Gemeinfrei via Fundus/ Birgit Arndt
Friedenswege
Wie man nach einem Streit wieder zueinanderfindet
23.06.2026 06:20

Eine Kollegin hat unsere Autorin enttäuscht und verletzt. Jahrelang haben die beiden nicht miteinander gesprochen. Eine Begegnung ändert alles.

Sendetext:

"Selig, die Frieden stiften - sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden." (Matthäus 5,9)

Das sagt Jesus in der Bergpredigt. Wie schwer das ist, mich um Frieden zu bemühen, und wie groß der Segen ist, wenn mir das gelingt, habe ich vor einigen Jahren erlebt. Da hatte eine Kollegin mich verletzt. Sie hatte aus einem vertraulichen Gespräch Dinge öffentlich herausposaunt und mir damit sehr geschadet. Ich war enttäuscht, verletzt, hilflos und zornig. Wir haben mehrere Jahre nicht miteinander geredet. Wenn ich ihr begegnet bin oder auch nur ihren Namen gehört habe, tat die Wunde wieder weh. Die Kollegin war mir wichtig gewesen.

Dann gab es in ihrem Arbeitsbereich ein großes Fest. Wie sollte ich mich verhalten? Mein erster Impuls: nicht hingehen! So kann ich meinen Stolz bewahren und es ihr und allen zeigen. Was eigentlich? Wie sehr sie mich getroffen hat? Dass mir Unrecht geschehen war? Wer nah genug dran war, wusste das. Was hätte ich also gewonnen?

Ich habe also allen Mut zusammengenommen und bin mit einem Geschenk zu dem Fest gegangen und erlebte Überraschendes. Sie sah mich kommen, schaute erst ungläubig und strahlte dann über das ganze Gesicht.

Als ich vor ihr stand und ihr meine gut vorbereiteten freundlichen Worte gesagt habe, entspannten wir uns beide. "Wie schön, dass du gekommen bist!" Wir haben uns umarmt und spürten, wie das, was zwischen uns stand, sich auflösen konnte. Nein, sie hat sich nicht entschuldigt, nicht mit Worten, wohl aber mit ihrer Geste.

Wir haben nie wieder über das gesprochen, was geschehen ist. Aber seit diesem Tag hatten wir ein freundlich-kollegiales Miteinander, haben miteinander geredet, wertschätzend übereinander gesprochen, uns an den Erfolgen der anderen gefreut und einander Mut gemacht, wenn es Schwierigkeiten gab. Unser Leben wurde reicher und entspannter.

Frieden schaffen, das kann auch heißen, die Vergangenheit abzuschließen. Wir können sie nicht zurückholen. Ich weiß: In meinem Fall hatte Gott längst aus den Konsequenzen ihres Tuns für mich Gutes werden lassen. Die Wunde war geheilt. Meine Vorsicht blieb. Vergeben heißt eben nicht Vergessen, und Versöhnung gelingt nur, wenn beide Seiten dazu bereit sind.

Selig sind, die Frieden stiften. Das kann heißen: Vergangenes ruhen lassen, einander eine neue Chance geben und das Hier und Jetzt gestalten. Wo das gelingt, ist es ein Wunder, das Gott schenkt und das wir Menschen wagen müssen.

Es gilt das gesprochene Wort.

Feedback zur Sendung? Hier geht's zur Umfrage!