Was macht Geräusche zu Lärm? Ist Stille nur beruhigend oder auch bedrohlich? Eine Nacherzählung der Noah-Geschichte macht unsere Autorin aufmerksam auf den Klang der Arche.
Sendetext:
Ich sammle Bibelgeschichten. Nicht nur solche, die in den unterschiedlichen Bibelausgaben stehen, sondern auch Nacherzählungen, die von der Heiligen Schrift inspiriert sind. Denn Nacherzählungen ziehen mich in die Handlung hinein. Sie ermöglichen mir einen Zugang, den ich alleine gar nicht finden könnte. Zum Beispiel wenn sie detailliert die Stimmung beschreiben. Die Erzählung "Ein Schiffhaus voller Tiere" dringt mir direkt in die Ohren. Sie steht in der Geschichtensammlung "Alle-Kinder-Bibel" und erzählt Noahs Schicksal ohrenbetäubend. Gott trägt Noah auf, die Arche zu bauen, in der seine Familie und von jeder Tierart ein Paar die Sintflut überleben.
Ein Schiffhaus voller Tiere. Die Nacherzählung stellt sich vor, wie laut es gewesen sein, wenn all diese Tiere erscheinen:
"Es pfiff und flatterte, wieherte und knatterte,
muhte und miaute, schuute und radaute,
trompetete und zischte, zwitscherte und wischte,
quakte und keckerte, gackerte und meckerte,
bellte und ächzte, gellte und krächzte,
kreischte und brummte, brüllte und summte,
knurrte und fiepte grunzte und piepte." (Andrea Karimé: Alle Kinder Bibel, Neukirchner 62024, S. 28.)
Ich habe mir noch nie bewusst gemacht, wie die Arche klingt. Wenn so viele Tiere zusammenkommen, entsteht ein Geräuschegewirr. Ein Konzert, ein Klangteppich. Und dazu kommt noch der Regen, der auf das Dach der Arche prasselt, die Wellen, die gegen ihren Bug schlagen.
Anstrengend laut stelle ich mir die Arche vor, seitdem ich diese Nacherzählung gelesen habe. Seitdem kann ich das nicht mehr überhören. Die Erzählung beschreibt weiter: "Es regnete vierzig Tage und Nächte lang. Dann wurde mit einem Mal alles ruhig. Und hell. Der Regen hatte aufgehört." (ebd. S. 30)
Wenige Worte nutzt diese Erzählung, um einen großen Effekt zu erzielen: Dem Lärm in der Arche steht die Ruhe entgegen, wenn es endlich aufhört zu regnen.
Und ich denke nach über Geräusche: Wann werden sie zu Lärm? Wann stressen sie mich und rühren mich körperlich an? Welchen Effekt hat Stille? Ist sie immer beruhigend oder hat sie auch etwas Bedrohliches? Wie unsicher macht es, wenn ich nicht hören kann, was vor mir liegt? Ist Gott in jedem aufgeregten Geräusch, das eines der Tiere macht? Ist Gott in der Stille nach dem Sturm? Oder finde ich ihn in beidem?
Darum lasse ich mich gerne von Nacherzählungen in die Bibel hineinziehen. Weil sie mir eine weitere Dimension erschließen. Ich lerne etwas über Stille und Lärm und meine Gefühle mit ihnen und mit Gott.
Es gilt das gesprochene Wort.