Rekordhalterin der Fragezeichen

Rekordhalterin der Fragezeichen
mit Stefanie Schardien aus Fürth
06.03.2021 - 23:50

So, drei Stunden Jubiläumssendung für die Sendung mit der Maus liegen heute Abend hinter uns, Mark Forster hat ein Lied geschrieben und der Bundespräsident hat auch schon gratuliert. Alles Lob, aber jetzt gibt’s mal Klartext, von mir als Pfarrerin:

Maus, es ist nämlich wirklich furchtbar mit Dir. Klingt komisch, ist aber so. Sonntag für Sonntag mühen sich Pfarrerinnen wie ich ab im Gottesdienst mit Himmel, Hoffnung, Tod – DAS sind die großen Fragen. Und da kommst Du – fragst, warum man sich im Löffel falsch rum sieht – und die Kinder schauen DICH. Ich stecke so viel Liebe in diese Stunde Gottesdienst – aber Dir fliegen die Herzen zu. Wenn meine Kinder die Wahl haben: Mit zu Mama in den Gottesdienst oder Sendung mit der Maus…? Na, rate mal! Maus, ich finde Dich…

... phantastisch. Trotzdem. Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, ja, ich bin bekennender Maus-Fan, auch als Pfarrerin. Ich hab sie geschaut, als ich selbst klein war. Jetzt schau ich sie wieder mit meinen Kindern, in der Mediathek. Und wenn es gut läuft – für die Maus und mich – dann sitze ich auch noch mit meinen Enkeln davor.

Aber warum gratuliere ich hier, als Pfarrerin? Der übliche Senioren-Geburtstagsgruß? Nein, es ist etwas Anderes. Etwas Besonderes, was mich als Pfarrerin mit der Maus verbindet. Und das sind die Fragen. Fragen?

Also, wenn ich mich umhöre, im Fernsehen, im Internet, dann gibt es da vor allem eins: Antworten. Nicht zu knapp. Klima, Weltfrieden, Impfausweise, Genderstern. Da prasseln die Antworten nieder.  Und alle – ich lass mich sicher auch mal hinreißen – wir alle meinen, immer die beste Antwort zu haben. Stell ich dagegen mal vor allem Fragen, dann hab ich schnell das Image weg: Naja, hat halt keine Ahnung… Die Maus hält dagegen. Trau dich! Frag! Lustiges: Wie baut sie mit Elefant und Ente aus Kaugummi eine Hängebrücke? Aber mit dem nächsten Augen-Klack-Klack geht es um Fragen, auf die es nicht die eine Antwort gibt:

Wie ist das mit dem Tod? Was ist eigentlich gerecht? Und da, bei diesen großen Fragen treffen sich eben unsere Wege, von Maus und Pfarrerin. Wo wohnt der liebe Gott, fragen Kinder die Maus. Bei mir im Gottesdienst klingt die Frage ganz ähnlich: Hat sich Gott eigentlich in dieser Zeit versteckt? Die Maus und ich, wir haben da den gleichen Ansatz: Solche Fragen erst einmal offen zu halten, statt sie sofort mit Weisheiten zuzukleistern. Erst durch das Fragen kann ich ja überhaupt Neues entdecken. Erst so bekommt mein Horizont Luftlöcher, durch die frischer Wind, wahlweise Heiliger Geist pustet… Wer weiß, ob Gott selbst darum nicht viel weniger „die Antwort“ ist, als „die große Frage“? An mich, an unsere Welt? Was ich von der Maus gelernt hab: Fragen sind Türöffner zur Wahrheit. Stück für Stück komm ich ihr näher. Ob beim Spiegelbild im Löffel oder bei Gott.

Darum also, liebe Maus mit Deinem großen Team, auch vom Wort zum Sonntag:
Gut, dass es Dich gibt! Viel Glück und Gottes Segen zum 50. Geburtstag! Klingt komisch, ist aber so.
Und Ihnen allen, die Sie vielleicht im Herzen mit gratulieren, wünsche ich eine gesegnete Nacht.