Die Berliner Malerin FRANEK lässt auf einem Bild ein Mädchen und ein Nashorn einander begegnen. Beide scheinen zu fragen: "Wo kommst du her?" Über die Nähe und die Fremdheit zwischen Mensch und Tier.
Sendetext:
"Where are you from?" heißt ein Bild der Berliner Malerin FRANEK. Zu sehen ist ein Mädchen und ein Nashorn, die sich gegenseitig anschauen. "Wo kommst du her?" Mädchen und Nashorn schauen einander an. Irgendwie vertraut. Und doch fremd: Wer bist du? Was denkst du? Über dem Mädchen und dem Nashorn schwebt eine Drohne, die an Krieg, an Flucht und Vertreibung denken lässt. Wer begegnet hier wem? Wer ist in wessen Territorium eingedrungen? Wer fragt hier wen nach seiner Herkunft?
FRANEK beschäftigt sich seit vielen Jahren mit gefährdeten und aussterbenden Tierarten. Alle Tiere auf der sogenannten "Roten Liste", dem Verzeichnis der vom Aussterben bedrohten Tiere, interessieren sie. Sie porträtiert Tiere, die es nicht mehr gibt oder bald nicht mehr geben wird, setzt ihnen ein Denkmal. Auf Leinwand, auf Schiefertafeln.
Ich denke an Noah, den großen Retter der Tiere. Von jeder Art nimmt er ein Paar in seine Arche auf und bewahrt sie so vor dem Ertrinken in der Sintflut. FRANEK hat auch ihm ein großes Wandbild gewidmet: ein Wimmelbild der Tierarten, die sich im Bauch der Arche tummeln – weit weniger geordnet als auf traditionellen Bildern.
In der Bibel sagt Gott nach dem Ende der Sintflut: "Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe." (Genesis 8,21) Gott gibt sein Versprechen, die Welt zu bewahren – und das, obwohl sie nicht ist, wie sein sollte.
Als Gott die Tiere schuf, gab er den Menschen die Aufgabe, die Schöpfung, Tiere und Pflanzen zu bewahren. Doch bis heute "seufzt" die Schöpfung – Tiere und Pflanzen leiden unter dem Einfluss des Menschen: "Anthropozän" heißt die weltgeschichtliche Phase, in der der Einfluss des Menschen auf die Natur überhandgenommen hat.
"Where are you from?" "Wo kommt du her?" Im Gegenüber von Nashorn und Mädchen zeigt sich auch die Verantwortung des Menschen, die Nähe, die Schicksalsgemeinschaft zwischen Mensch und Tier. Und ihre Fremdheit. Es geht um das Aushalten des Fremden. Um die Fähigkeit, den Anderen als Anderen anzuerkennen. Ihn verstehen zu wollen, aber nicht verstehen zu können und damit zu leben. FRANEK führt mit ihren Mensch-und-Tier-Studien in diese Erfahrung hinein. Und bringt gerade auf diese Weise Mensch und Tier ganz nah zusammen.
Es gilt das gesprochene Wort.
Feedback zur Sendung? Hier geht's zur Umfrage!