Wer einmal lügt....

Wer einmal lügt....
Pfarrer i.R. Alfred Buß
03.12.2016 - 23:35

Dieser Tage hat es selbst meinen Freund Hartmut erwischt. Ganz schnell lässt er sich nicht hinters Licht führen. Jetzt aber schickte er ein Video aus dem Internet und schrieb: „Weiß nicht, ob’s stimmt, aber was Wahres wird schon dran sein.“ Das Video behauptet Bodenloses: Asylbewerber bekommen das Fünffache des deutschen Kindergeldes.

Zu Tausenden werden solche Lügen ins Netz geblasen nach dem Motto: Wird schon was hängenbleiben. Wie bei Hartmut: „Was Wahres wird schon dran sein“.

Hinters Licht führen hat Methode: Man lügt, behauptet Bullshit oder bricht ein Tabu. Auf Twitter oder Facebook gepostet – soll es Menschen verstören, rund um die Welt.

Hier leuchtet das Adventslicht in der Dunkelheit - still, hell und warm. Es will Klarheit bringen in der verworrenen Welt und Menschen zusammenführen, Hoffnung geben und Zuversicht.

Hinters Licht führen geht genau andersherum: Menschen werden ins Dunkle gelockt. Dass sie im Finstern tappen und nicht mehr blicken, was vor sich geht – ja, einander misstrauen.

Der Brexit bringt täglich 350 Millionen Pfund mehr für die britische Gesundheitskasse. So stand’s in fetten Buchstaben auf Boris Johnsons Kampagnenbus. Die Zahl war eine glatte Lüge. Doch heutzutage wird man mit solchen Methoden Außenminister. Ja, sogar amerikanischer Präsident.

Wer andere hinters Licht führt, will seine Interessen durchsetzen – skrupellos. Wie beim Abgasbetrug VW, manche Fifa- Größen, Steuerhinterzieher und viele mehr.

Doch bleiben solche Täuschungen nicht folgenlos. Seit der Bankenkrise 2008 verschärften sich die Abstiegsängste. In der Mitte unserer Gesellschaft. Spürbar schwanden Hilfsbereitschaft, Aufmerksamkeit für andere und das Engagement fürs Gemeinwesen. Hass, Neid und Mißgunst aber nahmen zu.

Hinters Licht führen macht die Welt finster. Eindrücklich vor Augen stellte das der große Clown Oleg Popov. Er starb jetzt, während einer Tournee. Letztes Jahr Weihnachten sah ich ihm zu:

Der Zirkus voller Menschen, die Manege noch dunkel. Ein kleiner Lichtkreis erscheint. Popov kommt zögerlich aus dem Dunkel – weiter Mantel, zu große Schuhe, kleiner Koffer - sucht und findet das Licht. Räkelt sich wohlig darin. Doch schon ist das Licht weg. Der Clown hinterher. Erwischt es, und räkelt sich wieder im Licht. Aber der Lichtfleck entweicht und entweicht. Bis es dem Clown dämmert: Ich werd’ hier hinters Licht geführt.

Kurz denkt er nach -und dreht den Spieß um. Schließlich hat er ein Köfferchen. Er öffnet es und fängt das Licht darin ein. – Jetzt ist es stockdunkel im Rund. Wenn Menschen einander das Licht der Wahrheit klauen, tappen bald alle in Finsternis.

Banges Warten. Was nun? Da öffnet der Clown sein Köfferchen und schüttet das Licht in die Menge. Nun wird es ganz hell und klar im Rund. Freude kommt auf.

Davon kündet das Licht des Advent. Erschienen ist die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes - im Kind von Bethlehem. Gott ruft uns aus der verworrenen Finsternis in sein wahres Licht.