Gemeinfrei via Fundus/ Verena Hilß
Leipziger Chatschkar
Armenien und sein Christentum
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27.05.2026 06:20

In Leipzig steht ein zwei Meter hoher Stein, darauf ein Kreuz voller Ornamentik. Er hat einen weiten Weg und eine lange Geschichte hinter sich. Denn er stammt aus dem ältesten christlichen Land der Welt.

Sendetext:

Wo sich in Leipzig Martin-Luther-Ring und Nonnenmühlgasse kreuzen, steht seit Kurzem ein rotbrauner Stein: mehr als zwei Meter hoch, ein massiver Quader mit einem kunstvoll verzierten Kreuz in der Mitte. Gefasst ist es mit fein ziselierten Mustern und blattartigen Ornamenten. Ranken, Flechtwerk und kunstvolle Knoten rahmen alles. Über dem Kreuz: die Mutter Gottes mit dem Jesuskind auf dem Arm und Gottvater. Dazu zwei Engel. Dieser Kreuzstein ist ein "Chatschkar". In Armenien prägen Chatschkare seit dem 9. Jahrhundert Landschaften, Klöster und Plätze.

Der Leipziger Chatschkar ist Teil des deutsch-armenischen Kulturjahres "Leipzig–Jerewan". Er wurde aufgestellt als Ort des Erinnerns – zum Gedenken an den Völkermord an Armenierinnen und Armeniern vor 111 Jahren.

Ich hatte mit Armenien kaum Berührungspunkte. Bis ich die junge, quirlige Ärztin Anahit Babayan in einem Gottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche kennengelernt habe. Mich beeindruckt, wie sie von ihrer armenischen Herkunft erzählt, von einem Land, das seit über 1700 Jahren an seiner christlichen Hoffnung auf Gott festhält. Wenn ich Anahit Babayan zuhöre, merke ich: Es gibt eine weltweite christliche Verbundenheit. Die Menschen in Armenien sind auch meine Glaubensgeschwister.

In dem kleinen Land zwischen Georgien, Iran und der Türkei wird das Christentum bereits im Jahr 301 Staatsreligion. Hundert Jahre später begründet ein Mönch das armenische Alphabet, damit die Bibel übersetzt werden kann. Bis heute gehört der christliche Glaube zur Identität des armenischen Volkes. Doch diese Identität ist immer wieder bedroht worden – im Osmanischen Reich ebenso wie in der Gegenwart durch Konflikte mit dem postsowjetischen Aserbaidschan oder durch islamistische Kämpfer aus dem Nahen Osten. Der Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs ist vielleicht das bekannteste Beispiel, aber nur eines von unzähligen Gräueln, die dieses Volk erlitten hat.

Menschen ermorden, ihre Kultur vernichten – das geht schrecklich oft Hand in Hand. Auch die armenischen Kreuzsteine wurden vielerorts systematisch zerstört. Nun steht ein Chatschkar mitten in Leipzig, nahe der neuen Propsteikirche St. Trinitatis. Eine junge Kirche neben einem Kreuzstein, der von 1700 Jahren Christentum erzählt. Moderne und Geschichte, Gedenken und Gegenwart gehören zusammen.

Es gilt das gesprochene Wort.

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