Fehler einräumen. Das eigene Verhalten überprüfen und verändern. Vielen Menschen ist das peinlich. Kinder hingegen haben kein Problem damit, hinzufallen, aufzustehen und weiterzugehen. Wie behält man Spaß am Lernen?
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Von vielem, was mein einjähriger Sohn macht, lasse ich mich inspirieren. Ich finde es zum Beispiel faszinierend, wie gern er etwas lernt. Fast jeder Tag ist für ihn eine aufregende Expedition. Alles, was er an sich ändert, wirkt wie ein kleiner Triumph. Von heute auf morgen hat er angefangen zu laufen. Wie stolz er seine ersten Schritte gemacht hat. Eines Tages nahm er einfach den Löffel in die Hand. Mit den Fingern essen hält er seitdem für zweitrangig. Was er neu lernt, das macht ihm unbändige Freude.
Ich nehme an, ich war in seinem Alter auch so. Aber irgendwann habe ich die Freude am Dazulernen verloren.
Wenn ich heute entdecke, dass ich mein Verhalten oder eine Einstellung besser ändern sollte, dann ist mir das hochpeinlich. Mir wird ganz heiß, ich spüre die Röte in meine Wangen schießen. Ich fühle mich ertappt, ungenügend, als hätte ich etwas übersehen.
Aber mein kleiner Sohn lässt mich überlegen: Ist das wirklich die einzig mögliche Sicht auf Fehler?
Was wäre, wenn ich mich nicht schämen, sondern darüber freuen könnte, wenn ich etwas dazulerne?
Ist es nicht vollkommen in Ordnung, Fehler zu machen?
Die Jüngerinnen und Jünger Jesu sind Weltmeister im Fehlermachen. Ständig weist Jesus sie auf etwas hin oder führt ihnen eine Fehlannahme vor Augen und korrigiert sie.
Zum Beispiel, als kleine Kinder zu Jesus wollen, um seinen Segen zu bekommen. Da halten die Jünger sie ab. Warum genau sie das tun, wird nicht verraten, nur, dass Jesus es vollkommen anders will. In der Bibel steht:
"Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm, dass er sie anrühren sollte. Als das aber die Jünger sahen, fuhren sie sie an. Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen." (Lukas 18,15-15; Matthäus 19,13-15; Markus 10,13-16)
Wie haben sich die Jünger gefühlt, nachdem Jesus sie so zurückgewiesen hat? Haben sie sich geschämt? Sie hätten es sich ja selbst denken können, wie wichtig Kinder sind? Oder haben sie sich gefreut? Sie haben schließlich etwas über das Reich Gottes gelernt, das sie vorher nicht wussten.
Ich stelle mir vor, wie Jesus ganz ruhig zu ihnen spricht. Er teilt mit ihnen einen Schatz. Ich wünsche ihnen, dass sie sich gefreut haben. Ich wünsche ihnen, dass sie ihre falschen Annahmen und ihre Verhaltenspatzer lieben gelernt haben. Denn sie bringen sie weiter.
Und ich wünsche mir, dass ich Fehler wie kleine Triumphe feiere. Sie bringen mich weiter.
Es gilt das gesprochene Wort.
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