Gemeinfrei via Fundus/ Lutz Neumeier
Gefahrengemeinschaft
Der Alltag der Polizei ist riskant
03.09.2026 06:20

Wer als Polizistin oder Polizist die Dienstschicht beginnt, weiß nie, was passieren wird. Was brauchen sie, um mit der ständigen Gefahr umzugehen?

Sendetext:

Als Pfarrerin für Polizistinnen und Polizisten habe ich gelernt: Die Polizei ist eine "Gefahrengemeinschaft". Damit ist gemeint: Es gibt eine besondere Verbundenheit durch das gemeinsame Berufsrisiko. Denn der Dienst ist herausfordernd und gefährlich.

Im Ernstfall schützen Polizistinnen und Polizisten unsere Verfassung, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung mit ihrem eigenen Leben. Sie erleben oft Gewalt, auch gegen sie selbst. Letztes Jahr waren in Berlin fast 10.000 Polizistinnen und Polizisten von Gewalt betroffen. Das ist mehr als jede zweite Polizeidienstkraft in dieser Stadt.

Am Anfang einer ganz normalen Dienstschicht weiß eine Polizistin, ein Polizist nie genau, was passieren wird. Einsätze können in wenigen Augenblicken eskalieren. Jede Schicht ist mit einem Risiko verbunden. Da braucht es viel Vertrauen in diejenigen, die miteinander unterwegs sind. Es braucht dieses besondere Zusammengehörigkeitsgefühl. Notwendig ist auch immer die Reflexion darüber. Damit es nicht in Abschottung und falsch verstandenen Korpsgeist umschlägt.

Im September wird der Tag des Erzengels Michael gefeiert. Er gilt als Schutzpatron der Polizistinnen und Polizisten. Auf alten Bildern ist Michael oft als Kämpfer zu sehen, der sich dem Chaos und Bösen entgegenstellt. Sein Name bedeutet übersetzt: "Wer ist wie Gott?" Es ist eine Frage. Eine Mahnung: Niemand von uns Menschen ist wie Gott. Über allen, die Recht durchsetzen und gegen Recht verstoßen, steht noch eine höhere Macht. Und gerade die, die viel Verantwortung tragen wie die Polizistinnen und Polizisten, müssen verhältnismäßig handeln.

"Wer ist wie Gott?" Der Name Michael ist auch eine Erinnerung daran: Du kannst und musst die Welt nicht allein retten. Neben Mut und Einsatzbereitschaft gehört auch die Bitte um Schutz dazu. Jeder Polizist, jede Polizistin möchte am Ende des Dienstes lebendig und gesund nach Hause kommen. Zur eigenen Familie, den Freunden und Angehörigen.

Manchmal wirken Polizistinnen und Polizisten selbst wie Michael: Engel und Krieger, zwiegespalten. Sie retten, schützen, helfen, gehen dorthin, wo es wehtut. Und sie sind vielen Vorurteilen und Anfeindungen ausgesetzt. Jede Polizistin, jeder Polizist kämpft auch für sich selbst. Oft, so höre ich es, wünschen sie sich mehr Rückhalt. Denn ihr Dienst ist gefährlich, lebensgefährlich. Es ist ein Dienst für die Gemeinschaft. Für unser Zusammenleben. Stellvertretend wie Erzengel Michael.

Es gilt das gesprochene Wort.

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