Wer wird wann was wo?

Das Wort zum Sonntag

 

Einen guten späten Abend, verehrte Damen und Herren.

 

Wer wird was wann wo?

Für die zu Ende gehenden olympischen Winterspiele ist das relativ einfach zu beantworten: die richtigen Athleten in der richtigen Form zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt – und dann macht’s kling, kling, kling: Gold, Silber, Bronze wie bei den nordischen Kombinierern.

 

In anderen gesellschaftlichen Feldern ist es ein bisschen komplizierter: wenn es um Parteivorsitzende geht, um Generalsekretärinnen und andere Ämter – oder, in der Kirche, um Bischöfe.

In der Politik jedenfalls geht es um Strategien, um persönliche Interessen oder die von Gruppen und Fraktionen. Und selbstredend auch um die öffentliche Wirkung.

 

Manche wenden sich mit Grausen ab; sie empfinden das alles als „Geschacher“. Ich sehe zunächst mal: es geht schlicht um den „Faktor Mensch“. Die Trennung zwischen Inhalt und Person, die da so oft beschworen wird, erscheint mir sehr künstlich. Ein Inhalt, eine politische Meinung oder Entscheidung braucht ein Gesicht, eine Biographie, eine Stimme. Gesellschaftliches Leben hat einen Ort und lebt durch Personen; es findet nicht anonym statt, in einer grauen gesichtslosen Cloud.

 

Wer wird was wann wo?

 

Heute, am 24. Februar, erzählt in die Kirche sehr anschaulich von einer biblischen Personalentscheidung. Heute ist nämlich der Namenstag des heiligen Apostels Matthias. Der ist der Dazugewählte.

Die Geschichte geht so: Von den zwölf Aposteln, die mit Jesus unterwegs gewesen waren, sind nach Ostern noch elf übrig. Judas Iskariot hat sich ja aus dem Kreis verabschiedet.

Die Zahl Zwölf war aber   ein wichtiges Symbol. Wie bei den zwölf Stämmen Israels geht es letztlich um die Menschheitsfamilie. Es konnte nicht einfach bei elf Aposteln bleiben. Und deshalb wählen sie..

Allerdings: kandidieren kann nur, wer Augen- und Ohrenzeuge der Geschichte mit Jesus gewesen ist. Wer seine Predigt gehört hat; wer dabei war, als er Kranke geheilt hat; und – vor allem – wer den Tod Jesu am Kreuz bezeugen kann und seine Auferstehung.

Dann heißt es in der Bibel: „Die Versammelten schlugen zwei Männer vor: Josef, der den Beinamen Justus trug,  und Matthias. Dann beteten sie: »Herr, du kennst die Menschen durch und durch. Zeige uns, welchen von diesen beiden du ausgewählt hast! Judas hat uns verlassen... Wer von ihnen soll an seiner Stelle das Apostelamt übernehmen?«  Sie ließen das Los zwischen den beiden entscheiden und es fiel auf Matthias. Darauf wurde er als Zwölfter in den Kreis der Apostel aufgenommen.“ (Apg 1, 23-26)

 

Eine gute biblische Personalentscheidung. Ich finde sie höchst anregend, wenn ich auf die Personaltableaus unserer Tage schaue: jenseits aller strategischen, persönlichen und öffentlichkeitswirksamen Überlegungen zeigt die Wahl des Matthias, auf was es bei so einer Personalentscheidung wirklich ankommt: was ist der tragende Bezugspunkt -  hier ist es das Leben Jesu und sein Tod und das neue Leben nach Ostern. Wer steht alternativ zur Verfügung -  hier ist es Josef, der Gerechte, genau so qualifiziert wie Matthias. Und schließlich reicht die Entscheidung ja noch weit über die handelnden Personen hinaus; deswegen betet die Gemeinde hier zu Gott.  Weil Gott die Menschen bis ins Innerste kennt und die Wahl auch seine Entscheidung sein soll. Am Ende ist in der Apostel-Geschichte aus der Bibel beides gesichert: erstens der Inhalt der Botschaft – und das – zweitens – auch  dadurch, dass  eine glaubwürdige Person dafür steht.

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

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