Paul geht endlich wieder gern zur Schule.

 

 

 

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