Gemeinfrei via Fundus/ Hans-Georg Vorndran
Menschen in Uniform
Wie Polizisten ihre Seele trainieren
15.05.2026 06:20

Unsere Autorin ist Polizeiseelsorgerin. Sie begleitet angehende Polizist:innen. Was brauchen die, um ihren Dienst gut erfüllen zu können?

Sendetext:

Zweimal im Jahr werden in Berlin die Anwärterinnen und Anwärter für den Polizeidienst vereidigt. 650 Frauen und Männer sprechen dann in der Philharmonie die Eidesformel. Sie verpflichten sich, ihren Dienst getreu der Verfassung zum Wohle der Allgemeinheit gewissenhaft zu erfüllen.

Die angehenden Polizistinnen und Polizisten werden herausfordernde Einsätze erleben. Ob bei der Kriminalpolizei oder der Schutzpolizei: Sie werden gerufen zu Situationen voller Gewalt und Leid. Sie schauen in persönliche und gesellschaftliche Abgründe und werden sogar mit dem Tod konfrontiert.

Die Erwartungen an Polizistinnen und Polizisten sind hoch. Zu Recht. Aber sie sind keine Erfüllungs-Roboter. Sie sind Menschen. Menschen in Uniform. Sie sollen helfen, schützen und für Gerechtigkeit sorgen. Sie wenden Gewalt an, um größere Gewalt zu verhindern. Sie machen Fehler. Sie kommen in ethische Dilemmata. Sie müssen verkraften, was sie erleben.

Ich bin evangelische Polizeiseelsorgerin. Wo ich den jungen Polizistinnen und Polizisten begegne, bitte ich sie: Trainiert nicht nur euren Körper! Trainiert auch eure Seele! Die braucht genauso Kraftsport, Liebe und Ausdauer. Damit ihr gesund bleibt an Leib und Seele in eurem enorm wichtigen Dienst, aber auch für euch selbst.

Kraftsport für die Seele heißt: Die persönlichen Ressourcen und Kraftquellen stärken. Methoden der Stressbewältigung einüben. Über eigene Werte nachdenken. Liebevoll und achtsam mit sich selbst sein. Spiritualität nähren. All dies kann helfen für die große Aufgabe.

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." Der Artikel 1 des Grundgesetzes ist das Wichtigste beim Polizeidienst. Die Würde des Menschen "zu schützen und zu wahren, ist Aufgabe aller staatlichen Gewalt".

Was bedeutet das konkret? Davon berichtet ein erfahrener Ermittler im Bereich "Sexuelle Gewalt gegen Minderjährige". Er sagt: Es ist ein Perspektivwechsel, den er hinbekommen muss, wenn er einen Tatverdächtigen vernimmt. Damit er ihn zu einem Geständnis bewegen kann, muss er sein Vertrauen gewinnen.

Er muss die Menschenwürde auch des mutmaßlichen Täters wahren. Nur so kann am Ende das Opfer Gerechtigkeit erfahren.

Als Christin glaube ich: Die Würde des Menschen, unsere Würde kommt von Gott. In einem Psalm steht: Du, Gott, krönst die Menschen "mit Würde und Glanz". (Psalm 8)

Gott gibt jedem Menschen Würde. Wie eine unsichtbare Krone, unantastbar. Ich bin froh, dass der erste Artikel unseres Grundgesetzes uns mahnt, das nie zu vergessen. Polizistinnen und Polizisten stellen sich in den Dienst, diese Menschenwürde, so verborgen sie auch sein mag, zu schützen und zu wahren. Und dafür mit ihrem Leben und ihrer Seele einzutreten.

Es gilt das gesprochene Wort.

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