Fluten und Wellen haben eine zerstörerische Kraft. Auch im übertragenen Sinn.
Sendetext:
Ohne Wasser ist kein Leben möglich. Doch viele Menschen haben in den letzten Jahren auch die zerstörerische Kraft des Wassers bitter erlebt. Wenn Flüsse über ihre Ufer treten, erschrecke ich vor der Macht des Wassers. Deshalb ist für mich diese bedrohliche Energie des Wassers eine Metapher für andere Fluten. Die ohne Wasser. Die Geldströme, die Flutwellen der Finanzmacht, die unser Leben fast unsichtbar bestimmen. Und mich manchmal ratlos und wütend machen.
Wir sprechen von ‚Einflussnahme‘. Das Wort erinnert an Flusswasser. Im Bild gesprochen sehe ich einen reißenden Fluss, der über seine Ufer tritt und das Land flutet. Der keine Rücksicht nimmt, sondern sich einfach nimmt, was ihm nicht gehört. Das Abgründige im Wort selber: Mit Energie und Macht Einfluss nehmen. Bilderfluten und Influencer, die den Meinungsfluss kontrollieren, Kaufströme leiten möchten. Der Dichter Ben Cami (1) sagt über uns Menschen: Zu siebzig Prozent sind wir Wasser, fast / Wie das Meer, und ebenso tief und gefährlich sind wir (…).
Ich denke an den ständig fließenden Quell von Missverständnissen zwischen Menschen im Alltag. An den Hass in Social Media. "Tief und gefährlich sind [auch] wir." Es ist schwer, dem zu widersprechen. Aber ohnmächtig bin ich nicht. Es gibt einen Rat. Nämlich alles, was ich wahrnehme, im Wasserbad des Wortes (Eph. 5,26) zu reinigen. Das empfiehlt die Bibel. Gemeint ist das Wort Gottes als kritischer Begleiter. Sich zum Beispiel fragen: "Was würde Jesus dazu sagen?" Das lässt mich innehalten und überlegen. Als konstruktive Störung im Alltag. Jesus hat einmal gesagt (Mt. 15,18f.): Was aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen (…) Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken. Das passt perfekt in die heutige Zeit: Lügen, über andere lästern und anderes mehr.
"Was würde Jesus dazu sagen?" Bei der Frage geraten meine Gedanken ins Stolpern, von denen ich mich zu oft bestimmen und triggern lasse. Die Frage stört meine Alltagssichtweise. Gelingt diese Störung – bei mir oder auch bei anderen – ist das schon viel. Mich täglich darin üben, ist ein gutes Training. Ich bin nicht ohnmächtig.
Es gilt das gesprochene Wort.
Literatur zur Sendung:
(1) Ben Cami (1920 – 2004) in: Das Meer. Gedichte. Reclam 2005.2014, Seite 111
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