"Was war deine letzte Verwendung?", wurde unsere Autorin gefragt, als sie als Polizeiseelsorgerin angefangen hat. Komische Formulierung. Aber man kann viel entdecken, wenn man sich auf den Sprech anderer einlässt.
Sendetext:
Jede Organisation hat ihre eigene Sprache. Das fällt mir als Polizei-Seelsorgerin immer wieder auf. Die Polizei liebt Abkürzungen: Der Einsatzwagen heißt "EWa". Eine Ordnungswidrigkeit wird zur "OWi", "Häusliche Gewalt" zu "hG", "Gefährliche Körperverletzung" zu "GefKV".
Und dann gibt es noch ein ganz eigenes Vokabular, an das ich mich erst gewöhnen musste. "Was war deine letzte Verwendung?", wurde ich am Anfang gefragt.
Gemeint ist: Was hast du vorher gemacht, welche Stellen hast du gehabt? Das Wort "Verwendung" klang in meinen Ohren fremd: Ich bin doch kein Gegenstand, habe ich gedacht. Das ist mir zu passiv, zu hierarchisch. Wo bleibt da meine Freiheit?
Als Seelsorgerin ist es wichtig, die Sprache derjenigen zu sprechen, für die ich zuständig bin. Ich denke an den Reformator Martin Luther, der das so gesagt und selber praktiziert hat. Ein bisschen derb hat er geschrieben: "Schaut dem Volk aufs Maul!" Und meint damit: Lernt, die Sprache der Menschen um euch herum zu verstehen. Damit ihr die richtigen Worte findet, um von Gottes Liebe zu erzählen. Und eurem Gegenüber auf Augenhöhe begegnet.
Luther hat das geschafft mit seiner Bibel-Übersetzung ins Deutsche. Sie ist sprachgewaltig und von zeitloser Schönheit. Dennoch klingt manches an ihr fremd in heutigen Ohren. Das "Dem Volk aufs Maul Schauen" geht weiter. Oft bete ich zu Gott: Schenk mir die passenden Worte. Damit deine Botschaft bei den Menschen ankommt.
Sprache funktioniert über Bilder. Von Gott zu erzählen heißt: Bilder malen. Bilder, die verstanden werden, alltagsnah und zugänglich. Bilder, die weiterführen. Weil Gott auch immer größer und anders und fremd bleibt.
Es gilt das gesprochene Wort.
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