WG mit Frau Spinne und Herrn Frosch

Wort zum Tage

Gemeinfrei via unsplash/ Fiona Smallwood

WG mit Frau Spinne und Herrn Frosch
von Pfarrerin Britta Kirchner
10.07.2024 - 06:20
20.06.2024
Pfarrerin Britta Kirchner
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Als Kind hatten wir einen Teich im Garten, über den eine kleine Holzbrücke führte. Ich lag stundenlang quer auf der Brücke und blickte ins Wasser. Ließ die Fische an meinen Fingern knabbern. Außer die beiden Karpfen, vor denen hatte ich zu viel Angst. Ich fing die Wasserläufer, beobachtete die Kaulquappen. Irgendwann zogen sogar Molche ein. Heute steht da, wo der Teich war, ein Haus.

Menschen und Tiere leben gemeinsam auf dieser Erde. Und wer hier lebt, braucht einen Platz zum Wohnen. Solange die Tiere dem Menschen nicht lästig werden, wohnen beide harmonisch zusammen. Sonst wird es schwer mit der Wohngemeinschaft. Immer weniger Vögel nisten in Dachgiebeln. Weil Menschen vom Nistmaterial und Kot genervt sind. Viele Häuser sind jetzt so gebaut, dass Tiere dort keinen Platz mehr haben. Klar: Auch ich könnte auf die dicken Hausspinnen verzichten, die immer wieder den Weg über das Efeu vor meinem Fenster in meine Wohnung finden.

Aber steinerne Vorgärten und Vogeldraht sind doch eher Zeichen eines knallharten Nachbarschaftskampfes. „Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“ (1. Mose 2,15) So lautet der biblische Auftrag in der Schöpfungsgeschichte. Den Garten Eden bebauen und bewahren, nicht, ihn mit Beton zukippen.

Es gibt Orte, an denen Menschen versuchen, gute Nachbarn für Tiere zu sein: Mitten im Industriegebiet in der Nähe meiner heutigen Wohnung steht ein Insektenhotel. 1,5 Meter hoch und 2 Meter breit. Viele Wohnungen. Drumherum: ein paar angelegte Beete mit Blumen und Sträuchern, aber eben etwas zu wenige. Das Gras immer kurz gemäht, für Insekten aber nicht gerade optimal So eine Hotelanlage mit akkuratem Rasen würde einigen Menschen gefallen. Aber den Insekten sagt das Hotel und die Umgebung nicht zu. Denn es ist nie ausgebucht. Die Idee war gut, die Umsetzung aber nicht tiergerecht. Kosmetik allein reicht nicht für eine gute Nachbarschaftspflege.

Meine Eltern haben einen neuen Garten angelegt. Ein kleiner Dschungel. Auf jedem Zentimeter blühen bunte Blumen. Im Rosenbogen hängen Meisenknödel. In der Wassertonne wohnen Mückenlarven. In den kleinen Plastikbrunnen ist neuerdings ein Grasfrosch eingezogen. Der wiederum hält die Schneckengroßfamilie in Schach, die sonst hemmungslos über die Pflanzen herfallen würde.

Hier sitze ich wieder wie als Kind auf der Brücke. Ein kleiner Garten Eden. Eine Wohngemeinschaft. So geht das auch.

Es gilt das gesprochene Wort.

20.06.2024
Pfarrerin Britta Kirchner