Gemeinfrei via Fundus/ Jeanette Fritz
Godspeed
Segen in Alltagsworten
08.06.2026 06:20

Was sagt man, wenn man dem anderen noch mehr wünschen will als Glück? Dafür gibt es kleine Wörter, die Großes ausdrücken.

Sendetext:

Godspeed. Immer wieder kreuzt dieses Wort in letzter Zeit meinen Weg: Godspeed. Aufgeschnappt habe ich es in einem Popsong von Camila Cabello. Kurz darauf tauchte es in einem Podcast auf. Und schließlich fiel das Wort in einem Interview mit einer Hollywood-Schauspielerin. Sie erzählte von Umbrüchen – neuen Wegen im Beruf, privaten Veränderungen. Die Moderatorin verabschiedete sie mit einem einzigen Wort: "Godspeed."

Was soll das heißen?

Mein erster simpler Gedanke: irgendetwas mit Gott und Geschwindigkeit. Göttliches Tempo vielleicht? So richtig Sinn hat das nicht ergeben. Nun weiß ich: Das Wort stammt vom mittelenglischen God spede und bedeutet wörtlich: "Gott lasse gedeihen". Im heutigen Sprachgebrauch heißt es so viel wie "Alles Gute!", "Mach‘s gut!" oder "Gute Reise!".

Mir gefällt das Wort. Vielleicht auch, weil ich beim ersten Hören sofort an Gott gedacht habe. Dann ist es eben nicht nur ein guter Wunsch. Es ist mehr. Es ist ein Segenswunsch. Einer, der nicht nur Glück wünscht, sondern Begleitung. Schutz.

Solche Worte gibt es auch im Deutschen. Lange und kurze. Moderne und sehr alte. Zu den alten, fast schon vergessenen gehört "Gott befohlen". Ein Ausdruck, der aus der Zeit gefallen scheint – und doch trägt er so viel in sich. Ich sage ihn selten. Aber er hat Kraft. Jemanden Gott anbefehlen heißt, ihn in gute Hände legen. Wenn ich sage "Gott befohlen", dann drücke ich damit aus: Pass auf dich auf – und Gott möge es auch tun. Es ist wie ein doppelter Boden unter deinen nächsten Schritten.

Ein Segenswunsch in Alltagswörtern. Das ist auch das französische "Adieu" – wörtlich "zu Gott" -  oder das bayerische "Grüß Gott". Ich liebe diese Ausdrücke. In ihnen hat in sprachlicher Form überlebt, was vielen Christinnen und Christen am Herzen liegt: Segen.

Einander zusprechen: Gott behüte dich. Vor einer Prüfung. Im neuen Lebensjahr. An einem ganz normalen Montag.

In jedem Gottesdienst geschieht das: Am Ende wird der Segen gesprochen. Und dann gehen alle wieder auseinander – mit diesem Zuspruch im Rücken. Die Wege trennen sich, die Woche beginnt. Aber niemand geht allein.

Ich glaube, Gottes Segen kann man gar nicht oft genug weitergeben. Manchmal braucht es keinen langen Satz. Kein großes Ritual. Manchmal genügt so ein Wunsch. Ein stilles Gebet, das mitgeht, wenn sich die Wege wieder trennen.

Oder ein einziges Wort: Godspeed. Gott befohlen.

Es gilt das gesprochene Wort.

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