Unsere Autorin geht gerne im Kiessee in der Nähe ihres Wohnortes schwimmen. Das erfrischt nicht nur den Körper. Es hat ihr in Zeiten von Einsamkeit und Verzweiflung geholfen
Sendetext:
Morgens am Kiessee am Stadtrand von Dresden: Vögel zwitschern, ein Kuckuck ruft. Ich stehe am Ufer, das türkisgrüne Wasser liegt vor mir. Auf dem Grund sehe ich Sand, ein paar bunte Kiesel, zwei Muscheln. Da schwimmt ein kleiner Fisch. Langsam gehe ich hinein, benetze mich mit dem klaren Wasser. Die Tropfen glitzern. Noch sehe ich meine Füße, aber schnell wird es tiefer. Der sandige Boden verschwindet: Ich stoße mich ab und gleite schwerelos.
Tief atme ich ein. Wie riecht frisches Wasser? Rein, belebend, kühl, klar. Dieser Duft ist unübertroffen. Der Geruch gewaschener und im Freien getrockneter Wäsche kommt da vielleicht noch heran. Hier aber bin ich ohne Kleidung, nur umgeben von frischem Nass und schwimme. Es belebt meine Haut, meinen Körper. Eine Schwalbe fliegt tief über dem Wasser. Dahinten lassen sich ein paar Graugänse treiben. Von weitem höre ich noch den Kuckuck. Eine leichte Brise schmeichelt der Seeoberfläche. Sie kräuselt sich.
Typischer "Wassergeruch" entsteht meist durch Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen oder Pflanzen. In einem sauberen Gewässer mit gutem Ökosystem ist dieser Effekt kaum zu spüren – deshalb habe ich diesen reinen, klaren Eindruck.
Nach 20 Minuten schwimmen betrete ich das Ufer, herrlich erfrischt. Zugleich breitet sich Wärme von innen aus. Fast wie neugeboren fühle ich mich.
Im Psalm 23 steht: "Der Herr führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele."
Viele ältere Menschen haben den Psalm 23 im Konfirmandenunterricht auswendig gelernt. Auch heute noch lernen ihn viele Jugendliche in der Kirche. Gott führet mich zu frischem Wasser. Er erquicket meine Seele. Diese Verse fallen mir ein, hier am Kiessee. Ja, erquickt fühle ich mich, innen wie außen. Das hebräische Wort für "erquicken" (רָפָה, rafah) bedeutet auch "stärken", "heil machen".
Gott stillt nicht nur körperlichen Durst, sondern heilt die müde, dürstende Seele. Ich habe das erlebt, nicht nur an diesem Tag: Auch vor einigen Jahren, in Zeiten der Einsamkeit und Verzweiflung, kam ich morgens hierher zum Schwimmen. Das klare Wasser hat mich abgelenkt, erfrischt und gestärkt.
Haben Sie einen solchen Ort, der die Seele erquickt und neu atmen lässt? Besuchen Sie ihn so oft wie möglich!
Es gilt das gesprochene Wort.
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