Solidarität hilft heilen

Wort zum Tage

Gemeinfrei via unsplash/ Matt Silveira

Solidarität hilft heilen
mit Ulrike Greim
15.07.2022 - 06:20
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Doch, sie haben eine Chance. Alle haben eine Chance, zu heilen und gesund zu werden. Ich möchte das ganz laut aus dem Fenster rufen. Gleich morgens, nachdem ich die Nachrichten gehört habe. Die über den x-ten Missbrauchsskandal. Über die nächste Ermittlung schwerer sexueller Gewalt, wie neulich in Wermelskirchen. Ich brauche keine Details, bitte nicht. Aber doch – zack, sie prägen sich ein. Und ich bin wütend und ohnmächtig und frage mich: Welche Chance haben diese Kinder, auch nur ein halbwegs gesundes Leben zu leben? Erwachsen werden zu können und eine eigene Sexualität zu entwickeln, partnerschaftlich, lustvoll, jenseits aller Gewalt? Haben sie eine Chance, je heil werden zu können? Und nicht gefangen zu bleiben in den Fesseln der Täter wie Gelähmte?

Doch, sie haben eine Chance. Alle haben eine Chance, zu heilen und gesund zu werden. Nämlich dann, wenn wir alle wach und aktiv werden. Jeder nach seinen Möglichkeiten. Jede nach ihren. Selbst dann, wenn wir uns gar nicht für würdig und befugt halten. So, wie der Hauptmann von Kapernaum in der Bibel. Er ist ein hochrangiger Militär. Einer seiner Knechte ist gelähmt. Als Jesus nach Kapernaum kommt, tritt der Hauptmann an ihn heran und sagt: „Zuhause liegt mein Knecht, der ist gelähmt, der leidet große Qualen.“ Jesus will zu ihm. Der Hauptmann sagt: „Ich bin gar nicht würdig, dass du zu mir kommst. Aber bitte sprich nur ein Wort, dann wird er gesund.“ Jesus ist beeindruckt und sagt: „Geh! Es soll dir geschehen, wie du geglaubt hast.“ Und in dem Moment wird sein Knecht gesund.“ (Matthäus 8,13)

Was passiert da? Ich vermute, es ist die unbedingte Solidarität des Hauptmanns, die sofort beim Heilen hilft. Dass hier einer aktiv wird, das Leid sieht, ernst nimmt und Hilfe organisiert. Dass er die Verbindung herstellt, das Opfer nicht allein lässt. Viele Opfer ahnen nicht einmal, dass es Verbindung, dass es sogar Heilung geben kann. Dann ist es Gold wert, wenn ein anderer stellvertretend für sie an Heilung glaubt. Wunder für möglich hält. Das können Polizisten sein, die diese Fälle aufdecken. Leute aus der Familie, die ahnen, dass da etwas schiefläuft und genau hinsehen und nachfragen. Dienstvorgesetzte, Nachbarinnen, Lehrerinnen, Ärzte. Es ist egal, wer, Hauptsache handeln! Wir sind nicht ohnmächtig. Wir können uns einsetzen. Stellvertretend losgehen und Hilfe organisieren, wo immer uns Leid nahekommt. Das ist es, was der Heilung die Tür aufmacht.

Gottes Schutz und Segen wünsche ich allen, die die Täter hinter Gitter bringen. Und viel Rückenwind denen, die den Kindern helfen, einen Weg zu finden und heil zu werden. Und uns allen: Mut, genau hinzuschauen und die Augen und den Mund aufzumachen.

Es gilt das gesprochene Wort.