Und täglich grüßt das Murmeltier

Und täglich grüßt das Murmeltier
Pfarrer Gereon Alter
29.12.2018 23:45

Guten Abend, meine Damen und Herren.

Und täglich grüßt das Murmeltier“ – Gleich kommt er wieder, der Kultfilm aus den 90er-Jahren mit seiner humorvollen Antwort auf die Frage, was denn die Zukunft wohl bringen wird. Werden sich meine Wünsche erfüllen? Wird es was werden mit den erhofften Veränderungen? Oder wird doch wieder alles beim Alten bleiben?

Für Phil Connors, den tragischen Helden des Films, bringt schon der nächste Morgen nichts Neues. Er hängt in einer Zeitschleife fest. Alles wiederholt sich, jeder Tag ist wie der andere. Immer wieder dieselben Abläufe, immer wieder dieselben nervigen Menschen, immer wieder derselbe Job: über den Tag des Murmeltiers in der Provinzstadt Punxsutawney soll er berichten. – Kennen Sie das auch? Alles fühlt sich irgendwie gleich an. Hab ich schon tausendmal so gemacht.

Connors versucht dem täglich grüßenden Murmeltier, diesem nervigen Trott, zunächst dadurch zu entkommen, dass er – bewusst oder unbewusst – einem Rat des berühmten Psychologen Paul Watzlawick folgt: „Mach einen Unterschied, der einen Unterschied macht.“ Mach einfach mal etwas anders als sonst. Denn allein schon dieser kleine Unterschied kann einen Unterschied machen, kann dich wieder lebendiger machen.

Der Geplagte probiert es aus und es klappt! Mal anders aufstehen, mal anders grüßen, mal eine andere Antwort geben als sonst: das fühlt sich schon wesentlich besser an. Aber er merkt auch: damit allein entkomme ich dem täglich grüßenden Murmeltier noch nicht. Also versucht er noch etwas anderes. Etwas, das sich so mancher als Lebensmotto wählt: Lebe den Augenblick! Egal, was morgen ist, egal, was andere von dir erwarten. Sei einfach nur Du und genieß den Moment!

Das ist der Punkt, an dem der Film endgültig zur Komödie wird. Denn unser Held hat die Frauen entdeckt. Und da er ja nicht ans Morgen denken muss, fängt er an mit ihnen zu spielen. Jede Begegnung eine neue Chance. Jeder Flirt ein neues Glück. – Wirklich ein neues Glück? Oder nicht doch wieder das täglich grüßende Murmeltier?

Ein letzter Versuch. Connors vertraut sich einer Freundin an. Und die hilft ihm, das Entscheidende zu lernen: zu lieben! Sich wirklich auf einen anderen Menschen einzulassen. Ihn zu sehen, ihn zu schätzen und ihm Gutes zu wollen. Das ist der entscheidende Schlüssel. Je mehr Connors es lernt zu lieben, umso mehr entkommt er dem täglich grüßenden Murmeltier und umso zufriedener ist er mit seinem Leben.

Es scheint also doch etwas dran zu sein an der alten christlichen Weisheit, dass die Nächstenliebe das Entscheidende ist. Dass die Liebe zum anderen mich befreien und lebendig machen kann. Das Schöne am Film ist: dass er diese alte christliche Weisheit nicht mit erhobenem Zeigefinger verkündet, sondern auf eine sehr humorvolle und leichte Weise. Du musst nicht ein Held der Nächstenliebe sein. Du musst auch nicht immer nur an andere denken. Probier es mit ganz kleinen Schritten in deinem Alltag.

Connors bringt zwei Arbeitskollegen, die ihn am Tag zuvor noch fürchterlich genervt haben, einen Kaffee mit. Mit Milch und Zucker, so wie sie ihn mögen. Und mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht. Das ist eine der berührendsten Szenen des ganzen Films. – Solche Momente wünsche ich Ihnen. Für den morgigen Tag und für das nun bald beginnende neue Jahr. Momente, in denen Sie sich gesehen und geliebt fühlen, und in denen es ihnen gelingt, andere zu lieben.

Und wenn Sie mögen und noch nicht zu müde sind: viel Freude am nun folgenden Film …