Seit 1986 überträgt das ZDF an jedem Sonntag einen Gottesdienst. In der Regel beginnt die Sendung um 9.30 Uhr und dauert 45 Minuten. Dabei wechseln sich katholische und evangelische Gemeinden ab. Die Gottesdienste werden aus Kirchengemeinden in ganz Deutschland übertragen. Ein- bis zweimal kommen sie aus deutschen Auslandsgemeinden. Zweimal im Jahr gibt es in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Rundfunk (ORF) Übertragungen aus Österreich. Zwei- bis dreimal sind die Fernsehgottesdienste in evangelischen Freikirchen zu Gast.

Im Durchschnitt eines Jahres sind es etwa 800.000 Zuschauer pro Sendung, die einen evangelischen Gottesdienst im ZDF miterleben. An manchen Sonntagen erreicht der ZDF-Fernsehgottesdienst aber auch viel mehr Menschen. Insbesondere in den Wintermonaten erleben annähernd so viele Zuschauer einen Gottesdienst über den Bildschirm wie deutschlandweit in eine evangelische Kirche gehen.

 

Das Angebot

Rechtliche Grundlagen

Von der Recherche zur Live-Sendung

Die Macher

Die kirchlichen ZDF-Senderbeauftragten

Die Redaktion

Das Übertragungsteam

Die Gemeinde

Das Angebot

Die Evangelische Kirche in Deutschland bietet mit der Übertragung ein leicht zugängliches Angebot christlicher Verkündigung im Fernsehen. Dabei versteht sich der Fernsehgottesdienst nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den Gottesdiensten, die Sonntag für Sonntag in den Gemeinden stattfinden. Für manche Ältere oder Kranke ist dies eine Chance, überhaupt an einem Gottesdienst teilzuhaben. Aber das Fernsehen erreicht darüber hinaus auch zahlreiche Menschen, die den Kontakt zu ihrer Ortsgemeinde verloren haben. Manche genießen es, den Sonntagvormittag einmal ruhiger anzugehen und mit einer Tasse Kaffee vor dem Bildschirm zu sitzen. Andere zünden zuhause eine Kerze an, schlagen das Gesangbuch auf und verstehen sich nicht als Zuschauer, sondern als Mitfeiernde. Sie alle möchte die evangelische Kirche erreichen.

Die christliche Botschaft soll auch im Fernsehgottesdienst lebensnah, verständlich und ermutigend zum Ausdruck kommen. Es soll erfahrbar werden, welche ethische Orientierungskraft und welch großen spirituellen Reichtum der christliche Glaube bereit hält. Zugleich soll sichtbar werden, wie nah die evangelische Kirche bei den Menschen ist und sich den aktuellen Themen der Zeit, von den Umweltfragen bis zum Schutz des Lebens an seinem Anfang und seinem Ende, stellt. Darum werden neben Gemeindegottesdiensten auch Gottesdienste aus besonderen kirchlichen Arbeitsbereichen übertragen, zum Beispiel aus der Polizei- oder Militärseelsorge, aus dem Krankenhaus oder einem Gefängnis. Die Gottesdienste wollen Herz und Verstand erreichen und Impulse für das alltägliche Leben geben.

Rechtliche Grundlagen

Die rechtliche Grundlage für die Übertragung setzt der ZDF-Staatsvertrag, der den Kirchen angemessene Sendezeiten gewährt. Daher werden die liturgische und inhaltliche Gestaltung der Gottesdienstübertragungen auch von den Kirchen selbst verantwortet. Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) trägt diese Verantwortung der Medienbeauftragte des Rates der EKD, Markus Bräuer, der zugleich von der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) beauftragt worden ist. Das ZDF behält dabei die rundfunkrechtliche und technische Verantwortung.

Die Auswahl der Gottesdienstorte wird von den beiden ZDF-Senderbeauftragten, Pfarrerin Elke Rudloff und Pfarrer Stephan Fritz, übernommen, die im Team des Medienbeauftragten arbeiten. Sie begleiten die Gottesdienstvorbereitungen, entwickeln mit den Kirchengemeinden die Konzeption und verantworten so den Fernsehgottesdienst. Auch für die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) wird diese Aufgabe wahrgenommen.

Das ZDF kommt mit der Übertragung der Fernsehgottesdienste seinem Auftrag als öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt nach. Spürbar ist aber auch, wie viel dem Sender von der Intendanz bis zur Redaktion "Kirche und Leben“ an den Gottesdiensten liegt. Das ZDF trägt, wie im Rundfunkstaatsvertragvereinbart, die gesamten Produktionskosten.

Von der Recherche zur Live-Sendung

Wenn am Sonntagmorgen im Fernsehgottesdienst die Glocken läuten, liegt bereits ein langer Weg hinter der gastgebenden Gemeinde. Denn die Vorbereitung eines Fernsehgottesdienstes erstreckt sich zumeist über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr. Den Anfang machen die Senderbeauftragten der Evangelischen Kirche, indem sie gezielt nach geeigneten Gemeinden suchen.

Dabei gibt es eine Vielzahl von Aspekten zu bedenken, die für einen Fernsehgottesdienst beachtet werden müssen. Einige davon liegen auf der Hand: Ist die Kirche optisch so interessant, dass sie den Zuschauer bindet? Genügt sie den technischen Anforderungen von den Lichtverhältnissen angefangen über die Kamerastellplätze bis zur Anfahrt der großen ZDF-Übertragungswagen? Ist die Orgel in gutem Zustand oder hat der Chor der Gemeinde das entsprechende Niveau? Hat die Gemeinde Themen im Blick, die für eine deutschlandweite Fernsehgemeinde interessant sind? Ist sie dazu bereit und in der Lage, sich den besonderen Anforderungen eines Fernsehgottesdienstes zu stellen und sich in der Vorbereitung auch für eine fernsehgerechte Umsetzung beraten zu lassen? Die Senderbeauftragten achten auch auf eine angemessene regionale Verteilung und behalten im Blick, ob die geplante Übertragung nicht das festgelegte Budget für einen Fernsehgottesdienstes übersteigen wird.

Wenn ein Jahresprogramm vom Rat der EKD sowie Redaktion und Produktion des ZDF bestätigt worden ist, beginnt der Vorbereitungsprozess in den Gemeinden. Dabei ist die inhaltliche Ausrichtung des Gottesdienstes zu entwickeln. Die Senderbeauftragten und die Gemeinde diskutieren und proben ihre Überlegungen, noch ehe ein Drehbuch entsteht, das die Grundlage für die Mitwirkenden und das ZDF-Team bei der Übertragung bildet.

Parallel läuft die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an. Mit dem ZDF wird die technische und personelle Ausstattung für die Übertragung geplant. Die Zuschauerberatung fragt 15 Telefonseelsorger an, die nach dem Ende des Gottesdienstes die Anrufe der Zuschauer entgegen nehmen, und entsprechend vorbereitet sein müssen.

Das Wochenende der Übertragung beginnt freitags mit der Anreise der Übertragungswagen und dem Aufbau der Licht-, Ton- und Kameratechnik in der Kirche. Etwa 25 Mitarbeiter des ZDF sind im Einsatz, wenn am Samstag Voraufzeichnungen, Ton- und Kameraproben ebenso wie eine Generalprobe stattfinden. Erst dann ist alles bereit, damit es am Sonntag wieder heißen kann: Willkommen zum Fernsehgottesdienst!

Die Macher

Eine erfolgreiche ZDF-Gottesdienstübertragung erfordert viel Kompetenz. Es braucht in gleichem Maße theologische wie liturgische, journalistische wie dramaturgische Kenntnisse. Aber auch bild- und tontechnische sowie musikalische und organisatorische Fähigkeiten müssen vorhanden sein. Viele Gaben in einem Geist sind am Werke.

Die kirchlichen ZDF-Senderbeauftragten

Die beiden ZDF-Senderbeauftragten verfügen selbst über langjährige Erfahrungen als Gemeindepfarrerin und Gemeindepfarrer. Sie verstehen sich als Mittler zwischen der Kirchengemeinde, dem ZDF und den Zuschauern. Sie wählen eine geeignete Gemeinde aus, die dann der Redaktion vorgeschlagen wird. Sie bauen eine Vertrauensbasis zwischen dem Vorbereitungskreis in der Gemeinde und dem ZDF-Team auf und vermitteln die fernsehtechnische Vorbereitung des Gottesdienstes. Oft begleiten sie ein ganzes Jahr lang die Gemeinde.

Die Senderbeauftragten tragen auch die inhaltliche und redaktionelle Verantwortung für die Konzeption des Gottesdienstes, von seiner Liturgie bis hin zur Predigt. In Zusammenarbeit mit der zuständigen ZDF-Redaktion "Kirche und Leben“ und mit den Verantwortlichen für die Produktion sowie der Gemeinde kümmern sie sich um eine reibungslose Organisation. Dazu gehört es, Protokolle über bisherige Absprachen weiterzugeben, Ablaufpläne zu erstellen, technische Unterlagen, Drehbücher, Pressemitteilungen und Informationen für das Internet und die Zuschauerberatung bereitzustellen. Die kirchlichen Senderbeauftragten begleiten auch die Nacharbeit in den Gemeinden, beantworten Manuskriptwünsche und andere Anfragen.

Die Redaktion

Die evangelische ZDF-Redaktion „Kirche und Leben“ trägt die rundfunkrechtliche Verantwortung und bringt die fachliche Kompetenz für die fernsehgerechte Übertragung des Gottesdienstes ein. Sie arbeitet mit den Senderbeauftragten kontinuierlich zusammen und sorgt für eine Qualität, wie sie anderen Sendungen vergleichbar ist. Die Redaktion berät die Senderbeauftragten auch bei der Auswahl der Übertragungsorte und setzt sich nötigenfalls für eine verbesserte technische oder finanzielle Ausstattung aufseiten des Senders ein. Sie gestaltet Vorfilme und Zuspielbilder für die Gottesdienstübertragung, die einen informativen Einblick in die Lebenswelt und das Engagement der Gemeinde, die Geschichte des Ortes oder der Kirche vermitteln.

Das Übertragungsteam

Nachdem bei einer technischen Vorbesichtigung der Bedarf an Lampen, Mikrofonen und Kabeln, Podesten und Kameras geprüft worden ist, sind bis zu 30 Mitarbeiter des ZDF, in der Regel von Freitagmorgen bis Sonntagmittag, am Ort des Fernsehgottesdienstes und bauen die Technik für eine Live-Übertragung auf. Große ZDF-Lastzüge transportieren die Ausstattung für Licht und Ton ebenso wie für die Bild- und Übertragungstechnik. Ein digitaler Satellitenübertragungswagen übermittelt das Sendesignal live an die Sendezentrale in Mainz.

Die Gemeinde

Die Übertragung eines Gottesdienstes bringt viel Spannung mit sich. Der Erfolg steht und fällt mit dem Engagement des Pfarrers und Kantors oder der Pfarrerin und der Kantorin, den beteiligten Gemeindegliedern und Vorbereitungsgruppen. Wenn die Mitwirkenden zum ersten Mal vor einer Fernsehkamera stehen, ist dem ein langer Vorbereitungsprozess mit zahlreichen Proben vorausgegangen. Auch nach der Übertragung des Gottesdienstes geht die Arbeit weiter: Manches Pfarramt erhält nach dem Fernsehgottesdienst zahlreiche Anrufe und Zuschauerbriefe, die beantwortet werden wollen.